vielen Dank für deinen sehr willkommenen Brief, den ich heute erhalten habe. Es freut mich, dass deine Briefe mit der Zeit von immer größerem Verständnis und tieferer Einsicht geprägt sind. Du hast recht mit deinem Einwand, dass Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, aber du wirst zugestehen, dass man an einem Tag so viel wie möglich von Rom bauen sollte. Wir haben nämlich nur das „Heute“. Heute, wenn du seine Stimme hören wirst, so verstocke dein Herz nicht. Hebr. 3, 7 und 8. Wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe. Hebr. 4, 3. Man muss sich mit Gewalt in Gottes Reich hineindrängen und die, die Gewalt anwenden, reißen es an sich.
Alles, was zu Nachgiebigkeit und Schlappheit führt, ist nicht von Gott. Christi Lehre führt zu Gottesfurcht
Dann sprachst du davon, dass du der Meinung warst, dass wer von Gott geboren ist, nicht verloren gehen könne. Davon habe ich Vater viele Male reden hören, ebenso die Plymouth-Brüder, doch habe ich nie gehört, dass jemand dies mit der Schrift belegen konnte. Sie kommen immer mit den Worten Jesu in Joh. 17, 12, aber lies es und du wirst sofort verstehen, dass er von seinen Jüngern spricht – den 11 – und von dem 12. als dem Sohn des Verderbens. Als ich bei ihnen in der Welt war, bewahrte ich sie in deinem Namen; die du mir gegeben hast, habe ich behütet, und keiner von ihnen ist verloren gegangen – als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde. Das war also, als er bei ihnen in der Welt war. Lies vom Sohn des Verderbens in Davids Ps. 109.
Lots Frau wurde zu einer Salzsäule. Salomo wurde von seinem Leib überwältigt, denn er neigte sein Herz den Frauen zu (Sir. 47, 22). Wie weise warst du (Salomo) in deiner Jugend und voller Einsicht, wie der Strom das Land bewässert! Sir. 47, 16. Aber er war vom Samen Davids und darum hielt Gott seine Hand über ihm alle seine Lebtage. Und Salomo wurde bestattet bei seinen Vätern und hinterließ aus seiner Nachkommenschaft einen Mann ohne Weisheit und Verstand. Sir. 47, 26-27. Hier gab es also Personen, die abfielen.
Lies auch Röm. 8, 13: Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen. Nicht leiblich sterben, sondern geistlich. Den Geist löscht nicht aus und die Weissagung verachtet nicht! Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Wenn nun dazu ermahnt wird, den Geist nicht auszulöschen, dann kann er selbstverständlich ausgelöscht werden. Aber wenn er ausgelöscht ist, dann haben wir keinen Geist und dann gehören wir Christus selbstverständlich nicht an. Dann ist von solchen die Rede, die den Glauben von sich gestoßen haben. Aber weil Christus durch den Glauben im Herzen wohnt und man den Glauben von sich stößt, dann stößt man selbstverständlich Christus von sich. Wir sind auf Hoffnung gerettet – Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Wenn man aber nach der Weise der Welt lebt, dann wird selbstverständlich die Hoffnung ausgelöscht und damit die Erlösung. Hebr. 10, 26. Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir hinfort kein anderes Opfer mehr für die Sünden, sondern nichts als ein schreckliches Warten auf das Gericht und das gierige Feuer, das die Widersacher verzehren wird.
Hier siehst du, dass sie, obwohl sie die Wahrheit angenommen hatten, indem sie mutwillig sündigten dahin kommen konnten, dass ihnen nur ein schreckliches Warten auf das Gericht blieb. Ein solch schreckliches Warten haben seine geliebten Kinder nicht, denn sie sind aus dem Tod in das Leben gekommen und kommen nicht vor das Gericht.
Nun sei hierüber genug gesagt; und zuerst muss alles, was ich jetzt geschrieben habe, gründlich widerlegt werden, ehe ich mit dieser „Lehre“ einverstanden sein kann, dass man so gottlos leben kann, wie man will, und trotzdem errettet wird. So eine Lehre ist die Lehre der Nikolaiten, die Christus hasste. Sie bringt die Leute dazu, dass sie abfallen und sich im Fleisch sicher fühlen. Man kann nicht genug wachen, damit Satan einen nicht einlullt.
Es ist mir ein Vergnügen zu sehen, dass du klar und geradlinig das verwirfst, von dem du erkennst, dass es nicht bestehen kann. Dies ist ganz richtig und es wird dir bald mehr Verstand einbringen, als deine Altersgenossen besitzen.
Du sagtest, dass die Weisheit nicht sofort herabgerauscht kommt. Der Geist der Weisheit ist unten, lieber Aksel, und wir sind es, die zu ihm hinunterrauschen müssen, denn wir sind leider viel zu hoch oben. Denn Gold wird durchs Feuer und die, derer Gott sich annimmt, werden durchs Feuer der Trübsal erprobt. Sir. 2, 5. Unten in diesem Ofen lernt man Weisheit. Von dieser Stellung aus erhöht die Weisheit ihre Kinder und nimmt die auf, die sie suchen. Sir. 4, 12. Die Weisheit empfängt die an der Türschwelle, die sie suchen.
Nicht zuletzt war es gut zu hören, dass du dir völlig im Klaren bist, dass weit mehr von Gott zu bekommen ist als das, was „im Allgemeinen“ in Versammlungshäusern und Kirchen verkündigt wird. Gott ist auch in der Kirche und im Versammlungshaus. Er ist an jedem Ort, wo er im Geist und in der Wahrheit angebetet wird – nicht nur auf dem Berg Garizim und in Jerusalem.
Mein Herz jubelt, denn er erfreut mich. Ich hab meinen Jesus; ich habe ihn selbst.
Grüße Ludvig, möge er bald das ewige Leben ergreifen. Ich höre, dass er seinen linken Zeigefinger verloren hat, das ist schlimm. Aber Gott wird auch dies zum Guten wenden, wenn er sich in seine Arme fallen lässt.
Du findest bestimmt, dass meine Briefe allzusehr Druck machen; sodass du die Notwendigkeit empfindest zu bremsen. Aber du kannst mir glauben, es tut gut, sofort einen klaren Blick auf das Leben zu bekommen, denn das wird vor vielem bewahren, in das man sonst vielleicht hineingeraten würde. Wir wachsen so, wie Gott Wachstum gibt, nach dem Maß der Wirksamkeit, die Gott jedem Glied zugemessen hat. Wir brauchen einander, denn einer ist des anderen Glied.
Gott hat in der Gemeinde Hirten, Evangelisten, Apostel und Lehrer eingesetzt, damit die Heiligen zugerüstet werden – zum Werk des Dienstes. Die Menschen setzen auch Hirten, Evangelisten und Lehrer ein und sie wählen sich scharenweise Lehrer aus, nach denen ihnen die Ohren jucken.
So will ich für dieses Mal schließen mit einem brüderlichen Gruß an dich und einem Gruß an alle zuhause.
Dein
JohanP.S.
Ich habe Gelegenheit gehabt, Feuerwerker in der Marine zu werden, habe das aber abgelehnt, weil man da nicht mehr weiterkommt. Heute Nachmittag habe ich einen Zwetschgenbaum und zwei Birnenbäume abgeerntet. Der Star erntete diesen Herbst einen großen Kirschenbaum ab. Christian hat einen Zahn bekommen. Alle, die ihn kennen, mögen ihn. Er isst Zwetschgen und wehe dem, der sie ihm wegnehmen will. Kürzlich war er mit Pauline eingeladen und bediente sich selbst, als der Kuchenteller rumging. Da gab es einen allgemeinen Jubel und sie riefen: Smith, Smith! Aber wenn sie zuviel rufen, fängt er fast zu weinen an.
Ich bin noch beim Verwalter. Wir kommen gut miteinander aus. Vom Fregattenkapitän habe ich seither nichts gehört. Es gibt den einen oder anderen, mit dem ich rede und der Interesse zeigt. Diesen Sommer habe ich viel gestrichen und im Gartenhaus Holzverkleidung angebracht. Aber ich habe oft daran gedacht, den Pinsel wegzuwerfen und meine Kleider zu packen, um an Bord zu gehen, weil es so fleckig ausgesehen hat. Man kann noch nicht wissen, wie es mit den „Bedingungen“ gehen wird. Ich finde, es ist ein großer Quatsch mit den ganzen „Bedingungen“.
Derselbe.
