Verborgene Schätze

Eine „lebendige Quelle“ oder „rissige Zisternen“?

Mai 2026

Eine „lebendige Quelle“ oder „rissige Zisternen“?

„Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.“ (Jer. 2,13) „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“ (Ps. 36,10–20)

Das lebendige Wasser, die Quelle des Lebens selbst, finden wir nur beim Schöpfer, dem lebendigen Gott, der der Ursprung allen Lebens ist. Das ist eine ewige Wahrheit. Die Bibelstellen sind aus dem Alten Testament, aber sie gelten auch im Neuen Testament, ja für ewig. In der Geschichte hat es sich immer wieder gezeigt, dass die Menschen die Quelle – die Gemeinschaft mit ihrem Gott – verlassen und versuchen, sie durch das Graben von rissigen Zisternen zu ersetzen. Beides sind böse Dinge.

Jesus sagt zu der samaritanischen Frau am Brunnen: „Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.“ „Wer aber von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten, wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Joh. 4,10 und 13–14)

Aus dem weiteren Gespräch zwischen Jesus und der Frau am Brunnen geht hervor, dass die Frau und ihr Volk sich damit beschäftigten, ob die Anbetung Gottes auf dem Berg in Samaria oder in Jerusalem stattfinden sollte. Hier wird klar, dass die Quelle des Lebens, die persönliche Beziehung zu Gott und die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit durch eine äußerliche Gottesverehrung ersetzt worden war, die mit bestimmten Ritualen, Formen und Orten verbunden war (Joh. 4,21–23). „Gott ist Geist“, sagt Jesus, „und wer ihn anbetet, muss ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Vers 24.

„Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin, und sie sind´s, die von mir zeugen. Aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“ Das sagt Jesus zu den Juden in Johannes 5,39–40. Hier sehen wir, wie weit die Juden zu Jesu Zeiten von der „Quelle” abgekommen waren. Anstatt zu Jesus zu kommen, der das lebendige Wasser in sich hatte, versuchten sie, die Quelle im geschriebenen Wort zu finden, ohne zu erkennen, dass dieses genau auf Jesus hinwies. Mit anderen Worten: Sie entschieden sich dafür, die Quelle durch eine Art Theologie zu ersetzen. Sie wollten die Quelle durch eine rissige Zisterne ersetzen und Gottes Wohlgefallen durch die Ehre der Menschen.

Jesus sagte ihnen, dass sie Gottes Wort nicht bleibend in sich hatten, weil sie weder Gottes Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen hatten (Joh. 5,37). Hätten die Juden Gottes Wort als eine Wasserquelle bleibend in sich gehabt, hätten sie diese Quelle in den Worten Jesu wiedererkannt. Durch eine lebendige Verbindung mit Gott, der Quelle selbst, können wir seine Stimme hören und seine Gestalt sehen. Wer reinen Herzens ist, wird Gott schauen (Mt. 5,8; Ps. 17,10). „Wer an mich glaubt, von dessen Leibe werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.“ (Joh. 7,38) Ein lebendiger Glaube führt zu lebendigem Wasser. Ströme der Segnungen kommen aus dem Leben der Gläubigen.

Es dauerte nicht lange nach den Tagen der Apostel, bis sich die Christenheit von der Quelle abwandte. Der Glaube erstarrte in Ritualen, Sakramenten, Lehrformen und Kirchengebäuden.

„Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“ (Ps. 1,1–3)

Jesus redet davon, dass Gottes Wort in uns bleiben soll. Gottes Wort repräsentiert seinen Willen, sein Wesen, seine Gedanken, seine Sicht und seine Visionen. Das Gleiche macht Gottes Gesetz. Das Nachsinnen über das Gesetz des Herrn wird mit einem Baum verglichen, der seine Wurzeln an Wasserbächen hat. Wenn man Gottes Gesetz und Wort als etwas verwirft, das für einen Menschen unmöglich zu halten ist, dann ist es kein Wunder, dass das Glaubensleben vertrocknet. Man wird wie ein hilfloser Mann auf dem öden Feld und sieht nichts Gutes – keine Früchte – kommen. Er wird in der Dürre der Wüste bleiben, im unfruchtbaren Land, wo niemand wohnt (Jer. 17,6). Wer aber einen lebendigen Glauben hat, wird „wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.“ (Jer. 17,8–8)

„Zu der Zeit werden das Haus David und die Bürger Jerusalems einen offenen Quell haben gegen Sünde und Befleckung.“ (Sach. 13,1) Gottes Wort und Gesetz sind eine mächtige Quelle. Wenn man davon trinkt, bekommt man einen starken Ekel vor jeder Sünde und jeder Unreinheit. Mit diesem lebendigen Wasser kam Jesus, denn es zerstört die Werke des Teufels (1. Joh. 3,8) und bringt die Früchte des Geistes bei den Gläubigen hervor (Gal. 5, 22–23).

Wenn ein Mensch nach seinen Begierden lebt, ist das, als würde er aus einer rissigen Zisterne trinken, die kein Wasser hält. Jeder, der davon trinkt, wird wieder Durst bekommen. Die Begierden des menschlichen Fleisches können nie gestillt werden. Sie werden immer nach mehr verlangen. Stell dir vor, sie ans Kreuz zu bringen und nie wieder Durst zu haben! Stattdessen bekommst du eine Quelle in dir, aus der du überall, wo du hingehst, Segen ausgießen kannst!