Satan unter Gottes Volk
Wenn Satan unter Gottes Volk arbeitet, benutzt er dazu natürliche Mittel: Die Sehnsüchte und Neigungen des Menschen und das, was dem natürlichen Menschen liegt.
Satan hat Sinn für das, was menschlich ist. Mt. 16, 23. Durch diesen Sinn passt er die Verlockungen so an, wie es zu jedem Einzelnen passt. Unter Gottes Volk würde es nicht gut ankommen, wenn er wie ein brüllender Löwe aufträte. Wenn er aber in der Gestalt eines Engels des Lichts mit lieblichen, schmeichelnden Worten und einem Lächeln um den Mund kommt, so gehört auch beim Gläubigen viel dazu, dass er sich nicht betören lässt. Ob Satan nun auf die eine oder die andere Weise kommt, so hält er doch unbarmherzig an seinem Vorhaben fest, den Menschen ins Verderben zu führen.
Man dient Satan, indem man das Seine sucht und sich über den Willen Gottes und die Wirkungen des Geistes hinwegsetzt.
In den Tagen Josuas ließ Gott die Israeliten Sieg erringen; aber als Achan sich an den verbannten Gütern vergriff, entbrannte der Zorn des Herrn gegen die Kinder Israels, sodass dreitausend Männer des Volkes vor den Männern von Ai die Flucht ergreifen mussten. Jos. 7, 1. Gott kämpfte für Israel, solange sie Gott gehorchten; aber als sie Satan gehorchten, erlitten sie Niederlage. Satan wirkte in dieser Situation durch die Lust.
Als Saul gesündigt und das Vieh verschont hatte, für das er Befehl von Gott hatte, dass es getötet werden sollte, sagte er zu Samuel: Ich habe gesündigt, dass ich des Herrn Befehl und deine Worte übertreten habe; denn ich fürchtete das Volk und gehorchte seiner Stimme. 1. Sam. 15, 24. Die nächste Sünde folgte bald darauf, als Saul wollte, dass Samuel so tun sollte, als ob nichts passiert wäre, und ihn uneingeschränkt vor den Ältesten des Volkes und vor Israel ehren sollte.
Satan machte sich das Begehren des Volkes zunutze, das so stark war, dass Saul, obwohl er den Willen Gottes wusste, aus Feigheit dem Volk gehorchte. Saul hatte kurz vorher Amalek von Hewila an bis nach Schur geschlagen, das östlich von Ägypten liegt. V. 7. Als sich aber Satan unter Sauls eigenen Leuten offenbarte, ging dieser ansonsten so tapfere Krieger in die Knie – mit der Folge, dass Gott ihn verwarf und einen anderen an seiner Stelle zum König erwählte.
Simson erschlug tausend Philister mit einem Eselskinnbacken, Ri. 15, 16; aber er ließ sich betören und kam zu Fall durch eine schwache Frau, der er sein ganzes Herz auftat und sagte: „Es ist nie ein Schermesser auf mein Haupt gekommen; denn ich bin ein Geweihter Gottes von Mutterleib an. Wenn ich geschoren würde, so wiche meine Kraft von mir und ich würde schwach wie alle andern Menschen.“
Diese Frau plagte Simson mit ihren vielen Fragen, bis er zuletzt – um Frieden zu bekommen – ihr das ganze Geheimnis offenbarte.
Satan arbeitete hier, indem er Simson müde und mürbe machte, bis er um jeden Preis Frieden haben wollte. In seinem unaufmerksamen Zustand wählte Simson aber den Frieden, der von Satan ist; und so kam der Fall und die Kraft verschwand.
Salomo hatte ein weises und verständiges Herz bekommen, sodass seinesgleichen vor ihm nicht gewesen ist und nach ihm nicht aufkommen sollte. 1. Kön. 3, 12. Aber Satan betrog ihn; denn „Salomo liebte viele ausländische Frauen neben der Tochter des Pharao: moabitische, ammonitische, edomitische, zidonische und hetitische, aus den Heidenvölkern, von denen der Herr den Kindern Israels gesagt hatte: Geht nicht zu ihnen und lasst sie nicht zu euch kommen, denn sie werden gewiss eure Herzen zu ihren Göttern wenden! An diesen hing Salomo mit Liebe.“ 1. Kön. 11, 1-2.
Bereits in diesem Punkt übertrat Salomo das Gebot des Herrn und der nächste Schritt folgte: „Und es geschah zu der Zeit, als Salomo alt geworden war, da wendeten seine Frauen sein Herz anderen Göttern zu, sodass sein Herz nicht mehr ungeteilt mit dem Herrn, seinem Gott, war wie das Herz seines Vaters David. So lief Salomo der Astarte nach, der Gottheit der Zidonier, und Milkom, dem Gräuel der Ammoniter. Und Salomo tat, was böse war in den Augen des Herrn.“
Salomo brach bewusst die Gesetze der Weisheit und die Weisheit wich von ihm; denn wer etwas tut, was böse in den Augen des Herrn ist, der ist nicht mehr weise. Er gehorchte seinen Frauen mehr als Gott und dies wurde ihm zum Fallstrick.
Es steht von den jungen Witwen, dass einige von ihnen sich abgewandt haben und dem Satan folgten. 1. Tim. 5, 15. Sie waren faul und liefen von Haus zu Haus, waren geschwätzig und vorwitzig. „Denn wenn sie ihrer Begierde nachgeben Christus zuwider, so wollen sie heiraten.“
Nicht dies, dass man heiratet, ist Christus zuwider; denn in V. 14 heißt es: „So will ich nun, dass die jüngeren Witwen heiraten, Kinder zur Welt bringen, den Haushalt führen, dem Widersacher keinen Anlass geben zu lästern.“
Christus wird man dann untreu und wendet sich ab und folgt Satan, wenn man in fleischlicher Lust heiraten will. Doch soll ein jeder seine eigene Frau zu gewinnen suchen in Heiligung und Ehrerbietung und nicht in gieriger Lust. 1. Thess. 4, 4-5.
Als Jesus seinen Jüngern zu verstehen gab, dass er nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, Hohepriestern und Schriftgelehrten viel erleiden würde und getötet und am dritten Tag auferstehen würde, nahm Petrus ihn beiseite und sagte: „Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht! Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.“
Jesus hatte seinen Jüngern soeben erklärt, dass er leiden und sterben und am dritten Tag auferstehen müsse. Aber Satan, der große Fürsorge für das Fleisch hat, konnte in dieser kurzen Zeit so kräftig auf Petrus einwirken, dass dieser sagte: Das widerfahre dir nur nicht! Satan wusste genau: Wenn Jesus sich Leiden und Sterben hätte ersparen wollen, hätte er auch nicht auferstehen können. Und wäre Jesus nicht auferstanden, dann wäre unser Glaube vergebens und wir wären die elendsten unter allen Menschen. 1. Kor. 15, 19. Wogegen Satan nichts gehabt hätte.
Satan greift auch heute dort an, wo der Mensch seine schwache Seite hat. Er benutzt die Begierde in der verdorbenen Natur des Menschen als Waffe, weil er genau weiß, dass es dem Menschen gefällt, seine Lüste zufriedengestellt zu bekommen. Aber die Schrift nennt ein Trachten in diese Richtung „sich abwenden und dem Satan folgen“.
Es ist Gottes Absicht, unseren Willen zu stärken, unsere Gesinnung zu reinigen und uns charakterfest und widerstandsfähig zu machen; und was kann ein Mensch sich mehr wünschen? Wenden wir uns aber der Eitelkeit, der Mode, der Ehre, dem Reichtum, der Feigheit, der Weichlichkeit usw. zu, dann wenden wir uns Satan zu, der uns charakterlos, feige, verlogen und zu kriechenden und armseligen Wesen macht.
Da wir nun wissen, dass das Volk Gottes Neigungen dazu hat, der Mode zu folgen, eitel, feige, ehrsüchtig und weichlich zu sein, was alles dazu dient, das Kreuz und die Kraft wegzunehmen, so schließen wir daraus wiederum, dass Satan unter Gottes Volk beträchtlich wirksam ist und dass es gilt, den Kampf gegen ihn aufzunehmen, damit wir Sieg und Kraft bekommen und das Feld behalten können, nachdem wir alles überwunden haben.
