Die Sommerkonferenzen

Wieder waren wir einen Sommer lang auf Brunstad versammelt und wurden durch Gemeinschaft und schöne Stunden mit Freunden aus aller Welt bereichert. Es ist erbaulich zu sehen, wieviel Freude die Geschwister daran haben, zu den Konferenzen zusammenzukommen und mit offenen Herzen zu hören, was Gott reden will. Unter solchen Menschen offenbart sich Gott – und das durften wir in diesem Sommer in reichem Maß erfahren. Wir sind zutiefst dankbar dafür, dass uns in Brunstad ein Ort gegeben ist,an dem Gottes Wort verkündigt werden kann, und für alles, was uns durch diese Konferenzen ermöglicht wird.

In diesem Sommer hörten wir eine kraftvolle Botschaft, die immer wieder in dieselbe Richtung wies: Unser Heil hört nicht bei der Vergebung der Sünden auf, sondern führt uns weiter – hinein in ein Leben, in dem Christus selbst in uns Gestalt gewinnt und in dem wir als Glieder seines Leibes zu ihm hin wachsen, der das Haupt ist.

Hier folgt ein Auszug aus den Versammlungen.

Das Heil im Leib Christi

Die Erlösung durch das Blut Christi ist unter Christen wohlbekannt. Dass Jesus jedoch mit einem tieferen Heil kam und dass wir dazu erbaut werden, der Leib Christi zu sein, der Gottes Willen ausführt, ist weit weniger bekannt. Viele hören Gottes Wort, ohne es wirklich ernst zu nehmen. „Es wird schon gut gehen“, denkt man und bleibt weiterhin gleichgültig und geteilten Herzens, Doch es gibt noch etwas ganz anderes, und das hob Kåre J. Smith auf gesegnete Weise hervor: Es gibt die Erlösung durch den Leib Christi – dadurch, dass er für uns starb –, und die Erlösung im Leib Christi.

„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.“ () Jesu Blut schenkt uns die Vergebung der Sünden, und das ist gut und notwendig. Aber dies war eigentlich nicht das Neue, das Jesus gebracht hat. Vergebung der Sünden gab es auch im alten Bund. Jesus kam, um Gottes Willen zu tun und uns einen Weg zu zeigen, damit auch wir mit unserem Leben in Gottes Willen hineinkommen können. „Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi.“ () Das Evangelium ist deshalb mehr als nur die Vergebung der Sünden; es ist das Heil im Leib Christi, wo wir dazu erbaut werden, Gottes Willen zu tun.

Darum lautet die Ermahnung: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.“ () Außerhalb des Lagers treffen wir auf das Kreuz. Dort wurde die Feindschaft getötet, dort wurde der Schuldbrief mit seinen Geboten und Satzungen ans Kreuz geheftet (). Wollen wir nur durch sein Blut geheiligt (gerettet) werden, geschieht keine Verwandlung in uns – so wie sie auch bei dem Volk nicht geschah, das unter dem alten Bund durch das Blut von Böcken geheiligt wurde. Gehen wir aber hinaus zu Jesus ans Kreuz, werden wir mit ihm gekreuzigt und haben Teil an denselben Leiden, demselben Tod und demselben Leben. Dann hören wir auf, für uns selbst zu leben, und Christus kann in uns leben (). Alle, die in dieses Leben hineinkommen, haben Teil am Heil, das Jesus gebracht hat.

Es war ein echter Kampf, den Jesus führen musste, um dieses Heil möglich zu machen. Er weihte einen neuen Weg ein durch Gehorsam in den Tagen seines Fleisches, unter Leiden und Gebet, und wurde deshalb der Urheber ewigen Heils für alle, die ihm gehorsam sind (). Er verzichtete darauf, Gott gleich zu sein, und erniedrigte sich selbst und zeigte uns so den Weg. Dieser Weg war nicht nur Jesu Weg, sondern ist auch unser Weg. Auf diesem Weg vollführte Jesus Gottes Erlösungswerk für die Menschen (). Dies wird das Geheimnis der Gottesfurcht genannt, ein Geheimnis, das unter Christen heutzutage fast völlig in Vergessenheit geraten ist (). Wer will wie Jesus ebenfalls auf dem Weg der Erniedrigung gehen?

Durch die Heiligung im Leib Christi gewinnen wir Früchte, die für diejenigen zum Segen werden, mit denen wir zusammengefügt sind. „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander ...“. () Wie wunderbar, dass das unser Leben werden kann!

„Wachet aber allezeit und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.“ () Möge Gott uns Kraft und Geist geben, Jesus auf diesem Weg zu folgen, damit wir nicht beim Anfang der Erlösung stehen bleiben, sondern in die Heiligung im Leib Christi hineinkommen.

Sind wir Kinder des Tages?

„Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.“ ()

Man mag sich intensiv mit der Frage beschäftigen, wann Jesus wiederkommen wird. Und wir wissen, dass sein Kommen heute näher ist als gestern. Doch der Apostel Paulus lenkt die Aufmerksamkeit auf etwas viel Wichtigeres: Sind wir Kinder des Tages – solche, die zur Heiligung in Jesus Christus gelangen?

Paulus schreibt im zweiten Brief an die Thessalonicher weiter über „unsere Versammlung bei ihm“ und ermahnt uns, uns nicht durch Gerüchte über den Tag des Herrn erschrecken zu lassen. Die Braut Christi muss zu ihm gesammelt werden, bevor der Tag des Herrn kommt. Sie soll sich bereit machen, Jesus zu begegnen. Deshalb ist es nicht entscheidend, den Tag oder die Stunde zu kennen, sondern so zu leben, dass wir als Braut Christi bereit sind ().

Es gibt nur zwei Wege, auf denen man gehen kann, zwei Geistesrichtungen, die in dieser Welt wirksam sind. Der eine ist Jesu Weg: Er ging den Weg des Gehorsams und der Demut. Er verzichtete darauf, Gott gleich zu sein, und erniedrigte sich bis zum Tod am Kreuz (). Der zweite Weg ist der Weg des Antichristen, der in die entgegengesetzte Richtung führt. Er erhebt sich selbst über alles, was Gott oder Heiligtum genannt wird, verwirft den Gehorsam und führt die Menschen von den Geboten Christi weg. Deshalb gibt es im Grunde nur zwei Wege: den Weg der Demut und den Weg des Hochmuts.

Solange der Leib Christi auf der Erde ist und Christus als sein Haupt hat, wird der Geist des Antichristen zurückgehalten. Dieser Geist ist seit der Zeit der Apostel wirksam. Er zeigt sich dort, wo Gottes Gnade verfälscht wird und die Menschen von den Geboten Christi weggeführt werden. Man meint, bei Gott gebe es genügend Gnade und es sei deshalb nicht so wichtig, wie man lebt. Aber was wollen wir mit der Gnade, wenn wir die Wahrheit über uns selbst nicht hören wollen?

Es genügt nicht, sich für das Blut Jesu und die große Gnade der Sündenvergebung zu begeistern, wenn wir nicht auch die Wahrheit über uns selbst lieben. Gottes Gnade wird uns nicht gegeben, um ein sündiges Leben zu vertuschen, sondern um uns zur Erlösung von der Sünde zu führen. „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.“ () „Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ () Nur wer die Wahrheit annimmt und sich von Gott züchtigen lässt, wird in seinem Sinn erneuert und durch den Geist geheiligt.

Die Liebe zur Wahrheit bewahrt uns. Wer die Wahrheit liebt, sucht nicht, sich selbst zu rechtfertigen, sondern lässt Gottes Licht das aufdecken, was gereinigt werden muss. Dann werden Ermahnungen zur Hilfe und nicht zu einer Belastung, und Gottes Gnade kann das Werk tun, zu dem sie gegeben ist – uns in das Leben Christi hineinzuführen.

Die allermeisten ertragen es nicht, von der Wahrheit erleuchtet zu werden. So war es auch zu der Zeit Lots. Er saß im Stadttor und versuchte, die Gottlosen zu warnen, aber selbst Lots eigene Schwiegersöhne nahmen die Warnung nicht ernst. Sie dachten, Lot mache nur einen Scherz (). Darum kam das Gericht unerwartet. So soll es bei uns nicht sein. Die Gnadenzeit währt nicht ewig. Der Tag des Herrn kommt. Wir sollten diese Zeit nutzen, um uns vorzubereiten. Diejenigen, die die Wahrheit über sich selbst lieben, lassen sich züchtigen und bringen danach die friedsame Frucht der Gerechtigkeit hervor ().

Wir leben in einer Zeit, in der die Zeichen darauf hinweisen, dass das Kommen des Herrn naht. Unsere Berufung besteht aber in erster Linie darin, in die Fußstapfen Jesu zu treten. Wenn wir im Licht wandeln, mit Furcht und Zittern an unserer Seligkeit arbeiten und uns von der Wahrheit formen lassen, dann sind wir Kinder des Tages und können unsere Häupter voller Freude erheben, weil sich unsere Erlösung naht ().

Berufen, das Land einzunehmen

Gott erlöst uns nicht nur von der Schuld, weil wir gesündigt haben; er beruft uns zu einem neuen Leben in Christus. Wie Paulus schreibt: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ () Aber wie viele haben tatsächlich dieses neue Leben ergriffen?

Kåre J. Smith gebrauchte die Geschichte Israels als Vorbild für den Weg eines Christen. Als Gott das Volk aus Ägypten führte, bestand das Ziel nicht nur darin, es aus der Sklaverei zu befreien. Er hatte ihnen ein Land versprochen, das sie besitzen und bewohnen sollten. Doch eine ganze Generation kehrte an der Grenze um. Sie hatten Gottes mächtige Werke immer und immer wieder gesehen, aber der Hebräerbrief macht deutlich: Es war der Unglaube, der sie ausschloss. Lies Hebräer 3.

Dies ist als Lehre für uns geschrieben, und es ist seltsam, dass sich dieselbe Geschichte Jahrtausende später immer wieder wiederholt. Paulus zeigt, wie die Geschichte Israels als Warnung an uns geschrieben ist (). „Dies widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die das Ende der Zeiten gekommen ist.“ () Auch heute kann sich ein Christ über die Sündenvergebung freuen und dennoch außerhalb stehen bleiben. Er lässt sich nicht von Gott ins Land führen. Es ist möglich, aus „Ägypten“ herausgekommen zu sein und trotzdem weiterhin ein Leben zu führen, das von Niederlagen, Unruhe und dem Murren der Wüste geprägt ist.

Gott beruft uns zu etwas viel Größerem als diesem. Wenn wir das verheißene Land einnehmen wollen, müssen wir in unserem Geist lebendig sein und bewusst für Gott leben. „Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt.“ () Gott will uns in Christi Leben hineinführen, wo der Geist uns formt und uns seiner Natur teilhaftig macht.

Jesus berief uns nicht nur dazu, an ihn zu glauben, sondern seine Jünger zu werden. Wer ihm folgen will, muss sein eigenes Leben aufgeben, um den Willen des Vaters zu tun (). Dies ist kein menschlicher Verbesserungsversuch, sondern ein Leben, in dem der Geist Christi in uns wirkt. „Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, da ja Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.“ () In dem Maß, wie wir im Gehorsam wandeln, werden die Taten des Leibes getötet, und das Leben Christi bekommt immer mehr Raum in uns ().

So wie Israel das Land Stück für Stück einnehmen musste, ist auch die Heiligung eine Wanderung. Der Feind wurde nicht an einem Tag besiegt, aber Gott hatte dem Volk das Land bereits gegeben. So können auch wir von Sieg zu Sieg gehen, wenn wir am Glauben festhalten und uns vom Geist leiten lassen. „Damit ihr nicht träge werdet, sondern die nachahmt, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen ererben.“ () Die Trübsale, die uns treffen, sind kein Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hat, sondern eine Gelegenheit, durch die der Glaube geprüft und gestärkt werden kann.

Das Ziel des Evangeliums ist, dass Christus einen Leib auf Erden bekommt – ein Volk, das für ihn lebt, durch den Geist zusammengefügt wird und sein Leben widerspiegelt. Gott will uns zur Reife führen, damit das Leben Christi in uns und durch uns sichtbar wird.

Hüte dich!

„Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; sondern wer aus Gott geboren ist, hütet sich, und der Arge tastet ihn nicht an.“ ( SLT56) Die Gefahr liegt nicht in dem, was andere uns antun, sondern darin, was wir in unserem Herzen zulassen. Darum lautet die Ermahnung: Hüte dich!

Der Apostel Petrus ermahnt uns zum Guten und stellt eine zum Nachdenken anregende Frage: „Und wer ist’s, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert?“ () Wenn wir Unrecht ausgesetzt werden, bekommen wir gleichzeitig eine Gelegenheit, Gutes zu tun. Wenn wir segnen statt Vergeltung zu üben, hat das Böse nicht gesiegt. Im Gegenteil, es ist daraus eine Gelegenheit zum Wachstum und zum Anhäufen von Schätzen im Himmel geworden. Bedenke, dass es vollkommen möglich ist, Christus in unseren Herzen als Herrn zu heiligen, ganz gleich, wie Menschen uns behandeln!

Das Einzige, was uns wirklich schaden kann, ist, wenn das Böse uns überwindet und wir sündigen. Wenn wir uns zu Bitterkeit, Zorn oder Rache hinreißen lassen, sind wir überwunden worden. Überwinden wir aber das Böse mit Gutem, haben wir einen Sieg errungen, der ewigen Wert besitzt ().

Josephs Leben ist ein starkes Zeugnis dafür. Obwohl seine Brüder Böses gegen ihn im Sinn gehabt hatten, konnte er sagen: „Gott aber gedachte es gut zu machen.“ () Gott kann selbst die schwierigsten Situationen zum Guten wenden, wenn wir beharrlich Gutes tun und ihm unsere Sache ganz übergeben.

Die Geschichte von Bileam zeigt dieselbe Wahrheit aus einer anderen Perspektive. Was Gott gesegnet hatte, konnte niemand verfluchen. Bileam wusste das. Statt Israel zu verfluchen, lehrte er Balak, das Volk zur Sünde zu verführen. Und als das gelungen war, verlor es Gottes Schutz (). Genauso ist es auch heute. Das Einzige, was wir wirklich zu fürchten haben, ist die Sünde. Keine Worte oder Taten von Menschen können uns von Gottes Segen trennen, wenn wir in Christus bewahrt bleiben.

„Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Nachkommen und nach der Verheißung Erben.“ () Wir sind berufen, Abrahams Nachkommen zu sein. Deshalb ist es auch unsere Berufung, zu segnen. Wenn wir im Geist wandeln, auf uns selbst achten und der Sünde keinen Raum geben, kann das Böse keine Macht über uns haben. Dann werden wir im Frieden Gottes bewahrt, und das Leben Christi wird durch uns offenbar. Alle Dinge dienen denen zum Besten, die Gott lieben und die nach seinem Ratschluss berufen sind. So werden wir immer mehr Jesus gleich gestaltet ().

Hast du die erste Liebe verlassen?

Kåre J. Smith erinnerte uns daran, dass das Reich Gottes fest und unerschütterlich ist. „Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zur Festversammlung.“ () Zion ist der Ausdruck für ein Reich, in dem das Wort Gottes für immer im Himmel verankert ist (). Alles, was Gott Abraham und Israel verheißen hat, bleibt für immer bestehen. So verhält es sich auch mit den Verheißungen des neuen Bundes. Sie stehen fest und verändern sich nicht. Aber wie können wir an diesen Verheißungen festhalten?

Das Wort Gottes muss in unseren Herzen verankert sein. Wir, die wir Jünger Jesu geworden sind, sollen Gottes Wort gehorchen und seine Gebote befolgen. Dann werden wir fest und unerschütterlich sein, immer wirksam im Werk des Herrn. Und die Verheißung, die wir erben sollen, besteht darin, dass wir göttlicher Natur teilhaftig werden (). Das ist das Festete und Unerschütterlichste, was es gibt.

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ () Ohne Glauben, Hoffnung und Liebe werden wir in den vielen Prüfungen des Lebens zu Verlierern. Es passiert schnell, dass man in ein von Oberflächlichkeit geprägtes Leben absinkt, in dem man alles aus Gewohnheit tut, ohne je zu einem persönlichen Leben mit Jesus gekommen zu sein. Dann fällt man in der Stunde der Versuchung. Doch mit Glauben, Hoffnung und Liebe können wir standhaft bleiben.

Der Engel der Gemeinde in Ephesus bekam ein gutes Zeugnis; er hatte Geduld und Ausdauer in der Arbeit, einen Eifer, der die Bösen nicht ertragen konnte, und die Fähigkeit, falsche Apostel zu entlarven. Und dennoch hatte Jesus dies gegen ihn: Er hatte die erste Liebe verlassen (). Hier sehen wir, dass es möglich ist, viel Gutes zu tun und viele gute Taten zu vollbringen, ohne dass die erste Liebe zu Christus brennt. Deshalb müssen wir uns fragen: Was ist diese erste Liebe?

Sie besteht darin, bei allem, was wir tun, den Namen Jesu vor Augen zu haben, ohne jemals die eigene Ehre zu suchen. Es bedeutet, die Stimme des Geliebten mit Freude zu hören, seinen Willen mit Freude zu tun und mit Freude einen Platz in seinem vertrauten Rat zu haben. Solange der Engel in Ephesus diese Liebe besaß, tat er alles um des Namens Jesu willen. Er wurde nicht müde und dachte nicht an sich selbst. Doch nach und nach begann er an seinen eigenen Namen zu denken – und damit begann der Abfall.

Wenn wir in der ersten Liebe stehen, finden wir auch zu den ersten Werken zurück, Werken, die Gott wohlgefällig sind. Dann kommen wir zu einem Leben, das von den Tugenden Christi erfüllt ist (). Das bedeutet, die Krone des Sieges zu tragen. Ganz gleich, wo wir im Leben stehen: Jesus als unsere erste Liebe zu haben, ist das Unterpfand eines glücklichen Lebens – eines Lebens, an dem wir unter allen Umständen festhalten müssen. Ein Leben, das von brennender erster Liebe zu Jesus geprägt ist, bringt die Früchte des Geistes hervor: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Und diejenigen, die Christus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden ().

Die erste brennende Liebe zu Jesus bis zum Schluss zu bewahren, ist eine ernste Berufung – und das Fundament eines Lebens, das fest und unerschütterlich ist.

Ein Leib im Wachstum

Das Heil erlangen wir im Leib Christi – seiner Gemeinde. Viele legen an Christi Gemeinde einen menschlichen Maßstab an, so, als ginge es um eine Organisation. Dann aber fehlt die geistliche Dimension, denn im Leib Christi liegt das Heil verborgen. Paulus betet darum, dass unsere Herzensaugen erleuchtet werden, damit wir erkennen, wie reich die Hoffnung ist, zu der wir berufen sind, und wie unermesslich groß die Kraft Gottes für uns ist, die wir glauben (). Christus ist als Haupt über die Gemeinde – seinen Leib – gesetzt. Und obwohl das Haupt vollendet ist, befindet sich der Leib noch immer im Wachstum und in der Entwicklung ().

Der Weg, den Jesus ging, ist klar und deutlich – er ging den Weg des Kreuzes. „Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.” () „Der hinabgefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, damit er alles erfülle. Und er selbst gab den Heiligen die einen als Apostel, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden.“ () Alle, die Glieder dieses Leibes sein wollen, müssen selbst den gleichen Weg gehen, den er ging. Sie erfahren, dass der Tod Christi in ihrem Inneren wirksam werden muss, damit das Leben Christi sichtbar werden kann ().

Es ist etwas Großes, wenn ein Mensch zu der Hingabe kommt, dass er ein Glied dieses Leibes wird. Dann beginnt unter der Leitung des Geistes eine wirkliche Arbeit in ihm. Wenn man empfindet, dass man in der Gemeinde keine Entwicklung erlebt, besteht die Antwort niemals darin, anderen die Schuld zu geben. Die Lösung ist, Christus, dem Haupt, näherzukommen, denn jedem Glied an seinem Leib wird von Gott seine eigene Aufgabe zugemessen. Wenn wir unsere eigene Sünde erkennen – anstatt zu denken: „Die anderen verstehen mich nicht“ –, dann erfahren wir eine echte Weiterentwicklung in unserem Leben. Der Heilige Geist wird uns in alle Wahrheit führen. Aber wir selbst müssen die Wahrheit lieben und zulassen, dass sie uns zeigt, was in unserem eigenen Leben getötet werden muss, damit das Leben Christi hervorkommen kann.

Das Ziel dieses Wachstums ist: „... bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi, damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch das trügerische Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen.“ () Es gibt viele Lehren und Richtungen, die nichts mit dem Leib Christi zu tun haben. Das Wachstum geschieht dadurch, dass wir, wahrhaftig in der Liebe, in allen Stücken zu ihm hin wachsen, der das Haupt ist, Christus ().

Der ganze Leib wird zusammengefügt und gefestigt durch jedes Band, das Christus gibt, und wächst in der Liebe, gemäß der Wirkung jedes einzelnen Gliedes (Eph.4,16). Das sind ewige, unauflösliche Bande. Nur die Sünde kann sie zerstören. Hast du Jesus als Haupt, bekommst du dein eigenes Werk.

Jeder kann Wachstum erfahren – nicht dadurch, dass er darauf wartet, dass andere sich verändern, sondern dadurch, dass er selbst empfänglich wird für das, was der Geist der Wahrheit ihm über sich selbst zeigen will. Dann wachsen wir gemeinsam zu ihm hin, der das Haupt dieses herrlichen Leibes ist.

Mit der Sünde fertig oder ein „erlöster“ Sünder?

Das ist eine entscheidende Frage, die wir alle beantworten müssen. Für viele ist es aber auch ein Geheimnis – das, was der Apostel Paulus das Geheimnis der Gottesfurcht nennt. „Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, verkündigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.” (). Es bleibt für uns ein Geheimnis, solange wir die Ermahnung, mit der Jesus kam, nicht annehmen: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ () Aber was genau sollen wir von Jesus lernen?

Die größte Sünde des Menschen ist der Hochmut. Es ist diese Arroganz, die vielen Krankheiten und Problemen, mit denen die Menschheit zu kämpfen hat, zugrunde liegt, und unzählige Leben zerstört hat. Jesus kam auf die Erde, um gerade dem Hochmut ein Ende zu setzen und einen Weg einzuweihen, der uns vollständig von der Sünde befreit. Wenn er uns von den Versuchungen befreien wollte, mit denen wir zu kämpfen haben, musste er selbst das gleiche Fleisch annehmen – das Fleisch Davids, mit allem, was dazugehört. „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hatte er gleichermaßen daran Anteil, auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten.“ ()

Sein ganzes Leben hindurch erniedrigte Jesus sich in allen Situationen, in die er kam, indem er beständig nicht seinen eigenen Willen, sondern Gottes Willen tat. Dieser Weg führte zum Tod Jesu, und dort wurde er zum Urheber ewigen Heils – eines Heils, das uns vollständig von der Sünde befreit (, ). Gerade auf diesem Weg der Erniedrigung ist das Geheimnis der Gottesfurcht verborgen; dort überwinden wir den Hochmut, der in unserem eigenen Fleisch wohnt. Dies ist die verborgene Weisheit Gottes, die uns zur Herrlichkeit gereicht ().

Es braucht einen Sinneswandel in unserem Leben, damit uns das offenbar wird. Wir müssen uns mit demselben Gedanken wappnen, den Christus hatte: Wer im Fleisch gelitten hat, der hat Ruhe vor der Sünde (). Wer versteht das denn inmitten der alltäglichen Situationen, denen wir begegnen? Die meisten denken, man müsse es nicht so genau nehmen – Jesus hat das Werk doch vollbracht, und bei Gott gibt es genügend Gnade. Anstatt dass die Sünde aufhört, begnügt man sich damit, sich als „erlösten Sünder“ zu betrachten und bleibt somit für den Rest seines Lebens ein Sünder. Die Apostel verkündigten etwas anderes. Johannes schreibt: „Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt.“ () Also will er uns sagen, dass die Sünde aufhören muss.

Dabei ist es wichtig, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden. Johannes schreibt: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ () Wir haben Sünde – das heißt, in unserem Fleisch wohnt noch Sünde. Gott will uns davon reinigen. Lasst uns sie anerkennen, wir werden sie unser ganzes Leben lang bekämpfen müssen. Sünde zu haben ist etwas völlig anderes als Sünde zu begehen, also bewusst in Sünde zu leben und sich dabei auf Gottes Gnade als Rechtfertigung dafür zu berufen. Über ein solches Leben schreibt Johannes: „Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ () Genau dieser bewussten Sünde wollte Jesus ein Ende setzen – nicht dadurch, dass wir so tun, als wären wir ohne Sünde, sondern dadurch, dass wir der Sünde nicht länger nachgeben.

Es gibt keine Sünde, die so groß ist, dass Jesus sie nicht vergeben kann. Das ist eine große Gnade, und wir müssen den Glauben daran bewahren. Es ist gut, es zu erkennen, wenn man in Sünde gefallen ist und sich durch den Betrug der Sünde hat verführen lassen. Das gilt sowohl uns selbst als auch anderen gegenüber. Doch ohne ein tiefes Erkennen der Wahrheit bleibt man ein Sünder, wie Jesus selbst sagt. Lies . Ohne diese Erkenntnis der Wahrheit werden einem niemals die Augen für dieses Geheimnis geöffnet, und dann braucht man Jesus auch nicht als seinen Meister und Heiland.

Das Evangelium ist klar und deutlich: Jesus kam um der Sünde willen, um der Sünde ein Ende zu setzen. Er brachte ein ewiges Heil, indem er selbst den Weg des Todes beschritt. Wir sind berufen, in seine Fußstapfen zu treten und damit aufzuhören, bewusst zu sündigen, während wir uns unser ganzes Leben lang von der Sünde reinigen lassen, die noch in unserem Fleisch wohnt. Dann werden wir selbst Zeugen dieses Geheimnisses der Gottesfurcht.