Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 19. Januar 1910

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 19. 1. 1910
Lieber Bruder Aksel,

heute erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir danke. Gott hat uns von Tag zu Tag Gnade gegeben durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ja, es ist wahr, was du schriebst: Es gibt Linien im Christentum. Man wird „ohne diese Linien“ bestimmt immer mehr die Leere spüren. Diese Linien sind Linien der Weisheit und der Einsicht, die wie Sonnenstrahlen in Gottes Vaterherz hineinführen. Auf das persönliche Leben kommt es an und dieses Leben muss in all seinen Einzelheiten gelebt werden – in Kampf, in Sieg, in Trauer, in Freude, in bösen Gerüchten, in guten Gerüchten, in Leiden, in Verfolgungen usw. Wir brauchen im Geistlichen wie im Militärischen eine „Einzelkämpferausbildung“.

Ja, ich glaube, Br. Isachsen wird die Versammlungen recht leiten können. Ich spüre, dass das nicht meine Aufgabe ist, aber dass es ein Mann sein muss, mit dem ich zusammenarbeiten kann. Br. Berg konnte eine solche Aufgabe nicht haben, da er von sich glaubte, sowohl die innere als auch die äußere Leitung zu verstehen, wozu er nicht fähig war. Seit meiner Bekehrung bin ich zu den Geschwistern hingegangen und habe unter vier Augen mit ihnen gesprochen und dies ist meine liebste Aufgabe. In den Versammlungen habe ich wenig gesagt und dies hat bewirkt, dass fleischliche Kräfte es leicht hatten, die Leitung zu übernehmen. Wenn es dann schiefgegangen ist, musste ich dies korrigieren, und so gab es ständig Unruhe. Jetzt dagegen kann Br. Isachsen für einen guten Ablauf sorgen und wir können besser zusammenarbeiten.

Dieser Umbruch ging so lautlos und erfolggekrönt vor sich, dass wir uns alle nur wundern können. Br. Berg und die Geschwister bei Knudsen sind auch einverstanden. Wir haben nun vor, einen kleinen Saal zu mieten.

Wir kommen nach und nach immer mehr zurück auf die Lehre der Bibel über die Notwendigkeit, Diener in der Gemeinde zu haben. Wenn nicht, tauchen fleischliche Elemente auf und steuern das Ganze an den Rand des Abgrunds. In jeder Gemeinde gibt es viele, die leichte Speise brauchen, weshalb ein Evangelist am besten als äußerer Leiter geeignet ist. Man kann nämlich von einer äußeren und einer inneren Leitung sprechen. Paulus vertraute Titus den wichtigen Auftrag an, in jeder Stadt Älteste einzusetzen. Du siehst, wie weit Paulus in den inneren Dienst hineingekommen war. Wenn es ehrenvoll war, Vorsteher zu sein, wie viel ehrenvoller war es dann, derjenige zu sein, der den Vorsteher einsetzte. Aber noch größer war die Person, die demjenigen, der den Vorsteher einsetzte, den Befehl geben konnte. Doch hinter allen steht Christus Jesus selbst. Je größer die Menschen in der Welt sind, desto abgesonderter sind sie von der Menge. Genauso auch in Christus Jesus. Wer den Menschen zu gefallen sucht, muss sich an der Oberfläche aufhalten, wo die Menschen sind. Aber je mehr wir Gottes Ehre suchen, desto mehr ziehen wir uns, um Gott zu gefallen, zurück von allem, was in menschlichen Augen ehrenvolle Aufgaben sind. Doch dies bringt wiederum mit sich, dass man mehr und mehr tüchtig zum inneren Dienst gemacht wird, Tit. 1, 5 ff. Mose setzte Oberste ein über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, 2. Mos. 18, 25. Doch dies ist uns zum Vorbild geschrieben.

Sach. 3, 7: Wirst du in meinen Wegen wandeln und meinen Dienst recht versehen, so sollst du mein Haus regieren und meine Vorhöfe bewahren. Und ich will dir Leiter geben unter denen, die hier stehen.

Gottes Haus sind wir. Dieses Haus soll nach einem geistlichen gerechten Gericht gerichtet werden, denn die Zeit ist da, dass das Gericht anfängt an dem Haus Gottes.

Aber man soll Seine Vorhöfe bewahren. Der Vorhof besteht aus denjenigen, die Sündenvergebung bekommen haben. Diese soll man bewahren, denn man kann sie nicht richten.

Nun ist es nicht gesagt, dass wir dies alles bewältigen können oder dass wir Gaben dazu haben. Doch Gott wird uns Leiter geben. Auch Salomo wurden für die verschiedenen Arbeiten Leiter gegeben, aber er musste das Ganze zusammenhalten.

Ich glaube und bin sicher, dass es sich in Christus genauso verhält. Wie unendlich schön dies ist! Je unsichtbarer man wird, umso mehr kann man mit ihm regieren. Denn wir haben einen großen Priester über das Haus Gottes. Daher verstehen wir, dass das Haus Gottes von Christus regiert wird, aber wir sind Gottes Mitarbeiter.

Es gab einen Dienst innerhalb des Vorhangs und von dort drinnen erwarteten die Kinder Israel ihre Anweisungen und Antworten. Lass uns sowohl im Leben als auch im Dienst hineindringen.

Lies 2. Mos. 28, 30. Auf dem Brustschild über dem Herzen sollte Aaron Urim und Thummim tragen, was Licht und Vollkommenheit bedeutet. Durch diese Dinge konnte man den Herrn befragen. So auch jetzt. Haben wir in einer Sache Licht und sind wir vollkommen (nach dem Gewissen), können wir den Herrn befragen und er wird uns antworten.

Gestern unterhielten wir uns darüber, dass wir einen neuen Namen bekommen würden, den niemand kennt außer dem, der ihn empfängt, Offb. 2, 17. Genauso wie Jesus Erretter bedeutet und Kephas Felsen usw., so wird in dem neuen Namen, den wir bekommen, eine konzentrierte Bezeichnung unserer ganzen Existenz in Christus Jesus liegen. Niemand in der Vergangenheit noch in der Gegenwart oder Zukunft wird genau dieselbe Eigenschaft und denselben Dienst haben, welche z. B. du hast. Um nun auf allumfassende Weise dein ganzes Wesen und deinen ganzen Lebensinhalt zu bezeichnen, gibt Gott dir einen Namen, den niemand außer dir selbst kennt. Dieser Name ist so vollkommen, dass du deutlich verstehst, dass er, der ihn dir gab, schon längst dein Herz und deine Nieren durchschaut hat. Dies bringt wiederum mit sich, dass du in der Tiefe deiner Seele eine Ehrfurcht haben wirst vor dem Gott, der dir einen solchen Namen geben konnte.

Sei nun aufs Herzlichste gegrüßt von deinem Bruder

Johan