Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1912-01 - Die Braut

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Die Braut

Jesus hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein. Ehe er unsere Erde betrat, spielte er allezeit vor dem Angesicht Gottes und hatte seine Lust an den Menschenkindern. Gewiss gab es dort in der Ewigkeit Myriaden von Engeln und viel Schönes, das wir hier nicht erahnen können; doch nichts davon konnte Jesu Herz zufrieden stellen. Er hatte seine Lust an den Menschenkindern.

Als Gott alle Dinge erschaffen und für sehr gut befunden hatte, schuf er den ersten Menschen, Adam. Gott setzte Adam in den Garten Eden; diesen sollte Adam bebauen und bewahren. Man sollte glauben, dass Adam hier rundum zufrieden gewesen wäre, aber das war er nicht und Gott verstand dies besser als Adam. Darum sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht! 1. Mos. 2, 18. Da ließ Gott einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, nahm eine seiner Rippen, bildete eine Frau aus der Rippe und brachte sie zu Adam. V. 22. Da sprach der Mensch: Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch!

Adam hatte schon lange gefühlt, dass ihm etwas fehlte, deshalb ruft er aus: Das ist endlich Gebein von meinem Gebein usw.

Genauso verhält es sich mit dem zweiten Adam, Christus. Er sehnt sich nach seiner teuer erkauften Braut. Und diese muss aus den Menschenkindern genommen werden. Um sie zu gewinnen, verließ er seine himmlische Herrlichkeit und ging hinab, wo sich seine Geliebte aufhielt. Es war indessen nicht genug, dass er zu uns herab kam; er musste auch noch Fleisch und Blut annehmen und uns in allen Dingen gleich werden, um den Weg durch den Vorhang, das ist sein Fleisch, zu bahnen. Auf diesem Weg sollte seine Braut wandeln, um zu ihm aus dem Vergänglichen in das Unvergängliche und Ewige kommen zu können. Christus bewies Treue, als er hier unten wandelte und nun will er, dass die Braut in den Tagen ihres Fleisches genauso treu ist. Auf diese Weise wird man ein Fleisch mit Christus. „Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.“ Eph. 5, 32. Ein Mann wird Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen und die zwei werden ein Fleisch sein – nicht nur von Christi Geist bekommen, sondern vom Geist dahin getrieben werden, dass der Leib für Gott ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer wird. Einheit im Fleisch.

Wir sind von oben her geboren mit unvergänglichem Samen durch das Wort Gottes, das lebt und ewig bleibt; wir ernähren uns und wachsen durch dasselbe Wort. Zuerst sind wir Kinder, danach wachsen wir heran zu einer reinen Jungfrau für Christus. Diese reine Jungfrau ist für Christus das, was Eva für Adam war. Nur ist das Verhältnis himmlisch, während unsere ersten Eltern irdisch waren. Es gibt Jungfrauen ohne Zahl, d. h. solche, die nicht zum reifen Alter herangewachsen sind, doch um keine von diesen kann Christus werben. Christi Braut ist die reife Frau, aus deren Natur die göttliche Liebe und Hingebung hervorbricht. Sie ist krank vor Liebe. Erquick mich mit Traubenkuchen und labe mich mit Äpfeln, ruft sie aus.

Im Brautstand denkt man weder an Geschenke noch an vielerlei gute Speisen. Der Gedanke an sich selbst und die Fürsorge für die eigene Person sind weg. Nur der Bräutigam! Meinen eigenen Weinberg habe ich nicht behütet. Sage mir an, du, den meine Seele liebt, wo du weidest, wo du ruhst am Mittag? Sie öffnet sich nicht für irgendjemand, sie ist eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born. Sie will lieber im Fleisch leiden als anderen als dem Bräutigam ihre Geheimnisse zu offenbaren. Sie ist, was sie ist: Das Ideal von allem, was ein Menschenkind erreichen kann, das durch die Gnade Gottes der göttlichen Natur teilhaftig wird.