Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 6. Juni 1907

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 6. Juni 1907
Lieber Bruder Aksel,

uns geht es gut, ich hoffe, dir auch. Wir haben weiterhin gute Versammlungen, in denen Gottes Kraft mächtig zugegen ist. Wir haben vor, am Sonntag mit allen, die gewöhnlich zusammenkommen, einen Ausflug ins Grüne zu machen. Uns sind mitten in der Stadt zwei große Räume unentgeltlich für Versammlungen angeboten worden. Doch unter der Bedingung, dass wir verschwinden, wenn er sie vermieten können sollte, was kaum denkbar ist, da es Mängel an dem Anwesen gibt, die es schwierig machen, es zu vermieten. Wir besitzen allerdings keine Bänke, aber wir wollen uns ein paar lange Bretter besorgen und sie über Stühle legen.

Ich habe das kleine Buch über Zungenrede durchgelesen; es war gar nicht so schlecht. Der betreffende Verfasser war sicher sehr von dem Missbrauch der Zungenrede geplagt worden; denn seine ganze Ausführung läuft in einem so beträchtlichen Maß auf die Einschränkung der Zungenrede hinaus, dass man fast versucht sein könnte, Stopp zu sagen, wenn überhaupt etwas von ihr übrig bleiben soll. Ist die Zungenrede eine Gabe, was sie ist, dann müssen wir ihr als Gabe Raum geben und sie nicht totschlagen, nur weil jemand sie missbraucht. Dann schreibt er am Schluss davon, dass die Liebe die größte Gnadengabe ist. Hierin irren sich fast alle. 1. Kor. 12, 31 zeigt uns den herrlichsten Weg zu den Gnadengaben und das ist die Liebe. Die Gnadengaben werden vergehen, aber die Liebe vergeht nicht. Stell dir vor, wenn einer die Gnadengabe „Zungenrede“ und ein anderer „Liebe“ bekommen hätte, dann würde die Rede in Zungen aufhören; die Liebe jedoch bleiben. Wenn dann derjenige, der in Zungen redet, keine Liebe hätte, wäre er schlecht dran.

Nun möchte ich dir ein paar Sprichwörter aus eigener Produktion senden:

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Schweige dem gegenüber, der mit dir zankt, bis du dich selbst überwunden hast.

Dein Schweigen wird ihn überraschen und deine Worte werden danach den Rest seiner hohen Anschläge zunichtemachen.

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Schweige in einer Versammlung und achte genau auf den Geist. Wenn er dich treibt, dann rede, denn du siehst nur bis zum Augenblick, aber der Herr überschaut die ganze Versammlung und wird dich zum richtigen Zeitpunkt etwas beitragen lassen.

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Schweige, wenn du nicht sicher bist, denn das Schweigen wird deine Unwissenheit verbergen und bewirken, dass man sogar die Hoffnung hegt, dass dein Schweigen etwas zu bedeuten hat.

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Denke besser von einem Menschen, als er es wert ist, denn es ist besser, dass der Betreffende dein Vertrauen spürt, als dass er dein Misstrauen spürt. Das Richtige kannst du sowieso nie treffen.

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Sei nicht so schnell, deinen Bruder zu züchtigen; züchtigst du jedoch, dann prüfe dich selbst und lege immer Hoffnung und einen Ausweg in die Zucht, sodass er wieder mit dir vereint werden kann. Denn er wird zum Leben gezüchtigt, aber wer erschlägt, der tötet.

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Bist du gerecht, dann sei es für dich selbst, denn außer Gott kann dich doch niemand belohnen.

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Gottesfurcht ist dem Gottlosen ein Gräuel, aber Weisheit macht ihn zunichte.

Nur soweit diese Sprichwörter. Doch nun zu Gottes Erkenntnis und Einsicht durch den Heiligen Geist in Christus Jesus, unserem Herrn. Er ist auch Herr und großer Meister der Einsicht, der um der Herrlichkeit willen, die ihn erwartete, geduldig litt. Die Trübsale sind der Druck des Sündenleibes und in Leiden ist die erste Frucht des Geistes die Geduld, die in einen geprüften Sinn übergeht, dessen herrlicher Ausgang Hoffnung ist. Die Hoffnung wiederum ist die Frucht von Trübsalen, weshalb sowohl der geprüfte Sinn als auch die Hoffnung nicht zunichtegemacht werden können, außer man nimmt den Druck (die Trübsale) vom Sündenleib weg. Christus ist der Weg durch die Zunichtemachung des Sündenleibes. Wir haben Zugang mit ihm durch sein Fleisch, das der Vorhang ist. Bis zu diesem Fleisch konnte man im alten Bund durch den Geist Christi, der in ihnen war, schauen. Sie konnten auch das Leiden und den Tod dieses Fleisches und die darauffolgende Herrlichkeit schauen. Dies wiederum konnten sie tun durch den Glauben auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war, denn Christi Geist gab ihnen im Voraus Zeugnis. Als Christus hier unten wandelte, hatte er das Himmelreich in sich in dem Maß, wie der Sündenleib überwunden war. Hieraus versteht man, dass Christus sein ganzes Leben hindurch den Sündenleib kreuzigte und ihn durch Gottes Geist überwand. Daher ist Gott das Haupt Christi. Wir aber überwinden den Sündenleib nun durch den Geist, den Christus erworben hat, deshalb ist Christus jedermanns Haupt. Christus wurde lebendiggemacht nach dem Geist, so wie er nach und nach den Tod nach dem Fleisch erlitt. Dasselbe gilt für uns. Dies ist die Gemeinschaft seiner Leiden und die Gemeinschaft seiner Herrlichkeit.

Ja, nun ist es spät am Abend und ich will nun für dieses Mal schließen mit einem lieben Gruß an dich und an alle zuhause.

Dein Bruder

Johan

Selma hat geschrieben, dass sie diesen Monat hierher kommt.

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„The Gift of Tongues“ (Die Gabe der Zungenrede) sende ich mit Dank für das Ausleihen zurück. Solltest du einmal einem guten englischen Buch begegnen, dann bin ich dankbar, wenn ich es ausleihen darf; denn dadurch kann ich mich mehr in der Sprache üben.