Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Skjulte Skatter 1938-04 - Der Hebräerbrief, Kap. 5

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Der Hebräerbrief

5. Kapitel

Jesus hatte an Fleisch und Blut Anteil bekommen wie die Kinder. Damit hatte er auch an dem Kampf Anteil bekommen, an dem die Kinder Anteil haben, nämlich an Versuchungen aller Art. Mit lautem Schreien und Bitten hat er in den Tagen seines Fleisches sein Flehen vor Gott gebracht. Die Versuchungen nach dem Fleisch waren zahlreich und stark. Wenn Jesus in diesem langwierigen Kampf in den Tagen seines Fleisches den Versuchungen auch nur das kleinste Bisschen nachgegeben hätte, dann hätte Satan Anteil an ihm bekommen und er wäre unter die Gewalt des Todes gekommen. Jesus überwand diese Gewalt des Todes, sodass er wegen seiner Gottesfurcht erhört wurde. Wir dagegen haben nicht über den Tod gesiegt. Daher heißt es, dass wir vom Tod zum Leben übergegangen sind.

Überall, wo Jesus Christus in ein Menschenherz hineinkommt und dort herrschen darf, bekommen wir an demselben Kampf und denselben Leiden Anteil. Daher heißt es: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Röm. 8, 10. Jesus kam nicht um den leiblichen Tod herum, aber sein Geist starb nicht. Dem Geist nach wurde er lebendig gemacht. Als solcher ist er zu einem zweiten Adam und zu einem Geist, der lebendig macht, geworden. Jesus musste an Fleisch und Blut Anteil bekommen, auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Hebr. 2, 14-18. Dies ist der Grund dafür, dass wir nun von der Gewalt des Todes befreit sind und aus dem Tod in das Leben gekommen sind – von der Macht Satans zu Gott.

Jesus lernte Gehorsam an dem, was er litt, und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden. Es brauchte Zeit, bis Jesus vollendet war. Während dieser Zeit hat er Bitten und Flehen mit lautem Schreien und Tränen dargebracht. Nicht nur im Garten Gethsemane betete er und litt, sondern während seines ganzen Lebens. Während dieser Gebete, dieses Flehens und dieser Siege wurde er dazu vollendet, Hohepriester zu sein. Hier wurde er Urheber der ewigen Seligkeit für alle, die ihm gehorsam sind. Und weil er in allen Dingen treu bis in den Tod war, nannte Gott ihn Hohepriester nach der Weise Melchisedeks.

V. 11. „Darüber hätten wir noch viel zu sagen; aber es ist schwer zu erklären.“

Das Leben unseres Hohepriesters auf der Erde trägt das Leben von uns, die ihm nachfolgen sollen, in sich. Jesus wurde durch Genügsamkeit und Gehorsam zum Hohepriester ausgebildet. Wenn wir dann harthörig sind, können wir das Werk unseres Hohepriesters auf der Erde nicht verstehen. Seine Tränen, Gebete und sein Flehen sind uns dann fremd. Wenn wir aber ihm, der vom Himmel redet, gehorchen, dann entsteht Kampf zwischen Fleisch und Geist, dann lernen wir den Hohepriester mit seiner Hilfe und seinem Verständnis kennen, weil er selbst im Fleisch gelitten hat und versucht wurde. Aber geistlich tiefgründige Dinge für Menschen auszulegen, die harthörig sind, ist eine schwierige Sache, obwohl man darüber eine Menge sagen könnte.

V. 12. „Und ihr, die ihr längst Lehrer sein solltet, habt es wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe der göttlichen Worte lehre und dass man euch Milch gebe und nicht feste Speise.“

Der Zeit nach hätten die Hebräer Lehrer sein sollen, aber sie waren nicht genug auf Hören und Gottesfurcht eingestellt.

Christus geoffenbart im Fleisch und gerechtfertigt im Geist gehört zum Geheimnis der Gottesfurcht und war für sie schwierig zu verstehen. Sie hatten genug Zeit gehabt, es zu verstehen, aber das äußere Ohr zur Welt hin war wirksamer als das innere Ohr zu Gott hin. Und so wurde es so, wie es wurde; sie vertrugen keine feste Speise, sondern brauchten Milch. Christus als Hohepriester und wie Gott ihn dazu gemacht hatte, war unklar für sie. Der Hohepriester ging nämlich durch den Vorhang, das Fleisch, und auf diesem neuen und lebendigen Weg kannten sich die Hebräer nicht so gut aus, dass man mit ihnen so viel darüber hätte sprechen können; denn es war zu hart, sie brauchten Milch.