Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 10. Dezember 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 10. 12. 1909
Lieber Bruder Aksel,
Glaube gibt Sieg.

Danke für deinen lieben Brief und das Buch „Der Weg dem Lamme nach“, welche ich heute erhielt. Ich las deinen Brief mit Freude, denn ich hatte ein wenig Bedenken, ich sei etwas hart gewesen. Aber im Vertrauen auf deine Liebe zur Wahrheit schrieb ich, was ich schrieb.

Frau Rasmussen sagte einmal zu mir, es könnte zwar sein, dass ich eine Aufgabe von Gott bekommen hätte, doch sie selbst sei froh, dass es ihr erspart wäre, eine solche Aufgabe zu haben. Daran habe ich oft gedacht. Denn es ist einfach so, dass ich Dinge ausführen muss, die für einen Menschen nicht gerade das Angenehmste sind. Aber im Vertrauen auf Gott muss ich in meinem Dienst treu sein.

In dem Buch, das du mir geschickt hast, fand ich merkwürdigerweise auch etwas, das so gut auf diesen Dienst passt. Da steht nämlich:

„Wer in Gottes Geboten wandelt, der liebt; denn durch seinen Gehorsam zieht er seine Brüder und Schwestern auf die Wege Gottes und das ist wahrhaftige Liebe. Und solche Liebe siegt zuletzt und wird anerkannt, auch wenn sie ihr Leben lang als Härte verschrien wurde.“ (Seite 21).

Ja, es wird als Härte betrachtet, wenn man in Liebe zur Wahrheit versucht, eine Seele in Jesu Fußspur hineinzuleiten. Die Wahrheit leidet hier auf der Erde Unrecht und ihre Diener müssen mit ihr leiden. Aber ein herrlicher Dienst ist es dennoch, denn er wird, wenn nicht jetzt, so doch zum Schluss anerkannt werden.

Ich bin froh, dass du die Krankheit jetzt durch einen persönlichen Glauben bekämpfst. Die Sache ist nämlich, dass ich abermals – nach der Abendmahlversammlung, bei der du warst – zuhause die Sache Gott darlegte und vollen Glauben und Sieg über die Krankheit bekam. Doch etwas blieb zurück und da wurde es mir vollkommen klar, dass du selbst glauben musstest. Und von diesem Licht in der Sache habe ich dir augenblicklich geschrieben. Beim Gebet – mehrmals als wir zusammen gewesen sind – habe ich gemerkt, dass du keinen vollen Glauben für deine Heilung gehabt hast. Doch habe ich dies nur „unterbewusst“ gehabt und nicht „überzeugt“ wie jetzt. Doch wir haben viel zu lernen und ich persönlich habe dadurch viel gelernt. Wir haben es nötig, im Glauben gestärkt zu werden, und das in hohem Maß. Ich habe überhaupt keinen Glauben mehr an deine Krankheit. Denn es ist dermaßen gegen Gottes Gesetze der Weisheit, dass Gott diese Krankheit in so jungem Alter zum Tod sein lassen sollte, wenn dein ganzes Verlangen nach Gottes Erkenntnis steht und du dein Herz hingegeben hast zu verstehen. Höre, mein Sohn, nimm meine Worte an, sie werden dir die Lebensjahre verlängern! Spr. 4, 10. Ich will dich den Weg der Weisheit lehren usw.

Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. Hab. 2, 4. Du hast so viel um Glauben gebetet, vielleicht wirst du jetzt durch Glauben leben dürfen. D. h., dass dein Leben hier auf der Erde durch Glauben erhalten werden soll.

Ich habe bemerkt, dass Gott uns nichts Gutes verwehrt, wenn wir uns befleißigen, das Gute zu tun. Viele meiner kleinen Wünsche im Haus hat Gott bis ins Detail erfüllt, sodass mein Glaube auf diese Weise enorm gestärkt worden ist. Ps. 21, 3 und 5: Du erfüllst ihm seines Herzens Wunsch und verweigerst nicht, was sein Mund bittet. V. 5. Er bittet dich um Leben; du gibst es ihm, langes Leben für immer und ewig.

Diese Sache ist nun in Bearbeitung und nun muss es entschieden werden. Der Herr hat auch seine bestimmten Zeiten für jedes Werk und wenn seine Stunde gekommen ist, dann handelt er. Gleichzeitig lässt er uns im Geist mit denselben Dingen beschäftigt sein, die auch ihn selbst bewegen. Denn von dem Seinen wird er nehmen und uns verkündigen. Der Geist nimmt von dem, was sich in Christus regt, und beschäftigt uns damit. Auf die Weise können wir immer mit den Zeiten für Gottes Werke auf dem Laufenden sein. Denn auf die Zeit zu achten, ist im Dienst etwas vom Wichtigsten für eine Gott hingegebene Seele. Gott hat viele Dinge zu regeln, bevor er dem Werk die Krone aufsetzen kann. Aber wir verstehen zum Schluss, dass alle Wirkungen auf das Endergebnis hin zusammengearbeitet haben. Selig daher, wer bereits bei den Wirkungen auf das Ergebnis hinsehen kann, ehe dieses vorliegt. Hier kann man Gottes Mitarbeiter sein, wenn man das versteht. Hier kann man im Voraus Dinge prophezeien, die geschehen werden, weil alle Wirkungen in diese Richtung gehen. Ich glaube, man sollte seine Sinne auf diesem Gebiet üben und schärfen und durch das, was man sieht und erlebt, Gottes Arbeitsweise besser kennenlernen. Denn wie kann man Gottes Mitarbeiter sein, wenn man nicht weiß, wie Gott es macht?

Danke für die „Byposten“. Ich habe den Artikel von Agnes und Dagmar gelesen. Ich glaube, sie haben viel durchzumachen, bis sie in Geist und Wahrheit zum Dienst tüchtig sind. Denn die äußere Gnade zum Dienst, die anfangs mit ihnen war, war nicht ihre eigene – sondern Gottes. Mit dieser Gnade können sie nicht weiterhin rechnen, doch sie können sich durch Gehorsam und Demut ein inneres Leben und eine innere Gnade erwerben, die auf die Dauer viel kräftiger und beständiger sind als die äußere Gnade in einer Erweckungszeit.

So manche Seele betrügt sich selbst, indem sie glaubt, die Gnade und Kraft zu besitzen, die Gott gibt, wenn er die Seele als Werkzeug benutzt. Dies ist genauso, wie wenn die Axt von sich glauben würde, die Kraft zu besitzen, mit der der Mann sie schwingt. Mit diesen Schlussfolgerungen ziehen viele auf das Missionsfeld hinaus, obwohl es für sie schon schwierig ist, die kleinen Schwierigkeiten zu überwinden, die zuhause auftreten können – ganz zu schweigen von denen dort draußen. Man kann sich vorstellen, wie wenig geprüft und geeignet eine solche Seele für die Mission ist.

Genauso war es mit Sig. Kristoffersen. Er glaubte, alles ausrichten zu können und dazu geeignet zu sein, weit, weit hinaus zu den Heiden zu reisen. Aber es war schwierig für ihn, mit geringeren Dingen fertig zu werden. Ich glaube, ein Holzklotz oder eine Bananenschale können eine gute Vorübung für solche Missionskandidaten sein. Es kann durchaus sein, dass die Heiden etwas mehr sehen wollen als das Abhalten von Versammlungen und dann wäre es gut, einen Kurs in Treue im Geringen gemacht zu haben.

Br. Rasmussen in Kopenhagen hatte den Gedanken an das Sehnen nach dem Brautstand in Christus verstanden, ebenso seine Frau. Und nun wollte er diesen weiterverfolgen, sagte er neulich in einem kurzen Brief.

Im Brief an Vater schrieb ich auch in kurzen Zügen von diesem Thema.

Lebe wohl, ich wünsche dir gute Fortschritte. Ich habe immer noch nicht mit dem Redakteur Aas über die Veröffentlichung von „Smaa lys“ (Kleine Lichter) gesprochen.

Herzliche Grüße. Dein Bruder

Johan