Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 10. Februar 1910

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 10. 2. 1910
Lieber Bruder Aksel,
Gottes Gnade und Friede.

Danke für unser letztes Zusammensein. Es war gut, zusammen zu sein, und noch besser ist es, die Ergebnisse dieses Zusammenseins zu erörtern.

Als Gott Jesus vollkommen machen wollte, setzte er alles dafür ein. Jesus sprach: Ist‘s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Doch es war nicht möglich. Gott verließ ihn und ließ Jesus den Kelch selbst behalten. Bis dahin hatte die Gnade das ganze Ausmaß des Kelchs verborgen. Aber jetzt sollte er geleert werden, damit alles, was in Gottes Herz war, über den Sohn erginge. Hier gab es nur entweder – oder. Der Vater ging bis ans Äußerste. Aber eben da sagt der Sohn: Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist. Dieser Geist war der vollkommen gereinigte Geist, der voll und ganz eins mit dem Vater ist.

Wenn Gott uns nun welche anvertraut hat, um mit ihnen zu arbeiten, dann müssen wir, genau wie oben erwähnt, bis ans Äußerste gehen. Um jemanden ganz dahin zu bringen, wohin Gott uns geführt hat, müssen wir auch Freundschaft, Vertrautheit und alles aufs Spiel setzen, ja, wir müssen es dahin treiben, dass sie in ihrer Verzweiflung ausrufen: „Aber Aksel, warum hast du mich verlassen?“ Dies bedeutet, die Abgötterei auf den Höhen ganz auszurotten.

Was die Schwestern Palme und Dahl betrifft, spürte ich, dass das letzte Viertel (lass es uns so nennen) weg sollte. Und gerade dieser letzte Teil wird dich alles kosten. Ganz oder gar nicht, das ist das Entfernen der Abgötterei im Tal wie auf den Höhen.

Was dich selbst betrifft, so wird dich all dieses Reden von der Kanzel verderben, sodass du die feinen inneren Fäden verlierst. Denn du kannst nicht dort stehen, als ob du nicht dort stündest. Und wenn du das nicht kannst, dann werden die Linien des Geistes zwangsläufig unterbrochen und du wirst Schaden nehmen durch die Ehre, die damit verbunden ist, dass man vor dem Angesicht der Leute steht.

Dies alles bringt Kampf und innere Unruhe mit sich und man sucht vergeblich nach den inneren feinen Linien.

Du sollst nicht vor den Leuten dienen, sondern vor Gott. Du sollst nicht von den Leuten geehrt werden, sondern von Gott. Lass lieber die Schmach von den Leuten dein Haupt schmücken als die Ehre von ihnen, wenn nur dein Dienst vor Gott dein Herz mit dem tiefen Frieden erfüllt, den allein ein Verbleiben bei ihm mit sich bringen kann.

Nimm dich dessen an, was Gott von dir getan haben will. Denn unsere tiefste Gemeinschaft mit Gott – als seine Mitarbeiter – geht einher mit so feinen Saiten, dass man seine Arbeit im Stillen und im Verborgenen ausführen muss, wenn das Ganze nicht zerbrechen soll.

Mit Schmerzen empfand ich, dass diese inneren Saiten nicht ganz gestimmt waren. Für Schw. Palme ist es erforderlich, dass sie richtig gestimmt sind, sodass die gegenseitige Hilfe, die Gott in der Gemeinde gibt, auch ihr zugute kommt. Wenn man Ursache dazu ist, dass diese Saiten gelockert sind, dann hat man eine innere Sünde begangen und eigene Ehre gesucht. Und dazu hat man kein Recht. Eben darum wird man auch untüchtig zum Dienst und unter dieser Untüchtigkeit leiden die Geschwister, die gerade durch unsere Tüchtigkeit gedeihen.

Grüße Bruder Anthony herzlich. Möge Gott euch segnen und euch eine gute Ausbeute aus dem Zusammensein geben.

Ich hoffe, dass du am nächsten Sonntag kommst – wenn Gott dir Gelegenheit gibt.

Herzlichen Gruß und danke für alles. Dein Bruder

Johan

An Vater habe ich über das geschrieben, worüber wir sprachen.