Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1914-04 - Die drei Gekreuzigten

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Die drei Gekreuzigten

„Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.“ Lk. 23, 33.

Es war kein Zufall, dass Jesus zusammen mit zwei Räubern gekreuzigt wurde; denn Jesaja sagt:

„Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleich gerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.“

Der 1. Gekreuzigte

„Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“

Dieser Räuber repräsentiert die Welt, die gerne errettet werden möchte, ohne dem Urteil recht zu geben. Wenn du der Messias bist, dann nimm das Urteil weg, lass dich selbst und uns frei, und zeig, was du kannst! Bist du ein Christ, dann sollst du mir auch gefallen und meine Forderungen erfüllen. Bist du der Messias, dann zieh nach Jerusalem hinauf zum Fest und zeige dich dem Volk. Wirf dich von der Zinne des Tempels herab und mache Steine zu Brot. Lass deine Ehre und dein Pfund offenbar werden, sodass man wirklich sehen und verstehen kann, dass der Messias in unsere Mitte gekommen ist.

Einen solchen Messias will die Welt haben, und sie werden einmal im Antichristen ihr Begehren zufriedengestellt bekommen. Die Mission Christi war indessen nicht, die Welt frei zu lassen, Zeichen und Wunder vor dem Angesicht des Tieres zu tun und dessen Beifall zu ernten. Er ist gekommen, um die Welt zu kreuzigen und sie in den Tod zu bringen, damit jeder, der mit ihm stirbt, das Leben bekommt.

Der Räuber hing gekreuzigt da. Er konnte spotten; aber zum Tode war er verurteilt, und die Nägel des Kreuzes hielten treu ihre Beute fest. So ist auch die Welt gekreuzigt; denn wenn einer für alle gekreuzigt ist, halten wir dafür, dass alle gekreuzigt sind; und wenn einer für alle gestorben ist, dann sind sie alle gestorben. Dass der Welt durch den Geist die Augen aufgetan werden über das Gericht, dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist, das sind die Nägel, die der Gottlose niemals aus seinem Herzen herauszureißen vermag. Zwar kann die Welt – wie der Räuber – versuchen, ihr Leben zu erretten, aber das wird nicht gelingen, sie wird es verlieren.

Der 2. Gekreuzigte

„Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“

Der erste Räuber wollte ohne Gericht errettet werden. Der andere dagegen wollte für seine bösen Taten dem Fleisch nach leiden und sterben, damit er in der Ewigkeit davon befreit sein konnte. Er übertrug seine Sündenlast auf ihn, der die Sünde der ganzen Welt trug und bekam die Zusage, mit Jesus im Paradies sein zu dürfen.

Der erste Räuber hatte die Sünde in sich und auf sich ruhend, der andere ebenso; aber letzterer wurde durch Eingeständnis und Gericht seine Sündenlast los. Es gab keine Verdammnis mehr für ihn. Er bekam Reinigung von dem, was er richtete. Doch die Sünde in sich wurde er nicht los. Er repräsentiert die Leute, die von ihren Sünden gereinigt werden und kein größeres Verlangen haben.

Der 3. Gekreuzigte

Dies war niemand anderes als Jesus selbst. Der erste Räuber wandte sich mit Spott an ihn, aber er gab keine Antwort. Dagegen antwortete der andere Räuber. So hat Gott auch heute noch errettete Räuber, die der Welt auf alle ihre Fragen über Jesus Antwort geben, deren Behauptungen widerlegen und deren Spott abwenden können. Aber er selbst antwortet ihnen nicht ein Wort. Dagegen antwortet er dem anderen Räuber mit einem Eid: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Jesus trug die Sünde nicht nur an sich auf das Holz, sondern er trug sie auch in sich. Er wurde für uns zur Sünde gemacht. Gott verdammte die Sünde in seinem Fleisch. Röm. 8, 3. Und als dieses Werk vollbracht war, gab er den Geist auf. Dem Gesetz war es unmöglich, die Sünde im Fleisch zu richten, weil alle Sünde, die ein Mensch begeht, außerhalb des Leibes ist. Nun aber tat Gott, was dem Gesetz unmöglich war: Er richtete die Sünde im Fleisch Christi. Jeder, der nun von der Sünde in sich erlöst werden will, nehme täglich sein Kreuz auf sich. Der Übeltäter wurde von seinen bösen Taten erlöst, aber er wurde nicht göttlicher Natur teilhaftig. Jesus nahm nicht Engelnatur an, sondern nahm sich der Kinder Abrahams an. Dies tat er, um der Sünde im Leib beizukommen und anstelle der Sünde die ganze Fülle der Gottheit dort hineinzupflanzen, die nun leibhaftig in ihm wohnt.

Das Gericht über die Sünde in der Natur – der alten adamitischen – ist keine Verdammnis, weil es innerhalb des Leibes stattfindet. Sondern das ist die Erlösung, von der Petrus sagt: „Und wenn der Gerechte kaum gerettet wird…“ 1. Petr. 4, 18. Es gibt ein Wachstum im Leib und eine Erlösung im Leib und ein Gericht im Leib, damit jeder empfange, was er durch den Leib getan hat.

Gott tut alles doppelt. Er gibt äußere Erlösung durch Jesus Christus, und er gibt äußere und innere Erlösung durch dieselbe Person.

Aber die Feinde des Kreuzes Christi widerstehen der inneren Erlösung und geben sich wie der Räuber mit der Vergebung der Sünden zufrieden.

Nicht so die Braut Christi! Sie will seiner Heiligkeit teilhaftig gemacht werden und hat die Kosten überschlagen. Sie ist Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein. Sie ist willig, nicht nur die Freude mit ihrem Bräutigam zu teilen, sondern ist willig, mit ihm zu leiden und zu sterben – nicht nur vom Fluch des Gesetzes, sondern von der adamitischen Natur in seinem Leib.