Die Scheidewand
„Denn Er ist unser Friede, der aus Beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften, und um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte.“ Eph. 2, 14-16.
Die Scheidewand des Zaunes zwischen Israel und den Heiden war das Gesetz mit seinen Geboten. Die Heiden waren ausgeschlossen von der Bürgerschaft Israels und fremd den Bündnissen der Verheißung, da Gott sah, dass die Schwachheit des Fleisches den Menschen daran hinderte, Gerechtigkeit erreichen zu können. So sandte er seinen Sohn, um die Sünde im Fleisch zu verdammen. Aber als die Sünde verdammt war, musste selbstverständlich das Gesetz, das wegen des sündigen Fleisches erlassen worden war, auch abgeschafft werden. Denn Stephanus sagt, dass sie (die Juden) Verräter und Mörder des Gerechten geworden sind und dass sie das Gesetz durch Weisung von Engeln empfangen und es nicht gehalten haben. Apg. 7, 52-53.
Die Feindschaft liegt also im Fleisch. Diejenigen, die den Herrn der Herrlichkeit umbrachten, meinten von sich, dass sie auf einer viel höheren Stufe stünden als die Heiden, weil sie das Gesetz und die Bündnisse bekommen hatten.
Aber nun hat Christus das Fleisch in seinem eigenen Leib niederbrochen. Er setzte damit das Gesetz außer Betracht und stellte die Juden, die sich rühmten, das Gesetz zu haben, gleich mit den Heiden, die kein Gesetz hatten. Dann sandte er seinen Geist, um davon Zeugnis zu geben, dass die Sünde im Fleisch niedergebrochen worden war, damit sowohl die Juden als auch die Heiden in demselben Geist Sieg über das erringen konnten, worüber das Gesetz keinen Sieg geben konnte. Er bahnte uns einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, sein Fleisch.
Aber es darf niemand glauben, dass Christus diesen Weg gebahnt hat, damit wir diesen nicht zu gehen brauchen. Nein, wir haben uns durch Gehorsam gegenüber dem Geist, d. h. durch Glaubensgehorsam, einen Weg zu bahnen durch unser eigenes Fleisch hin zum Vater, zur Vollkommenheit. Sowohl Juden als auch Griechen haben das Gleiche zu tun. Deshalb wurde auch Paulus erwählt, um im Namen Jesu Christi den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden. Röm. 1, 5. Nur durch Gehorsam des Glaubens wird Gott geehrt. Der Glaube schreitet mit dem Leben voran; denn wir gehen von Glauben zu Glauben, wodurch wir Gott nicht nur einmal ehren, sondern ihn ständig ehren. Aber ehren wir Gott, dann wird er uns verherrlichen, sodass wir gleichzeitig von Herrlichkeit zu Herrlichkeit vorangehen.
Gott hat durch den Leib Christi die Feindschaft zwischen Jude und Heide abgebrochen. Wenn aber nun zwei Heiden – und sogar zwei sogenannte christliche Heiden – in Feindschaft leben, wie deutlich zeigt dies doch, dass das Abbrechen des Fleisches durch den Geist im Leib Christi und in der Gemeinschaft seiner Leiden nicht stattfindet. Einheit in demselben Leib und ein gemeinsames Leiden im Fleisch zu dem gleichen Ziel hin, dem Vater, gibt es nur am Kreuz, wo die Feindschaft untereinander mit ihren vielfältigen Scheidewänden und Parteiungen abgebrochen wird.
Anstelle von Feindschaft im Leib sprießt am Kreuz eine Gemeinde in dem einen Leib hervor mit der Gemeinsamkeit, dass sie, soweit sie gekommen sind, einerlei Meinung sind. Das ist eine Gemeinde, erfüllt mit der Erkenntnis Gottes; denn alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis sind durch Gehorsam in den Leib Christi aufgenommen worden. Das ist eine Gemeinde, deren Haushaltung ein in Gott von Ewigkeit her verborgenes Geheimnis gewesen ist, Eph. 3, 9, das aber jetzt offenbart ist, damit die mannigfaltige Weisheit Gottes den Mächten und Gewalten im Himmel durch die Gemeinde kund würde.
Haben wir so weit an Christi Werk des Zerbruchs im Fleisch teilbekommen, dass wir etwas von dieser Geistesgemeinschaft und dieser Weisheit zu schmecken bekommen haben?
Oder bist du der Auffassung, dass das Werk des Zerbruchs im Leib Christi geschehen ist, damit du frei ausgehst? Eben diese Lehre führen alle Feinde des Kreuzes Christi, die in allem Wort der Wahrheit aufgrund derselben Feindschaft unwissend sind. Aber von uns – soviele des Zunichtemachens der Feindschaft teilhaftig sind – wird immer der Lobgesang erschallen über seinen unendlichen Reichtum an Gnade in den Leiden, an Trost in der Trübsal und an Erquickung, wenn man müde und matt ist.
