Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an N. N. (Aksel Smith), 18. Juni 1906

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, den 18. Juni 1906
Lieber Aksel,

vielen Dank für deine Karte aus dem „Sommerheim“. Ich höre, dass du nervlich angespannt bist. Du sagst, dass Gott auch den Leib heilen kann. Ja, da kannst du sicher sein. Er kann ihn aufrichten und ihn niederbrechen, denn er hat alle Macht im Himmel und auf Erden. Aber die Ruhe in Gott ist mächtig, die nervliche Anspannung zu vertreiben. Denn geistliche Stärke stärkt auch den Leib, weil Leib, Seele und Geist zusammengehören. Als ich Ruhe im Geist bekam, wurde mein ganzer Leib ruhig. Denn wenn der Geist unruhig ist, läuft man hierhin und dorthin. Aber wer glaubt, überhastet sich nicht. Bei ihm ist es nicht so, dass er Christus herab- oder heraufholen will, sondern er ist nahe in Herz und Mund, und dann braucht man nicht umherzulaufen.

Weißt du wirklich, was es bedeutet, um des Namens Christi willen alles aufgegeben zu haben? Dass du alles aufgeben sollst, weißt du zwar; aber ich frage dich, ob du alles verkauft hast, um Christus zu gewinnen. Wenn du das getan hast, kannst du unmöglich nervös sein.

Wer Weisheit sucht, wird seine Aktivitäten einschränken, denn er hat erkannt, dass Weisheit durch passende Zeiten der Ruhe erlangt wird. Daher ist es keine Weisheit, sich selbst zu ruinieren. Es kann vielmehr das Begehren dahinterstecken, das voranzutreiben, was man selbst in Gang gesetzt hat. Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder, doch dieses Treiben ist nicht von der Art, dass wir nervös werden.

Daher kannst du dich getrost in allen Dingen auf Gott verlassen, dann werden deine Ruhe und dein Vertrauen groß werden. Du wirst den Frieden und die Freude kennenlernen, die höher sind als alle Vernunft. Und es sollte mich wundern, wenn dann die Nervosität nicht verduften würde.

Ich habe jetzt nicht viel zu schreiben, denn du hast dein Herz nicht geöffnet, sodass ich erfahren hätte, wie es dir geht – außer diesem, dass es dir schlecht geht.

Du wirst wohl vieles durchzukämpfen haben, bevor du dazu kommst, dass du ohne Ansehen der Person unverblümt das sagst, was Gottes Geist gesagt haben will. Dadurch wirst du von allen Menschen gehasst werden. Bist du dazu willig? Bist du willig, dem Licht in allen Dingen treu zu sein – koste es, was es wolle? Bist du das, dann halleluja. Ich habe den Geist, der in dir ist, immer geschätzt, denn da ist etwas Ehrliches und Aufrichtiges. Gehe vorwärts in der Wahrheit, dann wirst du wie ein neuer, scharfer Dreschwagen werden. Fürchte dich nicht, sondern benütze das Licht, das dir gegeben wird, sodass dir mehr Licht zum Nutzen werden kann.

Lebe wohl, möge Gott dich so mit Frieden und Freude erfüllen, dass das Wort „nervös“ für dich gerne aus der Sprache entfallen kann – oder, wenn du es benützen willst, dann nur als eine Erinnerung an etwas, was es nicht mehr gibt.

Dein allezeit hingegebener Bruder

Johan

Einen Gruß von Pauline, Christian sowie von Johanne Lovise und mir.