Der Irrtum des Bileam
„Und fallen in den Irrtum des Bileam um Gewinnes willen.“ Jud. 11.
Bileam war ein Prophet des Herrn und Gott hätte mit Sicherheit große Dinge durch ihn ausrichten können, wenn er treu gewesen wäre. Aber leider hing sein Herz an irdischen Gütern und Ehre.
Die Moabiter und Midianiter fürchteten sich sehr vor dem Volk Israel. Es war ihnen bekannt, dass Gott dieses Volk mit starker Hand aus Ägypten herausgeführt hatte; und nun lagerte es sich ihnen gegenüber. 4. Mos. 22, 5. Jetzt war guter Rat teuer. Balak, der König der Moabiter, wäre zu jedem Opfer bereit gewesen, wenn er nur einen Fluch über Israel hätte bringen können und es vernichten.
So sandte er in seiner großen Not Boten zu Bileam. Diese Boten gehörten zu den Ältesten und Vornehmsten und hatten Lohn für das Wahrsagen dabei.
Bileam, der neben seinem Dienst als Prophet auch Geld und Ehre liebte, wurde hier richtig auf die Probe gestellt. Sicherlich wollte er gerne Gott gegenüber treu sein, aber nun standen die hohen Abgesandten vor ihm und hatten den Lohn für das Wahrsagen sogar schon mitgebracht! Was sollte Bileam tun? Er wankte hin und her – auf der einen Seite Gott und auf der anderen Seite Reichtum und Ehre.
Wäre das Herz Bileams recht vor Gott gewesen, dann hätte er diese Abgesandten sofort abgewiesen. Nun aber sagte er: „Bleibt hier über Nacht, so will ich euch antworten, wie mir’s der Herr sagen wird. Da blieben die Fürsten der Moabiter bei Bileam.“ V. 8.
Die Obersten der Moabiter waren angesehene Leute und hatten reiche Geschenke dabei. Bileams Herz war aufgewühlt. Stell dir vor, wenn ihm diese herrliche, einmalige Gelegenheit und Möglichkeit, Reichtum und Ehre zu gewinnen, entgehen würde! Aber dann war ja auch Gott da? Ihn konnte er doch auch nicht so ohne weiteres verlassen.
Bileam hätte eine geistliche Autorität sein sollen, aber nun war er verkauft. Schritt für Schritt gab er gegenüber Balak nach. Die Abgesandten wurden zahlreicher und angesehener und die Geschenke größer und Bileam immer mehr betört. Zum Schluss ging dies so weit, dass Balak der Herr geworden war und Bileam sein gehorsamer Sklave, der ihm treu und brav von einer Höhe zur anderen folgte, um Israel zu verfluchen.
Gott indessen hinderte Bileam daran. Bileam konnte das Volk nicht verfluchen. Balaks Zorn entbrannte, und er machte dem Propheten sogar Vorhaltungen. In Wahrheit hatten sich diese Worte erfüllt: „Wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr.“ Bileam war ein Diener Gottes gewesen. Jetzt diente er Balak. Welch eine traurige Verirrung! Gold und Ehre betörten den Propheten und machten ihn kraftlos.
Als nun Bileam keinen Fluch über das Volk bringen konnte, musste er Balak eine gewisse Gegenleistung zukommen lassen für das Geld und die Ehre, die er angenommen hatte. Deshalb lehrte er die Moabiter, das Volk Israel zu Hurerei und Abgötterei zu verführen, und so würde der Fluch des Herrn über dieses Volk kommen. Dieser Plan hatte Erfolg; denn als die Krieger Israels zurückgekehrt waren, nachdem sie die Midianiter geschlagen hatten, sagte Mose zu ihnen:
„Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? Siehe, haben nicht diese die Israeliten durch Bileams Rat abwendig gemacht, dass sie sich versündigten am Herrn durch den Baal-Peor, sodass der Gemeinde des Herrn eine Plage widerfuhr?“ 4. Mos. 31, 16.
Die Geldgier trieb Judas dazu, seinen Herrn und Meister für den Lohn von 30 Silberlingen zu verraten. Und für Geld und Ehre lehrte Bileam den König Balak, das Volk Israel zu verführen, sodass sie vom Götzenopfer aßen und Hurerei trieben. Offb. 2, 14.
Mose wählte lieber, mit dem Volk Gottes Böses zu erleiden, als einen kurzzeitigen Genuss der Sünde zu haben. Das Ende seines Lebens war daher auch gesegnet. Gott führte ihn auf einen Berg hinauf und ließ ihn in das verheißene Land hineinschauen; und so starb Mose und Gott selbst begrub ihn.
Bileam aber tat das Gegenteil von Mose. Er ging vom Volk Gottes weg, um zusammen mit den Fürsten der Welt eine kleine Zeitlang die Sünde zu genießen; und zusammen mit diesen beendete er dann auch sein Leben.
Gott gebot Mose, die Kinder Israel an den Midianitern zu rächen. Da ließ Mose tausend Mann aus jedem Stamm Israels sich zum Krieg rüsten. „Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der Herr es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war. Samt diesen Erschlagenen töteten sie auch die Könige der Midianiter, nämlich Ewi, Rekem, Zur, Hur und Reba, die fünf Könige der Midianiter. Auch Bileam, den Sohn Beors, töteten sie mit dem Schwert.“ 4. Mos. 31, 8.
Bileam erreichte das, wonach er getrachtet hatte. Er wurde zusammen mit Fürsten geehrt, musste dann aber auch mit ihnen zusammen sterben.
Um Gewinnes willen ließ Bileam sich auf diesen Irrweg führen. Nun sagt der Apostel Judas, dass es solche Menschen auch innerhalb der Gemeinde gibt. Sie waren Schandflecken bei deren Liebesmahlen, prassten ohne Scheu und weideten sich selbst.
Lasst uns deshalb die Ermahnung aus Offb. 3, 18 zu Herzen nehmen: Salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du sehen mögest.
