Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Brief an Elias Aslaksen, 30.07.1915

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

(Maschinengeschrieben, Original fehlt)

„Nordstjernen“, Bergen, den 30. Juli 1915
Lieber Bruder Aslaksen,
Gottes Friede.

Danke für deinen lieben Brief mit dem beigefügten Brief von N. N. Solche Artikel sind, als ob es sie nicht gäbe, obwohl es sie gibt, und sie sollten daher nie das Tageslicht erblicken, denn mit all unserer Mühe können wir die Finsternis dennoch nicht ganz ausräumen. Es ist eine mühevolle Arbeit, Leute zum Verständnis zu bringen, und sogar Greise praktizieren eher Torheit, als dass sie das Kreuz anwenden.

Hier gibt es einen Saal, wo sich alle Winde der Lehre tummeln. Ich bin zusammen mit den Brüdern von der „Tordenskjold“ dort gewesen und habe ein Zeugnis abgelegt, doch es hat wenig genützt, soweit ich verstehen kann. Sie reden eine Menge unterhaltsame Dinge – ohne die Kraft des Kreuzes. Sie wollen alles direkt von Gott bekommen, sagen sie. Der Mensch sei nichts. Damit schließen sie die Personen aus, die Gott in der Gemeinde eingesetzt hat, damit die Heiligen tüchtig gemacht werden. Dies haben sie von Satan geerbt und dem muss aufs Stärkste entgegengewirkt werden. Ein schwedischer Prediger im o. g. Saal sprach gestern irreführend über Röm. 7 und 8. Ich schrieb einige seiner Fehlschlüsse auf ein Stück Papier und ließ ihm dieses zukommen. Er las ein wenig und sah, dass ich nicht einig war. Dann sagte er: Sie sind vermutlich in Knechtschaft – in Röm. 7. Ich antwortete hierauf, dass ich vor mehreren Jahren die Freimachung, die Taufe mit dem Geist Gottes, geschmeckt hätte. Gehören Sie zu den Smith-Leuten, fragte er. Mein Name ist Johan Smith, antwortete ich. Sie sind also ein Bruder von Aksel Smith, sagte er. Ja, das bin ich. Dann hättest du ihn hören sollen. Ruft er doch aus vollem Hals über die ganze restliche Versammlung hinweg:

„Ich will alle vor „Skjulte Skatte“ warnen, dies ist gefährlich, sie vertreten eine katholische Lehre und führen die Leute in Knechtschaft.“

Ich schwieg zu all diesem und ging hinaus, denn ich spürte einen bitteren Geist darin, wie ich nur selten seinesgleichen empfunden habe. Die Leute zischten und ich war wie ein Verbrecher. Gott erlaubte mir nicht, ihm stehenden Fußes zu antworten, sondern ich musste leiden und es ihm überlassen, der gerecht richtet. Er sagte während seiner Predigt, dass sie Gott nicht zu gehorchen brauchten, das hätte Christus getan. Bei solch haarsträubenden Sätzen kann man lange nach einem Weg in die Freiheit suchen. Und solche Personen sprechen von einer gefährlichen Lehre. Dieses „katholisch“ kommt wahrscheinlich daher, dass wir „Das Gebet“ von Mme Guyon verbreitet haben.

Der Artikel über den Militärdienst hat sehr gut gewirkt. Leutnant B. hat dadurch Licht bekommen. – Wir haben von der „Valkyrjen“ abgemustert, die neue Ankerketten und Ankerwinden bekommen soll. In ca. 5 Wochen sollen wir wieder an Bord gehen.

Liebe Grüße,

dein Bruder Johan