Gottes Friede.
Ich nehme an, dass du meine Postkarte aus Bergen bekommen hast, worin ich dir berichtete, dass ich von Horten kam. Ich traf Br. Moe aus Evanger mit seiner Frau und 2 Kindern. Wir waren ein paar Stunden zusammen, danach begleitete ich sie zum Bahnhof. Es ist eine große Freude, in der tristen Einsamkeit jemanden zu treffen, mit dem man reden kann. Es war sehr gesegnet, ihn von deiner Arbeit im Herrn erzählen zu hören – mit welcher Ehrerbietung und innigen Liebe er von dir sprach. Es ist gesegnet, schon in diesem Leben solche Früchte von seiner Arbeit zu sehen. Womit in der Welt kann man dies vergleichen? Es war erstaunlich, wie er im Herrn gewachsen ist. Wir sprachen darüber, dem Gesetz der Sünde mit dem Fleisch zu dienen und Gottes Gesetz mit dem Sinn, über Werke des Leibes und Werke des Fleisches. Dies interessierte ihn sehr, und es ist schon bemerkenswert, dass hier auf diesen Gebieten fast überall Licht benötigt wird. Br. Lohne in Haugesund hatte hier auch eine Klippe; aber er bekam Licht darüber. Ich weiß nicht, ob ich dir über die bemerkenswerte Person erzählt habe, die ich in Haugesund traf. Das war Nils Risnes, ein 21-jähriger junger Mann (Schmied). Ich saß an einem Abend bei ihm im Dachzimmer. Die Hauswirtin kam und fragte, ob er oben essen oder herunterkommen wollte. Er antwortete nur: Ich wünsche nichts anderes, als dass ich Ruhe habe. Er hatte den Ruf, dass er nur in der Bibel lesen und zurückgezogen leben würde. Er war durch Gottesfurcht in Besitz des Geistes der Offenbarung in der Erkenntnis Gottes gekommen und konnte von Christi Leidensgemeinschaft berichten und davon, stark und schwach in Christus zu sein. Er verstand auf eine treffende und schlagfertige Weise, die Sprüche Salomos anzuwenden. Wir sprachen an mehreren Abenden miteinander. Br. Lohne war dabei, und wir kamen durch unsere Gespräche zu einem großen gegenseitigen Vertrauen im Geist. Br. Lohne ist der Kriegsmann und derjenige, der zusammenbindet; aber Nils Risnes ist der geistliche Observator. In Drøbak kamen Br. Skiaker und ich in ein gutes Gespräch; aber dann war dort eine ältere Frau, die uns ständig mit vielfältigen Fragen zu allem Möglichen unterbrach. Ich war an einem Vormittag bei Aksel. Er sagte, dass Helga Schritt für Schritt nachkommt, was ich auch aus einem Brief verstehe, den sie hierher geschickt hat. Br. Moes Frau war beim Gespräch eine stille Zuhörerin, weshalb ich keine Gelegenheit bekam, mit ihr zu sprechen; aber sie schien gut mitzufolgen.
Ich habe an eine Sache gedacht. Es gibt jetzt vielerorts Brüder, die keine Lämmer mehr sind. Sie sind selbst zu Schafen geworden und gebären Lämmer. Diese fortgeschrittenen Seelen brauchen viel und kräftige Nahrung. Sie möchten Zusammenhänge in Bereichen verstehen, die in der Tiefe und im Verborgenen liegen, und es erfordert Zeit und Stille, um ihre Bedürfnisse herauszufinden und wenn möglich, zufriedenzustellen. Zuallererst Stille. Es könnte Bedarf dafür sein, mit diesen gesondert zusammenzukommen; denn sie sind es, die es wiederum an andere weitergeben.
Bei Johan Olsen, Risnes, Lohne, Moe und Skiaker und anderen habe ich bemerkt, dass sie ein inniges Verlangen haben, tiefer gegründet zu werden. Johan Olsen schreibt, dass er eine Stelle bei einem Fleischer (Methodist) bekommen hat und dass er dort große geistliche Kämpfe hat und die Einsamkeit sehr stark empfindet. Bete für ihn. Seine Adresse ist: Gregusgate 10 I, Trondheim.
Grüße die Geschwister.
Liebe Grüße
Johan