Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 25. Juni 1907

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 25. Juni 1907
Lieber Bruder Aksel,

deinen sehr lieben Brief habe ich erhalten, vielen Dank dafür. Es war ein bemerkenswerter Brief. Ich entnehme ihm, dass du in die Gemeinschaft seiner Leiden gekommen bist, Phil. 3. Du sagst, dass du nie zuvor deine Wurzel so schwarz gesehen hast (die Wurzel der Sünde) und dass das Bewusstsein von der Abscheulichkeit dieser Sündenwurzel bewirkt, dass du die anderen mehr lieben kannst als dich selbst. Ja, hierin liegt das tiefste Verständnis des Lebens Christi, hierin liegt, dass einem die Augen aufgetan werden über das Gericht. Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Der Geist öffnet uns die Augen über das Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Das Gericht ruht auf dem Leib der Sünde, der zunichtegemacht und ausgestoßen werden soll. Dies ist und bleibt eine Herzenssache und keine Kopfsache. Den Ungläubigen werden die Augen aufgetan über die Sünde, weil sie nicht an ihn glauben. Wenn wir zu ihm gekommen sind und ihn und die Kraft seiner Auferstehung kennengelernt haben, dann tut uns der Geist die Augen auf über die Gerechtigkeit. Wenn wir aber in die Gemeinschaft seiner Leiden hineinkommen, dann tut uns der Geist die Augen auf über das Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist, gleichzeitig sind uns natürlich die Augen aufgetan über die Gerechtigkeit.

Es war ein reines Vergnügen, deinen letzten Brief zu lesen, denn ich weiß, dass dir Gott mit dieser Segnung oder Offenbarung in einem weit tieferen Sinn als bisher Verständnis von Christi Geheimnissen schenken wird. Dadurch, dass der Geist in dir angefangen hat, an der Wurzel der Sünde (dem Leib der Sünde) zu zehren, wirst du befähigt werden zu größerer Geduld, größerer Einsicht, dazu, besser zu lenken und zu leiten, dazu, ein Pfeiler in Gottes Tempel zu sein. Denn wenn Gott uns hier Wurzeln bekommen lässt, dann gehen diese Wurzeln ganz durch den Sündenleib hindurch. Das ist der Eingang durch sein Fleisch. Eine gewisse Zeit, nachdem ich Gottes Geist bekommen hatte, wurde ich in die Gemeinschaft der Leiden Christi hineingeführt, doch seit jener Zeit bin ich meinen Weg gegangen, ohne verstanden zu werden. Doch, Ehre sei Gott, sein Sohn ist denselben Weg gegangen und er versteht uns. Es liegt ein Leiden darin – nicht verstanden zu werden. Die Kinder verstehen die Väter nicht. Einer von den Vätern – von den Ältesten – zu sein, bedeutet, nicht verstanden zu werden. Der Geist des Herrn macht uns verständig – nicht die vielen Jahre. Doch der Geist des Herrn kann uns im Lauf vieler Jahre ausbilden.

Wie du aus dem Brief verstehen wirst, hat Gott auch mir diese Wahrheiten und diese Offenbarungen gegeben. Doch von dem Augenblick an, als Jesus sein Angesicht wandte, um nach Jerusalem zu gehen, verließen sie ihn alle. Genauso auch jetzt. Von dem Augenblick an, in dem wir unser Angesicht gen Jerusalem wenden (unsere Herzen dazu wenden, mit ihm zu leiden), werden wir einsam. Halleluja. Unter den Geistgetauften sind einige Männer nötig, die ihr Angesicht gen Jerusalem gerichtet haben, denn solche Männer wissen den Kurs und wissen den Weg, den Weg durch den Vorhang, das ist sein Fleisch. Ich werde nie müde, von diesen Herrlichkeiten zu reden. Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht werden. Wir sind dann nicht so schnell dabei zu verurteilen, wenn wir uns im Licht des Geistes selbst so elend sehen. Hierin liegen unsere Schwachheit und unsere Stärke. Ja, es ist rühmenswert, lieber Bruder, dass du dich so weit ins Himmelreich hineingedrängt hast, dass du mit ihm leidest. Hierin haben wir auf eine viel tiefere Weise Gemeinschaft im Geist, als wir dies je zuvor hatten. Die erste Erde ging durch Wasser unter, die Erde, die jetzt besteht, wird für das Feuer bewahrt. Hieraus folgt wiederum, dass die Taufe (das Sinnbild für die Wasser Noahs) unser Fleisch begraben hat, ohne uns von der Unreinheit des Fleisches zu reinigen. Der Leib der Sünde ist durch das Wasser untergegangen (er treibt uns nicht mehr). Doch die Erde, die jetzt ist, die Unreinheit des Fleisches (der Sündenleib, ohne dass er uns treibt), soll durch Feuer vergehen. Wir sind mit dem Heiligen Geist und Feuer getauft. Wenn das Feuer den Leib der Sünde verzehrt, entstehen Leiden, Christi Leidensgemeinschaft. Der Geist tut uns die Augen auf über das Gericht, dass dies der Weg zum Vater ist, dass man durch das Feuer durch den Sündenleib hindurchkommt.

Ich kann von Selma grüßen; sie fuhr gestern Vormittag um 11:15 Uhr nach Fredrikstad ab, um danach zu einer Freundin nach Jeløen bei Moss zu fahren. Sie wird auf dem Rückweg in ca. drei Wochen wieder hier vorbeikommen – so Gott will und sie lebt.

Br. Ellefsen freute sich sehr darauf, dass du hierher kommen wolltest, ebenso Kristoffersen. Br. Berg kommt voraussichtlich am Abend des 27. des Monat mit dem Brevikschiff nach Kristiansand. Er hat den Befehl, sich am 28. Juni um 6 Uhr morgens in Marviken zu melden. Er freut sich darauf, mit euch zu sprechen. Doch falls du dann nicht zuhause sein solltest, dann kannst du bestimmt hier mit ihm sprechen, denn er kommt um den 1. Juli hierher und soll erst am 15. Juli rausfahren. Ellefsen hat jetzt Prüfung, er ist am Donnerstag diese Woche fertig.

Die Brüder Berg und Ellefsen, Pauline und Selma haben deinen Brief gelesen. Grüße Helga und danke ihr für das, was sie noch auf den Brief geschrieben hat. Selma erzählte, dass du und Helga in letzter Zeit so ernst geworden seid. Ihr hattet immer etwas zum Reden und Nachdenken. Dies zu hören, war eine wahre Freude für mich.

Grüße alle zuhause und sei selbst auf das Herzlichste gegrüßt von deinem Bruder im Herrn

Johan