Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Skjulte Skatter 1938-01 - Der Hebräerbrief, Kap. 4

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Der Hebräerbrief

4. Kapitel

V. 7-10. „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. Denn wenn Josua sie zur Ruhe gebracht hätte, wäre hernach nicht von einem andern Tag die Rede. Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen.“

Josua konnte das Volk nicht zur Ruhe bringen. Sie hätten Ruhe vor ihren äußeren Feinden bekommen können, wenn sie in allem getan hätten, was Gott und Mose ihnen befohlen hatten. Aber der Unglaube ergriff sie auch, als sie im Land waren, weshalb sie nicht vermochten, das herrliche Land zu behalten, sondern bis nach Babel weggeführt wurden.

Doch zur Ruhe von inneren Feinden, von den Lüsten im Fleisch, konnten sie mit Josuas Hilfe und Moses Hilfe nie kommen. Nur der Menschensohn, Jesus Christus, der im Fleisch geoffenbart wurde, vermochte, die inneren Feinde auszutreiben und ein reines Herz und einen reinen Sinn zu bewahren. Hier sehen wir den Unterschied zwischen dem irdischen Kanaan und dem geistlichen. Das geistliche Israel besiegt jeden Feind, den man im Licht Gottes erblickt. Alles ist möglich dem, der da glaubt. Durch Glauben ist es möglich, zu der Ruhe des Volkes Gottes zu kommen. In dieser Ruhe können auch wir ruhen von unseren Werken wie Gott von seinen. Unsere Werke als Menschen bringen uns lauter Unruhe und Schmerzen. Unsere eigenen Wege führen auf Abwege. Wenn wir aber Ruhe von unseren Werken bekommen, sodass wir vom Geist geleitet und getrieben werden, dann werden wir zu den Werken geführt, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen. Denn wir sind sein Werk, und die Werke, in denen wir wandeln sollen, sind auch sein Werk. Eph. 2, 10. Gott ruhte nicht, ehe dies alles in Ordnung gebracht war. Wenn wir durch Glauben in diese herrliche Ruhe Gottes eingehen, dann bekommen wir in Wahrheit Ruhe von all unserer Anstrengung und Mühe nach dem Fleisch. Alle Sorgen sind wie weggeblasen.

V. 11-13. „So wollen wir denn eifrig bestrebt sein, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht jemand als ein gleiches Beispiel des Unglaubens zu Fall kommt. Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben.“

Wenn wir ermahnt werden, eifrig bestrebt zu sein, in diese Ruhe einzugehen, dann hört sich das so an, als ob wir wiederum unsere eigenen Werke tun sollen. Doch das sei ferne! Wir sollen eifrig bestrebt sein, in Gottes Werke hineinzukommen. Man muss sich Mühe damit machen, in die Ruhe einzugehen. Denn das Wort Gottes, dem wir Raum geben sollen, ist lebendig und kräftig, zweischneidig und scharf. Es dringt durch und scheidet Seele und Geist. Der Feind, der Seele und Geist verbindet, wird durch dieses Schwert getötet, sodass der Geist frei wird und von dem zweiten Adam lebendig gemacht werden kann. „Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, wurde zu einem lebendigen Wesen, und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht.“ 1. Kor. 15, 45.

„Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen, und gibt um so reichlicher Gnade?“ Jak. 4, 5.

Hier kommen wir dadurch, dass wir an Gottes Wort glauben, zu einem inwendigen Trennen, das Geist und Seele scheidet, den Geist von der Seele frei macht, die sich im Blut befindet. Der Geist wird lebendig gemacht, und die Seele (das Blut) wird vom Hohepriester ins Heiligtum gebracht. Hebr. 13, 11 und 20.

Mit Eifer will Gott den Geist (Menschengeist), den er in uns wohnen ließ, zurückhaben. Daher gibt er um so reichlicher Gnade. Das Schwert des Geistes richtet die Gedanken und Sinne des Herzens. Daher müssen wir uns immer auf die Seite dessen stellen, der das Schwert führt, sodass dieses uns dem Fleisch nach durchdringen und im Innern eine Scheidung bringen kann und wir als neue Kreaturen auf dem Grund der Auferstehung vollkommen und ganz werden können.

Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, alles ist enthüllt und aufgedeckt vor seinen Augen. Ihm haben wir Rechenschaft zu geben. Er ist es, der das Schwert führt. Der Herr weiß die Opfer in unserem inneren Wesen zu finden, selbst die verborgensten.

„Nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit – schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ Phil. 2, 12-13.

Hier sehen wir wieder, dass wir auf die Weise an unserer Erlösung arbeiten sollen, dass wir uns mit Furcht und Zittern den Wirkungen Gottes zu wollen und zu vollbringen hingeben. Dass wir nicht wieder wegtreiben in unseren eigenen toten und fleischlichen Werken.

V. 14. „Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.“

Was bedeutet es, dass wir einen großen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat? Das Himmelreich ist inwendig in uns. Es besteht in Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Röm. 14, 17. Wenn Jesus die Himmel durchschritten hat, dann war das der Fall, weil er hier auf der Erde das Himmelreich in den Leib hineinbrachte. Denn in diesem liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen. Die ganze Fülle der Gottheit nahm leibhaftig in ihm Wohnung. Kol. 2, 3 und 9. Das muss es sein, durch die Himmel zu kommen. Jeder Winkel des ganzen Leibes ist gefüllt mit der Fülle Gottes. Jesus Christus ist unser Hohepriester geworden, um uns nun zu derselben gewaltigen Erlösung führen zu können – durch das Fleisch, auf dem neuen und lebendigen Weg. Lasst uns nun festhalten an dem Bekenntnis von Jesus Christus als Hohepriester, als Mittler, als demjenigen, der die Opfer in unserem inwendigen Leben auswählt.

V. 15. „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.“

Es ist gut, einen verständnisvollen Hohepriester zu haben, einen, der in allem versucht worden ist wie wir. Er litt, als er versucht wurde. Er verleugnete immer seinen eigenen Willen und setzte stattdessen den Willen Gottes ein. Dieser Wille ist daher unsere Heiligung. Wenn er nun in allem versucht worden ist wie wir und immer den Willen Gottes und nie seinen eigenen tat, dann ist es klar, dass er nie Sünde tat und dass er im Fleisch leiden musste.

Dieses Leiden wird das Leiden Christi genannt und die Gemeinschaft mit Christus in diesem Leiden nennt die Schrift die Gemeinschaft seiner Leiden. Phil. 3, 10. In diesem Leiden werden wir gleichgestaltet mit Christus in seinem Tod. Dieses Leiden und dieser Tod sind jedoch wenig bekannt unter den Christen, weil man dies erst durch Gehorsam gegenüber dem Geist und dem Wort versteht, in Kampf und Sieg über die Lüste im Fleisch. Hier tritt die Erkenntnis von Christus geoffenbart im Fleisch zutage, in Wahrheit ein großes Geheimnis der Gottesfurcht, von dem die oberflächlichen Christen glauben, dass sie Gott und Menschen einen Gefallen tun, wenn sie es unter ihren Füßen zertreten. Doch sie werden selbst aufgrund ihres Unglaubens unter den Füßen zertreten werden.

Dieses „doch ohne Sünde“ bedeutet ohne Missetat. Er bestand seine Prüfung ohne zu sündigen.

V. 16. „Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.“

Hier ist die Gnade angebracht: Gnade und Hilfe zur rechten Zeit, um über die Sünde zu siegen. Das ist sinnvoll. Aber dieses „Sünde und Gnade“ ist ja nur geeignet, den Menschen in der Sünde zu bestärken, mit der man dann nie fertig wird. Daher heißt es: „Und ihrer Sünden und ihrer Missetaten will ich nicht mehr gedenken. Wo aber Vergebung der Sünden ist, da geschieht kein Opfer mehr für die Sünde.“ Hebr. 10, 17-18.

Der nächste Vers zeigt den Weg auf: „Da wir nun, ihr Brüder, kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit haben zum Eingang in das Heiligtum, den er uns eingeweiht hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt, durch sein Fleisch, und da wir einen großen Priester über das Haus Gottes haben, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in völliger Gewissheit des Glaubens, durch Besprengung der Herzen los vom bösen Gewissen und am Leib gewaschen mit reinem Wasser.“

Dies heißt, Gnade zu finden und so Hilfe zu erfahren zur rechten Zeit „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.“ Tit. 2, 11-12.

Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr. Der Stolze und weltlich Gesinnte bekehre sich in Wahrheit. Zu einer solchen Bekehrung wird er in Wahrheit Gnade bekommen. Wenn man jedoch weiterhin stiehlt, weiterhin eitel und weltlich gesinnt ist, dann sündigt man und missbraucht die Gnade, und der Gottesdienst des Menschen ist vergeblich. Die Bekehrung ist falsch, man kann sich nicht berufen auf: „Sünde und Gnade“ und dies damit begründen, dass die Gnade nicht rechtzeitig zur Hilfe wird.