Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1915-06 - Gericht in der Gemeinde

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Gericht in der Gemeinde

„Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind? Gott aber wird, die draußen sind, richten. Verstoßt ihr den Bösen aus eurer Mitte!“ 1. Kor. 5, 12-13.

Überall dort, wo eine geistliche Gemeinde heranwächst, wird „drinnen“ viel zu verbessern und zu richten sein. Aber der Drang zu richten, ist eine der Sünden, die man von der Welt mitbringt – eine der Sünden, die einem sehr fest anhängen, die jedoch mitsamt ihrer Wurzel ausgerissen werden müssen. Sobald Gott einem Menschen etwas von seinem Licht gibt, versucht man, in diesem Licht die Torheiten der anderen herauszufinden, und richtet dann danach. Dieses Urteil wird dann aber meistens hart und ungerecht, weil man in diesem Licht noch nicht in Besitz der Salbung gekommen ist, die alles weiß. 1. Joh. 2, 20.

Das Licht ist uns nicht zum Gericht über andere, sondern über uns selbst gegeben. Denn wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. Erst dann, wenn die Sünde durch unseren Wandel im Licht weggereinigt ist, sind wir im Besitz der Salbung, die alles weiß.

Im ersten Licht wissen wir also nicht alles und können daher in diesem Licht nur uns selbst richten und nicht andere.

Deshalb sagt die Schrift: „Euch zur Schande muss ich das sagen. Ist denn gar kein Weiser unter euch, auch nicht einer, der zwischen Bruder und Bruder richten könnte?“ 1. Kor. 6, 5.

Es ist ein weiser Mann nötig, um „drinnen“ zu richten. Die Korinther waren in jeder Hinsicht reich im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allem Eifer. 2. Kor. 8, 7. Aber Paulus musste ihnen zur Schande sagen, dass es unter ihnen keinen einzigen gab, der Weisheit hatte und innerhalb der Gemeinde und zwischen Bruder und Bruder richten konnte.

Im Fleisch wohnt ein gewisser Drang, drinnen richten zu wollen, sobald man Licht und Erkenntnis bekommt. Aber dieses Richten hat keinen Wert, weil es kein Richten ist, das der Salbung entspricht. Das Richten im Licht bezieht die Gnade nicht mit ein. Wer aber nach der Salbung richtet, hat zuerst sich selbst gerichtet, sodass er weiß, was Richten bedeutet und wie es sich anfühlt, sodass er Mitgefühl haben kann, was der Unerfahrene nicht besitzen kann, weil er nicht selbst geprüft ist.

Im Licht und in der Erkenntnis weiß man nicht alles, weil noch Sünde wegzureinigen ist. Aber in der Salbung weiß man alles und kann deshalb ein gerechtes Urteil fällen – begleitet von der Gnade, die dem Richten Christi immer folgt. Denn Gott, der Herr, hat Auswege aus dem Tod. Wenn man aber nur nach Licht richtet, dann gibt man keinen Raum für einen Ausweg, denn das Fleisch mit dem Gesetz der Sünde in den Gliedern wirkt beim Gericht mit und macht es ungerecht.

„Verleumdet einander nicht, ihr Brüder! Wer seinen Bruder verleumdet und seinen Bruder richtet, der verleumdet das Gesetz und richtet das Gesetz; wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter, sondern ein Richter des Gesetzes.“ Jak. 4, 11.

Dies ist auch eine Art des Richtens, nämlich seinen Bruder zu verleumden, wodurch man unter das Urteil des Gesetzes fällt und durch Sündenvergebung gereinigt werden muss. Der Drang zu richten verunreinigt in diesem Fall die Person selbst und das vorgesehene Richten „drinnen“ bleibt aus.

Wenn es in den Tagen der Korinther so war, dass es ihnen trotz ihres Reichtums in der Lehre, in der Erkenntnis und im Eifer doch an Weisheit fehlte, um drinnen richten zu können, dann können wir sicher sein, dass heute dasselbe gilt. Bedenke das, wenn du richten willst, damit dein Urteil nicht auf deinen eigenen Kopf zurückfällt.

Es gibt viele Zuchtmeister in Christus, aber nicht viele Väter. 1. Kor. 4, 15. Diese Zuchtmeister wollen beim Richten zwar gerne dabei sein; doch ich glaube, dass ich die Schrift auf meiner Seite habe und dass Gottes Zeugnis dies darüberhinaus bestätigt, wenn ich folgende Aussage wage: Warte mit dem Richten, bis du selbst geistliche Kinder gezeugt hast – und wende es erst bei ihnen an, bevor du weiter gehst.