Bericht von der Oster- und der Pfingstkonferenz
„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“ (Hebr. 10,25)
Unser lieber Bruder, Freund und Hirte Kåre J. Smith hat in letzter Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten betont, wie wichtig es ist, zu unseren Versammlungen und Konferenzen zu kommen. Es geht dabei nicht um eine äußere Treue; es ist entscheidend für unser persönliches Leben und für die Gemeinde. Gott hat diese Konferenzen in reichem Maß gesegnet. Er offenbart sich all jenen, die sich nach einem Jüngerleben sehnen. Gelobt sei Gott für seine Berufung und seine Erwählung!
Hier folgen einige Auszüge aus den Versammlungen der beiden Konferenzen.
Der Fels – Jesus Christus
Während der Osterkonferenz erinnerte uns Kåre J. Smith an etwas Grundlegendes: Nicht viele verstehen wirklich, wer Jesus ist. Die meisten kennen Jesus als Sühnopfer für unsere Sünden, und als Christen verstehen wir, dass es eine große und unbegreifliche Gnade ist, dass er um unseretwillen starb. Die Freude darüber, Vergebung der Sünden empfangen zu haben, sollte groß und echt sein – aber sollen wir dabei stehen bleiben? Wir sind dazu berufen, ein ganz neues Kapitel aufzuschlagen. Auch Johannes der Täufer verkündete die Vergebung der Sünden. Wenn wir jedoch Jesus nachfolgen wollen, braucht es mehr als das! Er ist unser Vorläufer, und wir sind dazu berufen, in seine Fußstapfen zu treten.
Als Jesus hier auf der Erde lebte, gab es nicht viele, die verstanden, wer er war. Und so ist es auch heute noch. „Einige sagen: Du seist Johannes der Täufer; andere: du seist Elia; wieder andere: du seist Jeremia oder einer der Propheten.“ (Matth. 16,13–14) So lauteten die Antworten, als Jesus fragte, für wen die Leute ihn halten. Als er aber seine Jünger fragte, für wen sie ihn halten, antwortete Simon Petrus: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Matth. 16,15–16) Petrus hätte so nicht antworten können, wenn er nicht eine Offenbarung von Gott empfangen hätte. Und genau diese persönliche Offenbarung brauchen wir. Denn es ist ein Unterschied, ob man Jesus als Versöhner kennt oder als Herrn.
„Der Fels ist Jesus Christus!“ Diese einfache Wahrheit hat gottesfürchtige Menschen zu allen Zeiten getragen. Auf dem Felsen ist man sicher, auch wenn der Sturm tobt. Um sein Leben auf diesen Felsen zu bauen, genügt es nicht, die Vergebung der Sünden anzunehmen. Es geht darum, von der Sünde befreit zu werden, die in unserem Fleisch wohnt. Paulus schreibt: „Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind.“ (Röm. 5,10) Das Leben Jesu ist der keimkräftige Kern des Heils. Viele bleiben beim Tod Jesu stehen, aber wir sind dazu berufen, so zu leben, wie er lebte.
Wir leben nun in der „letzten Zeit“, und der geistliche Tempel Gottes befindet sich noch immer im Aufbau. „Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein“, schreibt Petrus, „und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause ...“ (1. Petr. 2,4–5). Jeder Einzelne, der zum Felsen kommt und sein Leben darauf baut, wird zu einem lebendigen Stein in diesem Bauwerk. Das ist der Leib Christi, seine Gemeinde. Doch genauso wie der Eckstein, Jesus, von den Menschen verworfen wurde, wird auch seine Gemeinde heute von denen verworfen, die nicht aufrichtig sind und nur einen Schein der Gottesfurcht haben. Dennoch steht dieses Bauwerk unerschütterlich fest. Jesus selbst sagte: „... und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ (Matth. 16,18)
Wenn wir lebendige Steine in diesem geistlichen Bauwerk werden sollen, verlangt das etwas von uns. „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ (Apg. 2,47) Sich retten zu lassen, ist eine Entscheidung, die wir aktiv und bewusst treffen. Es bedeutet, dass wir erkennen, dass das Böse unserer menschlichen Natur anhaftet, und dass wir verstehen, dass unsere eigene Kraft nicht ausreicht (Röm. 7,20–21). Erst wenn wir ehrlich und aufrichtig vor Gott und vor uns selbst wird, kann dieses tiefgreifende Heil beginnen.
Wer sich von weltlichem Ruhm und Größe verführen lässt, kann niemals zu einem geistlichen Stein in Gottes Haus aufgebaut werden. Petrus erinnert uns daran, dass das Gericht beim Haus Gottes beginnt (1. Petr. 4,17). Deshalb müssen wir auf den Heiligen Geist hören, der uns zu der Erkenntnis führen kann, die wir brauchen. Dann bekommen wir etwas zu sehen, das nur die sehen können, die reinen Herzens sind: etwas, das wir ergreifen können und das uns zu einem tieferen Heil führt.
Lasst uns daher unerschütterlich im Glauben auf dem Felsen Jesus Christus stehen! Sein Leben soll unser Leben werden – zu Hause, in der Gemeinde und in alle Ewigkeit. Es gibt keinen sichereren Grund, auf dem man bauen könnte.
Jesus – der Urheber eines so großen Heils
An Ostern geht es nicht nur um ein geschichtliches Ereignis: Es geht um etwas, das unser Leben komplett verändern kann. Es ist beinahe unmöglich, wirklich zu erfassen, was Jesus Christus für uns getan hat. Während seines ganzen Lebens auf der Erde entschied er sich immer wieder dafür, den Willen Gottes statt seines eigenen Willens zu tun. Diese Treue hielt bis zuletzt an, bis zum Tod am Kreuz. Dann kam der Ostermorgen (Matth. 28,1–2). Durch seine Auferstehung wurde der Weg zu Gott wieder geöffnet.
Infolge des Sündenfalls entfernte sich die Menschheit von Gott. Es war, als hätte sich eine Wand zwischen uns und ihm erhoben. Durch den Kreuzestod Jesu wurde diese Wand niedergerissen. Die Sünde erhielt ihr endgültiges Urteil, und alle, die sich danach sehnen, zu Gott zurückzukehren, haben nun freien Zugang zu seinem Segen und seinem Frieden. Eine große und mächtige Gnade kam über die Menschen an dem Tag, als Jesus am Kreuz starb.
„Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ (Matth. 28,18) Am Kreuz erhielt Jesus Macht über den Tod. Der Teufel – die Macht, die die Menschen in Sünde, Angst und Qual gefangen hält – verlor für immer seine Herrschaft. Doch die Auferstehung war nicht das Ende der Geschichte; sie war der Beginn von etwas völlig Neuem! Jesus sandte seine Jünger als Botschafter in die Welt: Ein Weg war nun geöffnet worden, der zurück zum Vater führte. „Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matth. 28,19–20)
Jesus wurde zum Sühnopfer für unsere Sünden, aber wir müssen daran glauben, dass es bei der Osterbotschaft auch darum geht, dass heute ein Werk in uns geschehen soll. Als Jesus rief: „Es ist vollbracht!“ (Joh. 19,30), zerriss der Vorhang im Tempel in zwei Teile (Matth. 27,51). Das war ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Weg zum Vater nun für die Menschen offenstand.
Diesen Weg zu gehen bedeutet, in allen Lebenslagen den Willen Gottes zu tun. „Da sprach ich: Siehe, ich komme – im Buch steht von mir geschrieben –, dass ich tue, Gott, deinen Willen.“ (Hebr. 10,7–9) Durch den ewigen Geist brachte Jesus sich selbst Gott dar, als ein Opfer ohne Fehl (Hebr. 9,14). Er hat uns denselben Geist gesandt, damit Gott in unserem Inneren etwas ganz Neues schaffen kann.
In Epheser 2,15–16 lesen wir, dass am Kreuz die Feindschaft getötet wird. Nicht nur die Feindschaft zwischen Gott und Mensch, sondern auch die, die Menschen voneinander trennt. Denken wir an eine Ehe oder ein Zuhause, in dem man den eigenen Willen beiseite legt, um stattdessen den Willen Gottes zu suchen. Wenn wir die Fußspuren Jesu finden und wahrhaftig nach dem Willen Gottes leben, werden wir in ein Bauwerk eingefügt, das von einer herrlichen geistlichen Gemeinschaft geprägt ist – dem Leib Christi.
Nicht viele sind bereit, diesen Weg zu gehen. Aber auf diesem Weg wird uns ein Geheimnis offenbart: Die Sünde verliert ihre Macht über uns – wir werden frei! Nicht durch eigene Kraft, sondern durch ein Heil, das tiefer geht, als wir begreifen können. Jesus, unser Vorläufer, hat es vollständig möglich gemacht, ihm nachzufolgen!
Die Friedensstifter
Es gibt Menschen, die kaum wahrgenommen werden und dennoch von großer Bedeutung sind. Sie sind nicht darauf aus, gesehen zu werden, und haben nicht das Bedürfnis, sich in den Vordergrund zu stellen. Um solche Menschen herum spürt man eine Atmosphäre des Friedens, und oft werden sie als zuverlässig und verantwortungsbewusst beschrieben. An solche Menschen denkt Jesus, wenn er sagt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matth. 5,9)
Paulus kannte solche Menschen, und er schätzte sie sehr. Er grüßt besonders Andronikus und Junias, die seine Mitgefangenen gewesen waren (Röm. 16,7). Diese beiden hatten vielleicht keinen sichtbaren Dienst in der Gemeinde, aber sie dienten Gott von ganzem Herzen mit den Gnadengaben, die Gott ihnen gegeben hatte.
Es ist möglich, auf ganz menschlicher Ebene Frieden zu schaffen. Manche haben eine natürliche Begabung dafür, Situationen zu entspannen, und manche sind gut darin, für gute Stimmung sorgen. Doch ein solcher Friede stößt schnell an seine Grenzen, denn er beruht auf menschlichem Wohlwollen. Der Friede, von dem Jesus spricht, liegt auf einer ganz anderen Ebene. Er ist die Frucht einer bewussten inneren Arbeit, bei der man das Schwert des Geistes im eigenen Gedankenleben wirken lässt, sodass die eigenen Reaktionen und die Forderungen, die man an andere stellt, ans Licht kommen und gerichtet werden können. Jakobus sagt klar: „Die Weisheit von oben aber ist aufs Erste lauter, sodann friedfertig ...“ (Jak. 3,17) Wahrer Frieden geht immer Hand in Hand mit Reinheit.
Die Gläubigen in Korinth sind für uns ein ernstes Beispiel. Sie hatten reiche Gnadengaben empfangen, wurden aber aufgeblasen wegen ihrer Gaben. Sie hatten so große Gedanken über sich selbst, dass sie sogar ohne den Apostel Paulus herrschen wollten (1. Kor. 4,7–8). Und was war das Ergebnis? Paulus fürchtete, dass daraus Streit, Neid, Zorn, Eigennutz, Verleumdung, üble Nachrede, Aufgeblasenheit und Unordnung entstehen würden (siehe 2. Kor. 12). Genau das geschieht, wenn Gnadengaben dazu benutzt werden, Ehre und Anerkennung für sich selbst zu gewinnen, statt damit den anderen zu dienen. Wer friedfertig ist, weiß von sich selbst, dass er die Ehre und Gunst der Menschen nicht sucht. Er fühlt sich bei solchen Gedanken sofort alarmiert.
Kåre J. Smith ermahnte uns, 1. Korinther 9 zu lesen und über dieses Kapitel nachzudenken. Dort lesen wir, wie Paulus lebte und wie er Gott diente. Er beschreibt die Rechte, die ihm sein Dienst hätte geben können, auf die er jedoch bewusst verzichtete. Gerade dieser Verzicht bewahrte ihn vor vielen Fehltritten in seinem Dienst. So arbeiteten Paulus und die vielen, die uns seit den Anfängen vorausgegangen sind – und so müssen auch wir heute arbeiten.
Frieden zu stiften ist untrennbar mit unserem persönlichen Leben mit Gott verbunden: „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird.“ (Hebr. 12,14) Gott arbeitet an uns, damit wir Anteil an seiner Heiligkeit bekommen (Hebr. 12,10). Damit wird man nicht über Nacht fertig; es ist ein lebenslanger Weg der Heiligung.
Menschen, die die Kunst verstehen, Frieden zu stiften, sind edle Menschen, die gelernt haben, den Geist Gottes in sich wirken zu lassen. Sie erkennen zuerst ihre eigene Sünde, verzichten auf ihre eigenen Rechte und entscheiden sich dafür, zu dienen und ihr Leben hinzugeben. Und genau deshalb nennt Jesus sie Gottes Kinder – nicht wegen ihrer großen Leistungen, sondern weil sie das Wesen ihres himmlischen Vaters widerspiegeln.
Dienen im neuen Wesen des Geistes
Gott hat zwei Bünde mit uns geschlossen. Der alte Bund brachte irdische Herrlichkeit mit sich, und viele Menschen heute – auch Christen – suchen nach diesen irdischen Segnungen. Der neue Bund kam durch Jesus Christus. Gott wollte, dass dieser den Weg in das Heiligtum öffnet, und genau das tat er. Nicht durch die Kraft äußerer Gebote, sondern durch die Kraft eines unvergänglichen Lebens. Jesus fand eine ewige Erlösung (Hebr. 7,16–17).
Das Gesetz führte niemanden zur Vollkommenheit. Es machte es möglich, eine gewisse äußere Reinheit zu erreichen und ein Leben nach hohen moralischen Grundsätzen zu führen. Paulus selbst konnte sagen, dass er nach dem Gesetz untadelig war (Phil. 3,6). Doch das Gesetz konnte nichts gegen die innere Begierde ausrichten, gegen die Forderung, die aus der Tiefe des Fleisches kam, das durch die Sünde verdorben worden war. Wer dem Gesetz treu sein wollte, musste immer wieder kommen und Opfer darbringen. Das Blut von Böcken und Kälbern konnte die Sünde ja nicht wegnehmen. Das Gesetz konnte den bestrafen, der eine Sünde begangen hatte – aber gegenüber der Begierde, die im Herzensgrund verborgen lag, war es machtlos (Hebr. 9,9–10).
Jesus aber ging ein für alle Mal in das Heiligtum hinein, nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut, und erlangte eine ewige Erlösung (siehe Hebr. 9,11–14). Was dem Gesetz unmöglich war, das tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn sandte. Jesus kam in der Gestalt des sündigen Fleisches, und genau in diesem Fleisch wurde die Sünde verdammt (Röm. 8,3–4).
Der neue Bund, zu dem Jesus uns einlädt, eröffnet uns einen ganz neuen Weg: Wir können nicht nur Vergebung unserer Sünden erlangen, sondern wir haben auch die Möglichkeit, uns Gott zu nähern, indem wir aufhören zu sündigen. Das ist nicht etwas, das wir vielleicht irgendwann in der Zukunft erleben werden – oder vielleicht erst im Himmel. Nein, das kann heute Realität werden. Und das gilt für jeden einzelnen neuen Tag. Gottes Wunsch ist es, dass wir Anteil an seiner göttlichen Natur bekommen und eine neue Schöpfung werden (2. Petr. 1,3–4).
Nach dem Geist zu wandeln bedeutet, gegen die Begierden des Fleisches zu kämpfen: „ ... wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.“ (Röm. 8,13) Der Geist kann uns auf diesem Weg leiten, und der Geist ist viel schneller als das Gesetz. Er hilft uns, rechtzeitig Kampfstellung einzunehmen und anzugreifen, bevor die Sünde Eingang in unser Herz gefunden hat.
Und wie sollen wir uns für einen solchen Kampf rüsten? Das ist möglich, wenn wir den Herrn lieben. Jesus hatte eine brennende Liebe zu seinem Vater: „Siehe, ich komme – ... dass ich tue, Gott, deinen Willen.“ (Hebr. 10,7) Diese Liebe war echt und groß. Sie gab Jesus Kraft, einen kompromisslosen Kampf gegen alles zu führen, was sich in seinem Fleisch erhob (Hebr. 5,7). Wenn diese brennende Liebe in unser Herz kommt, können auch wir Gott im neuen Wesen des Geistes dienen.
Wir haben die Wahl zwischen zwei Wegen: entweder eingeschlossen im „Buchstaben“ zu leben, umgeben von Regeln, die uns zwar zurückhalten, aber nicht verwandeln – oder im neuen Wesen des Geistes zu leben und zu dienen, wo wir wachsen und in das Bild Jesu verwandelt werden können. Lasst uns recht wählen!
Wonach seufzt dein Herz?
„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Matth. 5,3) Mit diesen Worten eröffnet Jesus die Bergpredigt. Wenn man diese innere Armut kennt – dieses tiefe Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit vor Gott –, dann kann man auch dieselbe Gewissheit haben, die Paulus gegenüber den Philippern ausdrückte: „Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ (Phil. 1,6)
Von Natur aus besitzt keiner von uns den richtigen Maßstab, um geistliche Dinge zu beurteilen. „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.“ (1. Kor. 2,14) Deshalb muss der Geist uns zu Hilfe kommen. „Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.“ (Röm. 8,26) Dieses Seufzen richtet sich immer gegen unser eigenes Fleisch, gegen die innewohnende Sünde, von der wir frei werden sollen.
Der Geist spürt die Opfer in unserem Leben auf, selbst die verborgensten, die wir alleine niemals gefunden hätten. Auf diese Weise werden wir in der Armut des Geistes bewahrt. Die Gesinnung des Geistes ist Leben und Friede. (Röm. 8,6). Sobald man den Weg verlässt, auf dem der Heilige Geist uns führen will, verliert man den Frieden und wird unruhig.
Es gibt viel Seufzen in dieser Welt: das Seufzen gegeneinander, das Seufzen unter Krankheit oder Mangel. Aber das ist nicht das „Seufzen der Erstlinge“. Das Seufzen der Erstlinge ist das Seufzen derer, die sich danach sehnen, mehr von Gott zu bekommen. Das sehen wir deutlich bei Paulus: „Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“ (Röm. 7,22–23) Dann kommt dieses Erstlingsseufzen hervor: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ (Röm. 7,24) Das ist das Seufzen derer, die es nicht schaffen, Gottes Willen zu tun, so sehr sie es sich auch von ganzem Herzen wünschen.
Wo dieses Seufzen vorhanden ist, wirkt der Geist, und dort gibt es Wachstum und Entwicklung. Viele sind damit zufrieden, über die offensichtlichen Sünden Sieg zu haben, sodass ihr Gewissen sie nicht mehr verurteilt. Doch ohne dieses Erstlingsseufzen ist es nicht weit dahin, dass man in eigenen Augen groß wird, zu herrschen beginnt oder die Welt und die Dinge dieser Welt lieb gewinnt (1. Joh. 2,14–17). Wir müssen auf uns selbst achten, damit wir immer in diesem Erstlingsseufzen bewahrt bleiben.
Für diejenigen, die in dieser Sehnsucht nach der göttlichen Natur leben, gibt es eine herrliche Verheißung. Sie erhalten eine Hoffnung, die wie ein Anker für die Seele wirkt und ihnen auf dem Weg hilft, den Jesus als Vorläufer gegangen ist (Hebr. 6,17–20). An diesem Bekenntnis unserer Hoffnung müssen wir festhalten und dürfen niemals davon abkommen. (Hebr. 9,28). Das bewahrt uns in geistlicher Armut und gibt uns Anteil am Himmelreich.
Mögen wir alle uns retten lassen, damit wir vom natürlichen Menschen befreit werden und zu einem Leben in Gott kommen!