Wahres Licht und falsches Licht
„Denn die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt.“ 1. Joh. 2, 8.
Ebenso sicher, wie es wahres Licht gibt, gibt es auch falsches Licht. Der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Arten von Licht besteht darin, dass vor dem wahren Licht die Finsternis weicht, während falsches Licht die Finsternis zulässt. Das falsche Licht eignet sich alle Herrlichkeiten an, ohne die Finsternis zu vertreiben. Denn wenn die Finsternis vertrieben werden soll, bekommt man die Gemeinschaft mit Christus in seinen Leiden zu spüren, und davon will das falsche Licht nichts wissen.
Das falsche Licht lehrt, dass der Mensch nur dazu geschaffen ist zu genießen. Es versetzt den Menschen mit Leib, Seele und Geist von der Erde in den Himmel; und damit ist man frei von Trübsalen und Leiden, zumal die Auferstehung schon geschehen ist. Gott in der Ewigkeit und Christus in der Herrlichkeit leiden nicht, sie werden nicht versucht, deshalb lehrt das falsche Licht, dass man ihnen gleich sein soll.
Das wahre Licht dagegen platziert den Leib auf der Erde und lehrt, dass wir in der Zeit unserer Fremdlingschaft fern vom Herrn weilen, solange wir im Leibe wohnen. 2. Kor. 5, 6. Es lehrt, dass der Mensch sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen und seinen Leib hingeben soll – nicht um zu genießen, sondern als ein lebendiges, Gott wohlgefälliges Opfer.
Jesus sagt von sich selbst: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Dies sagte Jesus in den Tagen seines Fleisches, als das Licht sich Bahn brach und die Finsternis mit solch einer Macht des Gerichtes aus seinem Leib vertrieb, dass er mit lautem Schreien und mit Tränen Bitten und Flehen dem darbrachte, der ihn vom Tod erretten konnte. Auf diese Weise bahnte sich das wahre Licht den Weg durch den Leib Christi, damit auch wir in unserem Leib dem Licht und dem Gericht Raum geben sollen, sodass die Finsternis weichen muss.
Das wahre Licht hat einen Leib zu opfern; aber das falsche Licht hat einen Leib, der genießen soll.
Das falsche Licht behauptet, erlöst und frei von allen Leiden zu sein, woraus wir verstehen, dass es die Finsternis nicht vertreibt, sondern vielmehr mit ihr in Harmonie ist. Deshalb kann Jesus auch sagen: „Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!“ Mt. 6, 23.
Unser irdischer Leib ist ein Glied am irdischen Leib Christi und muss als solcher den Weg des Gehorsams und der Erniedrigung gehen, um an Christi Auferstehung teilzubekommen und ein Glied an seinem verherrlichten Leib zu werden. Denn erst das Natürliche, dann das Geistliche. Es gibt einen irdischen Leib und es gibt einen himmlischen Leib.
Das Licht liegt im Geist. Der Geist Christi trieb Christus dem Fleisch nach in den Tod. Und als dieser Geist diese Mission mit Christus ausgeführt hatte, wurde er zur Erde gesandt, um uns den gleichen Weg zu führen.
Das wahre Licht verlangt Opfer – Wasser und Blut. Das falsche Licht dagegen verlangt Genuss.
Das wahre Licht unterweist in Richtung von mehr Gottesfurcht; das falsche Licht ist ein Leuchtturm des Teufels, der hinführt zur Stadt des Verderbens.
Menschen, die das falsche Licht annehmen, werden gesetzlos und kein Gewissen hindert sie mehr. Sie können tun, was immer sie wollen. Judas trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er solche als Schandflecken bezeichnet, die sich selbst weiden; als Wolken ohne Wasser, vom Wind umhergetrieben; als kahle, unfruchtbare Bäume, zweimal abgestorben und entwurzelt; als wilde Wellen des Meeres, die ihre eigene Schande ausschäumen, und als umherirrende Sterne, deren Los die dunkelste Finsternis in Ewigkeit ist.
