Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 25. Mai 1910

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 25. Mai 1910
Lieber Bruder Aksel,

danke für deinen lieben Brief, der von Verständnis zeugt und deshalb Balsam in sich hatte.

Woher kommt es und wozu soll es dienen, dass ich Tag und Nacht in meinem Innern einen heftigen Kampf fühle gegen Mächte, die sich in den Herren der Welt offenbaren.

Ich bin ganz sicher, dass es Gottes Geist in mir ist, der den Kampf verursacht, um sein Territorium zu behalten und zu erweitern. Der Friede im Herzen und das gute Gewissen verbieten mir vollständig, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Das Verhältnis zu den Vorgesetzten wird hierdurch geschärft und Ernst und Kampf treten anstelle von „Kleinbeigeben“. Hier an Bord bekomme ich nun durch Gottes Gnade nach und nach Frieden vor Übergriffen. Dieser Friede ist jedoch nicht eine Frucht von Schmeichelei, sondern eine Frucht von Kampf. Du verstehst sicher sehr gut den Unterschied zwischen diesen beiden Arten, Frieden zu haben. Es gibt auch mehrere andere Arten, Frieden zu haben, aber dort, wo Satan wohnt, bekommt man Gottes Frieden nur durch gesetzmäßigen Kampf. All dies sind Gottes Fügungen und ich nehme alles als von ihm. Gott hat bis heute geholfen und er wird bei uns sein alle Tage bis an der Welt Ende. Unser Charakter wird durch Kampf gehärtet und gestählt. Und dadurch, dass man auf Fechtabstand kommt, kann man kämpfen und zugrundegehen oder kämpfen und siegen. Gibt man sich geschlagen, wird man in seiner Gesinnung verdorben. Aber durch Gottes Kraft und in Gottes Geist zu siegen, gibt der Seele doppelte Stärke.

Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist; er, der nicht die Person ansieht. Diese Vollkommenheit, wenn man sie praktiziert, wird die Ehre des Großen reduzieren und den Geringen aus seiner Unehre erhöhen. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Kleinen sich geehrt und die Großen sich entehrt fühlen, obwohl sie nicht entehrt werden. Doch jeder Erhöhte soll von den Zinnen der Phantasie hinunter auf die Ebene der Wirklichkeit gestürzt werden.

Wenn man über Frieden reden will, so ist dieser mannigfaltig: Es gibt einen „Frieden der Gnade“, wo man unbewaffnet mitten unter seinen Widersachern ruht und die Gefahr nicht ahnt.*) Dann kommt das Licht und man fängt an zu sehen und mit dem Sehen kommt Kampf. Friede in diesem Zustand muss erkämpft werden. Diesen Frieden kann man „Frieden des Sieges“ nennen, denn man bekommt Frieden auf keine andere Weise, als dass man ihn sich erkämpft. Ob dann zum Schluss ein „Frieden des Leidens und der Geduld“ kommen wird, weiß ich nicht. Dies wird dann jedenfalls kein *)„Frieden der Unwissenheit“ sein.

Ja, wir haben auf alle Weise nach Frieden zu trachten, selbst wenn man mit dem Schwert in der Hand dafür kämpfen muss. Um des Friedens willen habe ich hier an Bord kämpfen müssen und Gott hat ihn mir geschenkt. Aber dieser Friede hat so viel gekostet, dass ich mich ehrlich gesagt elend gefühlt habe. Der Betreffende, mit dem der Kampf am härtesten war, beginnt nun, sich zurückzuziehen. Er geht nicht mehr mit der dummfrechen Dreistigkeit drauflos wie am Anfang, denn gerade dort, wo er am schwächsten war, gab Gott mir Gnade anzusetzen. Und der Ehrgeiz verbietet ihm nun, sich zu häufig dergleichen auszusetzen, weshalb er lieber Frieden wünscht als einen Kampf mit so erbärmlichen Resultaten. Und genau in diesem Frieden können wir so gut vereint werden.

Dies ist auch der einzige Friede, der gesund und reell ist. Dieser Friede hält jeden auf seiner Matte.

Grüße nun vielmals Selma und Berglioth und sei selbst aufs Beste gegrüßt von deinem in Christus bewahrten Bruder

Johan