Prüft die Geister!
„Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt.
Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott, und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt.“ 1. Joh. 4, 1-3.
Uns wird empfohlen, die Geister zu prüfen; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt. Wenn Johannes uns nun bittet, das zu tun, dann geht er also davon aus, dass wir dazu imstande sind und gibt uns hierzu eine klare Anweisung:
„Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott.“
Warum ist denn jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, von Gott?
Das kommt daher, dass der Betreffende so gottesfürchtig gewesen ist, dass er durch das Kreuz etwas von Christi Leiden im Fleisch kennengelernt hat und deshalb aufgrund eigener Erfahrung bekennen kann, dass Christus in das Fleisch gekommen ist.
Die Geheimnisse der Gottesfurcht werden Feinden des Kreuzes Christi nicht offenbart. Aber diejenigen, die darin leben, können bezeugen, dass er in das Fleisch gekommen ist. Und von solchen Geistern wissen wir zuverlässig, dass sie von Gott sind.
„Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht bekennen, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist. Dies ist der Verführer und der Antichrist.“ 2. Joh. 7.
Diese Verführer sind nicht die Welt im Allgemeinen; denn diese verführt niemanden in der Frage, inwieweit Christus in das Fleisch gekommen ist oder nicht. Diese Verführer sind Leute, die ein besonderes Interesse daran haben zu leugnen, dass Christus in das Fleisch gekommen ist. Ihnen gelingt es dadurch, die Unbefestigten zu verführen – weg vom Kreuz und vom Wort vom Kreuz, das eine Gotteskraft ist. Deshalb verkündigen sie einen Jesus, der nicht in das Fleisch gekommen ist, der nicht seinen Brüdern in allem gleich geworden ist und der nicht in die Nachkommenschaft Abrahams kam. Es wird ein Jesus mit Engelfleisch oder dergleichen verkündigt; ein Jesus, der nicht in allem wie wir versucht worden ist. Der Grund, dass man einen solchen Jesus haben will, liegt darin, dass man dann darum herum kommt, an den Leiden Christi teilzuhaben.
Der, der dem entgegenarbeitet, dass Christus in das Fleisch gekommen ist, ist der Verführer und Antichrist. Die Feindschaft gegen das Kreuz und gegen die Leiden Christi ist der Hauptgrund, weshalb man leugnet, dass Christus in das Fleisch gekommen ist.
Dem Fleisch nach kam Jesus aus dem Geschlecht Davids; aber nach dem Geist, der da heiligt, ist er eingesetzt als Sohn Gottes in Kraft. Röm. 1, 3-4.
Man leugnet, dass Jesus aus dem Geschlecht Davids kam und dass er Davids Sohn ist. D. h. man leugnet, dass er in das Fleisch gekommen ist. Es ist ja offenkundig, dass weder Abraham noch Juda oder David, von denen Jesus dem Fleisch nach abstammt, Engelfleisch oder Engelnatur hatten. Aber wenn seine Väter nach dem Fleisch keine Engelnatur hatten, dann hatte Jesus sie auch nicht, er, der ein wenig niedriger als die Engel gemacht wurde und der in seinem Wandel als ein Mensch erfunden wurde. Phil. 2, 8 (norw. Übers.).
Gerade als Mensch erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz. V. 8. Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, dass diese Verführer Jesus nicht als einen Menschen haben wollen, der sich erniedrigt und gehorsam ist; denn daraus würde sich augenblicklich folgende Lehre ergeben: Wenn es für ihn als Meister nötig war, sich zu erniedrigen und gehorsam zu sein, um die Herrlichkeit zu erlangen, dann muss es für uns in gleicher Weise nötig sein.
Manche glauben, Jesus dadurch groß zu machen, dass sie ihm Engelnatur zuschreiben, obwohl es ausdrücklich geschrieben steht: „Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an.“ Hebr. 2, 16. Wir aber machen ihn zu dem, was er ist, wenn wir glauben, dass er sich der Kinder Abrahams annimmt. Eben als Menschensohn sagte er: Nicht mein Wille geschehe!
Wenn wir Erkenntnis der Lehre Christi haben wollen, müssen wir diese vier Worte in der Praxis lernen: Nicht mein Wille geschehe!
Hat man erst einmal diese vier Worte gelernt, wird es sich bald als ein großer Trost erweisen, dass Jesus im Fleisch offenbart und im Geist gerechtfertigt wurde.
Aber diese Wahrheiten gehören zu den Geheimnissen der Gottesfurcht, von denen diese falschen Propheten so weit entfernt sind wie der Osten vom Westen.
Deshalb braucht man sich nicht darüber zu wundern, dass sie rasen und von weit her reisen, um diese Lehre Christi auszurotten; denn die Gesinnung des Herodes und die Angst, religiöse Würde zu verlieren, haben schon längst in ihren Herzen Einzug gehalten. Der äußere religiöse Schein begleitet Saul lange, nachdem er schon abgesetzt ist; aber dennoch ist und bleibt David König.
„Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind nun schon viele Antichristen gekommen; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist.
Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. Denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber es sollte offenbar werden, dass sie nicht alle von uns sind.“ 1. Joh. 2, 18-19.
Wäre der antichristliche Geist der Geist der Welt im Allgemeinen, hätte der Apostel nicht schreiben können: „Sie sind von uns ausgegangen.“ Der antichristliche Geist ist bitterer als der Geist der Welt ansonsten. Diese Menschen sind unter den Gläubigen gewesen und haben sich gegenüber der Lehre vom Kreuz verstockt und sind dadurch deren schlimmste Feinde geworden. Niemand hasste David mehr als Saul; er war krank vor Neid. Wenn daher jemand hoch hinauf auf die Zinnen der religiösen Ehre gelangt ist und sich plötzlich von der Lehre Christi darüber, nach unten zu gehen, untergraben sieht, dann entbrennt eine Glut der Feindschaft; und man rast gegen den Geist, der bekennt, dass Christus in das Fleisch gekommen ist. Das ist David nach dem Fleisch, der erneut vom neidischen Saul verfolgt wird.
Doch wir finden es richtig, mit Johannes zu sagen:
„Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch.“ „Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, dass euch jemand lehrt.“
„Dies habe ich euch geschrieben von denen, die euch verführen.“ V. 26.
Wer glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist, überwindet die Welt. Dieser ist’s, der gekommen ist durch Wasser und Blut, Jesus Christus. Denn drei sind, die das bezeugen:
Der Geist und das Wasser und das Blut; und diese drei stimmen überein. 1. Joh. 5, 7-8.
Solange der Geist nur seine Gnade vermittelt und man sich in den Himmel versetzt fühlt, ist alles gut und dann können sie bei uns sein. Wenn aber der Geist verlangt, dass man mit den anderen beiden Zeugen, dem Wasser und dem Blut, in Verbindung kommt, dann stellen sich die Leiden und das Kreuz Christi ein und damit die Feindschaft. Alles zusammen war schön und gut, solange man sich in der Gnade des Geistes badete, aber sobald die Forderung nach Gerechtigkeit im Geist kam, dann war es aus.
Wir haben Beispiele gesehen, wie Männer zu hohen religiösen Persönlichkeiten aufgestiegen sind, solange der Jubel der Gnade über den Versammlungen ruhte; wie aber dieselben Männer die schlimmsten Feinde wurden, als es galt, sich selbst im Gehorsam durch denselben Geist zu opfern.
Die Geistestaufe ist das herrliche Ergebnis der Leiden und des Sterbens Christi. Darin kann man sich freuen. Wenn aber von einem gefordert wird, persönlich mit ihm zu leiden, um seiner Herrlichkeit teilhaftig zu werden, dann wird ein Saul geboren.
Man will gerne im Zeugnis des Geistes baden, hasst aber das Wasser und das Blut. Mit anderen Worten, man leugnet, dass Christus in das Fleisch gekommen ist. Man will ihn nur in Herrlichkeit für sich selbst haben, damit man ohne die Leiden Christi die Herrlichkeit mit ihm teilen kann.
Teuflische Geister können gut mitkommen, solange nur von Geist die Rede ist; komme dann aber mit den zwei weiteren Zeugen, Wasser und Blut, dann zeigen sie schnell, was sie in Wahrheit sind. Sie können sogar viel vom Kreuz Christi und den Leiden Christi reden, von seinem Wasser und seinem Blut, wenn nur die Forderung nicht an sie selbst kommt, dass sie mit dem Wasser und dem Blut vereinigt werden sollen.
Wenn du einen Geist hast, der persönliche Berührung mit den Leiden Christi hasst, mit Wasser und Blut, dann bist du ein Feind von Christus, selbst wenn du seit Jahr und Tag in der Gnade gejubelt hast, die dir vergeblich angeboten worden ist.
Eben um dieser Wahrheiten willen rasen religiöse Leiter gegen uns, unterstützt von einer ganzen Menge von Feinden des Kreuzes Christi. Aber ihre Verkehrtheit wird offenbar werden. Wir wollen mit Luther sagen: „Das Wort sie sollen lassen stahn und kein’ Dank dazu haben.“
Gott hat sich zu seiner eigenen Lehre bekannt; und viele freuen sich jetzt, dass sie würdig geachtet werden, für Christus und mit Christus zu leiden. Diejenigen aber, die sich als Gegner absondern, beklagen sich bei ihren religiösen Leitern, die ihnen noch nie in Wahrheit Wegleitung gegeben haben, sondern sich alle Tage ihre eigenen Vorteile verschafft haben. Jetzt treten sie als würdevolle Verteidiger auf und wollen ihr Wort in die Waagschale werfen. Aber es wird offenkundig werden, dass sowohl sie selbst als auch ihre Worte vor Jahr und Tag geprüft und zu leicht befunden wurden.
Gott hat keinen Gebrauch für Diener, die sich selbst dienen, und Gottes Gemeinde hat auch keinen Gebrauch für sie.
Prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt.
