Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1912-11 - Ratschläge und Hinweise für Neubekehrte

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Ratschläge und Hinweise für Neubekehrte

Hast du der Sünde und der Welt Lebewohl gesagt und Frieden mit Gott in einem guten Gewissen bekommen, dann wandle weiterhin mit deinem Gott, wie du ihn angenommen hast. Wirf dich nicht blindlings in die Arme der einen oder anderen Sekte, halte dich für zu schade dafür. Falle nicht denen zum Raub, die nur die Taufe mit Wasser verkündigen, die aber selbst schon längst ihren Bund eines guten Gewissens gebrochen haben; oder denen, die die Taufe mit dem Heiligen Geist verkündigen, aber selbst noch nie gehört haben, was der Geist in der Seele und zur Gemeinde sagt. Wir leben in einer Zeit, in der die Christen von sich sagen, dass sie reich seien und Überfluss hätten und ihnen nichts mangle, in einer Zeit, in der man unzählige Lehrer wählt, die reden, wonach einem die Ohren jucken. Der Neubekehrte kann sich in den Händen des einen oder anderen von allen diesen leitenden Personen wohl bewahrt wähnen, ohne zu wissen, dass die Leitenden selbst untereinander in Krieg und Zwietracht leben. Er wird dadurch statt unverfälschter Milch den Geist der Parteiung zu sich nehmen und somit schon in den Anfängen seiner geistlichen Laufbahn einen Knacks erleiden, wodurch ihm der kindliche Glaube an Christus entrissen wird, den er hatte, bevor er unter die Fittiche der „beschützenden“ Leiter kam.

Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an; denn er kannte sie alle; denn er wusste, was im Menschen war. Joh. 2, 24-25. Es ist vielleicht eine harte Kur für den Neubekehrten, Jesus hierin nachzufolgen. Aber wenn man wie er Erkenntnis darüber bekommt, was im Menschen wohnt, übersteht man dies und wird durch ständigen Wandel in der Gemeinschaft des Geistes bald lernen, selbst Nahrung und Kraft zu finden. Man wird auf diese Weise vor vielem bewahrt bleiben, dem man sonst ausgesetzt wäre und was man sonst durchmachen müsste und was einen sogar ganz von Gott wegführen kann.

Der Neubekehrte hat Beistand nötig und dieser Beistand soll die Gemeinde sein. Deshalb heißt es in Apg. 2, 47: „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ Wie gesegnet wäre es doch, wenn man den Neubekehrten so eine Gemeinde bieten könnte. Was Gott aber vormacht, das versucht Satan nachzumachen. Er versucht auch, die Neubekehrten der Gemeinde hinzuzufügen, weil er weiß, dass das Sehnen nach Beistand vorhanden ist. Nach jeder Erweckung wimmelt es daher von „geistlichen Haien“, die alle versuchen, die Neubekehrten in ihre eigene einzig richtige Glaubensgemeinschaft zu ziehen. Und ist es ihnen gelungen, eine Seele zu fangen, dann machen sie in erstaunlich kurzer Zeit einen geistlich Toten aus ihm.

Bist du neubekehrt, dann wisse, dass Menschen, die vom Geist einer Parteiung erfüllt sind, dir auf allen deinen Wegen in einer Weise nachstellen, die bis zur Eifersucht geht. Sie machen sich deine Unwissenheit zunutze; und deshalb musst du sehr gottesfürchtig sein und genau auf die Stimme des Geistes hören, um dich in deinem Geist rein und frei bewahren zu können – ohne gefangen zu werden.

Komm doch in unsere Gemeinschaft, hier hast du Gelegenheit zu arbeiten, hier wirst du bewahrt, hier tun wir genau nach dem Wort Gottes usw., tönt es in den Ohren des Neubekehrten. Lässt er sich locken, wird er dasitzen wie ein Rekrut und Neuankömmling, der dem Vorsteher, dem Vizevorsteher, den leitenden Personen und einer ganzen Reihe anderer Etablierter gehorchen muss, die das Recht beanspruchen, dass der Neuankömmling ihnen allen Respekt und alle Ehrerbietung erweist. Der Neubekehrte, der vorher Gott nahe bei sich hatte, gerät nun so weit weg von ihm, dass er ihn kaum noch wahrnehmen kann. Er sieht Gott und die Vollkommenheit durch diesen ganzen Stab von Menschen, die er als viel geistlicher als sich selbst ansieht und anzusehen beigebracht bekommt. Auf diese Weise gerät Gott in so weite Ferne. Den Zustand seiner Seele vertraut er deshalb auch diesen leitenden Kräften an und damit ist er verkauft. Er ist ein Sklave geworden, er hat sich einfangen lassen. Er hat das einfältige und unmittelbare Vertrauen zu Gott verloren und fragt nun Menschen um Rat.

Wer sind denn nun diese Vorsteher und Vizevorsteher und diese leitenden Personen, denen er seine Seele ausgeliefert hat?

Wenn du ein wenig von der Augensalbe bekommen hast, womit Gott die Augen seiner Zeugen salbt, Offb. 3, 18, dann wirst du erkennen, dass die dem Fleisch nach Angesehensten die Ehrenstellungen innehaben. Der weniger Angesehene hat beste Aussichten darauf, all seine Lebtage zum Fußvolk dieser Gemeinschaft zu gehören. Es sind also die Angesehenen nach dem Fleisch, denen der Neubekehrte nun seine Seele anvertraut. Jesus hatte keine Gestalt, an der man hätte Gefallen haben können. Der Neubekehrte hat auch kein Gefallen mehr an ihm. Er ist von Satan gefangen, sodass er Personen nach dem Fleisch ansieht und nicht mehr so lebt, dass er niemand nach dem Fleisch kennt. Sondern er ist vielmehr ein Schuldner des Fleisches geworden; denn nun muss er vielen gefallen.

Der Neubekehrte bekommt es in seiner neuen Umgebung dem Fleisch nach angenehm, aber dem Geist nach ist er ein gefangener Sklave geworden. Die Ältesten der Gemeinschaft und die Mitglieder, die ihn vor seinem Beitritt zu „ihrer Gemeinschaft“ nicht als „einen von Ihnen“ ansahen, reichen ihm nun die Hand der Gemeinschaft und der Neubekehrte fühlt sich erhoben und träumt davon, dass dieses Glück anhalten wird. Wenn etwas Zeit vergangen ist, hat er sogar Aussichten, bei der Wahl eines neuen Vorstandes Stimmen zu erhalten; denn es ist schon mehreren aufgefallen, dass er Talente hat, die nicht in der Erde vergraben werden sollten. Welch eine Ehre – Mitglied im Vorstand sein zu dürfen! Aber die vertraute Gemeinschaft mit Gott ist und bleibt verschwunden; denn er hat sich von Menschen, die selbst von Satan betrogen sind, überwinden und einfangen lassen.

Will er sich nun aus diesem Zustand wieder zu voller Freiheit herauskämpfen, dann wird er als Revoluzzer und widerspenstiges Mitglied angesehen, das nicht so demütig ist, wie es sein sollte, und deshalb von den Ältesten zurechtgewiesen werden muss. Fällt er dann nach der Zurechtweisung wieder in Kraftlosigkeit zurück, sagt man von ihm, dass er nun „lieb“ geworden sei. Sollte aber das Sehnen nach Wahrheit bei ihm immer noch so stark sein, dass er weiterhin aufbegehrt, kann er innerhalb deren Gemeinschaft nicht mehr geleitet werden; und dieselben Spitzenleute, die ihm noch vor einiger Zeit die Hand der Gemeinschaft gereicht hatten, greifen nun zu dem Mittel, das der Heiland prophetisch gesehen und vorausgesagt hatte: Sie stoßen ihn aus der Synagoge aus. Joh. 16, 2. Er hat ihre Höhen angetastet und in ihrem Allerheiligsten Urteil gesprochen.

Wenn du, neubekehrte Seele, bewahrt bleiben willst, dann lerne, selbst zu denken. Lässt du andere für dich denken, wirst du das bald teuer bezahlen. Lasst uns zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen, Hebr. 13, 13; denn im Lager streicheln die Gebundenen ihre Fesseln und sehen einen Feind in jedem, der sie befreien will. Aber der Mensch, der vom Weg der Klugheit abirrt, der wird in der Schar der Toten weilen. Spr. 21, 16. Die Ruhe in der Schar der Toten ist eine gefährliche Ruhe! Hüte dich vor dieser Ruhe, du neubekehrte Seele, und befleißige dich, in die Ruhe Gottes hinein zu kommen, die man durch Glauben bekommt. Hebr. 4, 11.

Es gibt einen Leib (d. h. eine Gemeinde) und einen Geist, wie auch ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und der Vater aller. Eph. 4, 4-6. Lasst uns Fleiß tun, in diesen Dingen die Einheit des Geistes zu bewahren. V. 3. Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft – zu einer Gemeinde. Eine andere Gemeinde ist nicht von Gott gegründet worden. Es gibt nur eine Taufe, ein Begräbnis mit Christus; aber dies ist der Bund eines guten Gewissens, den der Mensch eigenverantwortlich mit seinem Gott schließt, in einem neuen Leben zu wandeln und ein gutes Gewissen zu bewahren. Wenn wir dies tun, wandeln wir im Licht und dann haben wir Gemeinschaft untereinander; und das Blut Christi reinigt uns von aller Sünde. Eine andere Gemeinschaft in diesem einen Leib, dieser einen Gemeinde, ist nicht nötig.

Möge Gott in seiner Gnade die Neubekehrten in voller Freiheit in eine tiefere Ruhe und in ein umfassenderes Verständnis führen; denn ihr, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt.