Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Skjulte Skatter 1937-08 - Der Hebräerbrief, Kap. 2

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Der Hebräerbrief

2. Kapitel

Vers 11. „Denn weil sie alle von einem kommen, beide, der heiligt und die geheiligt werden, darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen.“

Gott hat das Ganze niederschwellig angesetzt, damit wir imstande sein sollten, das ewige Leben zu ergreifen. Seinen eigenen Sohn, Jesus Christus, hat er uns als einen Bruder unter Brüdern gegeben, und er hat ihn zu einem zweiten Adam gemacht, zu einem Geist, der lebendig macht. Wir kommen alle von ein und demselben Vater, dessen Liebe uns alle durchdringt und alle zu sich zieht. Jesus tat für seine Jünger den Vater kund und dasselbe tut er nun als Mittler. Wir stehen auf verschiedenen Stufen, daher ist der Mittler nicht nur für einen; aber Gott ist einer. Er erreicht uns alle durch den Mittler. Er hat Verbindung zu uns allen durch den Sohn.

V. 14-15. „Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hatte er gleichermaßen daran Anteil, auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten.“

Wenn Jesus nicht Anteil an Fleisch und Blut gehabt hätte, hätte er uns, die daran Anteil haben, nicht helfen können. Doch nun bekam er Anteil an Fleisch und Blut, und durch den Tod konnte er Satans Kopf zermalmen, der nach dem Sündenfall seine Macht im Fleisch hatte. Die meisten Menschen befinden sich weiterhin im Tod, weil sie nicht glauben. Daher herrscht weiterhin Satans Macht in ihnen. Nun haben wir eine ganze Reihe von Christen, die glauben, dass dies eine lästerliche Rede sei, dass Jesus wie wir an Fleisch und Blut Anteil bekam. Sie meinen, dass er Fleisch und Blut wie Adam vor dem Fall hatte. Doch was könnte uns das helfen, die wir Erlösung nach dem Fall brauchen? Es gab vor dem Fall wohl auch niemanden, der aus Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knecht sein musste, sodass er nun durch Jesu Offenbarwerden im Fleisch Erlösung bräuchte? Alles, was keine göttliche Offenbarung ist, fällt auf den zurück, der es gesagt hat. Denn die Schrift ist keine Sache eigener Auslegung, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben die heiligen Menschen Gottes geredet. Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. Wenn ein Mensch in bewussten Sünden lebt, dann ist es ja für ihn unnötig, Klarheit über Christus geoffenbart im Fleisch zu bekommen. Er kommt lange mit „Sünde und Gnade“ aus, von dem wir so unendlich viel gehört haben und was nie zu einem Überwinderleben führt.

Wer durch das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, das Gesetz der Sünde und des Todes überwinden soll, muss notwendigerweise Licht über Christus geoffenbart im Fleisch haben und darüber, dass Gott die Sünde in Jesu Fleisch verdammte und dass Jesus der Sünde starb, um alle zu erlösen, die im ganzen Leben Knechte sein mussten. Röm. 8, 1-3.

V. 16. „Denn er nimmt sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an.“

Abraham lebte viele hundert Jahre nach dem Sündenfall. Seiner Kinder nimmt Gott sich an. Jesus nahm keine Engelnatur an, auch nicht die von Adam vor dem Fall. Abraham war ein gottesfürchtiger Mann in sündigem Fleisch und er wartete auf die Erlösung durch die Stadt, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Menschen, die diese Gesinnung haben – trotz ihres sündigen Fleisches – sind in Wahrheit Abrahams Kinder. Niemand anderes bekommt Offenbarungen über das große Geheimnis der Gottesfurcht „Christus geoffenbart im Fleisch“. 1. Tim. 3, 16. Dass dies ein Geheimnis der Gottesfurcht ist, sagt uns deutlich, dass dieses Geheimnis nur gottesfürchtigen Menschen aufgetan wird. Sie haben dafür Gebrauch. Hier helfen keine theologischen Studien. Es zeigt sich nämlich, dass Menschen mit all ihrer Theorie im Neuen Testament ganz außerhalb und weit weg von Christi Geheimnissen sind, während ungelehrte Menschen mit Leichtigkeit die Unterweisung des Geistes erfassen. Woher kommt nun das??? Wie hoch doch die geistliche Priesterschaft die irdische überragt!

V. 17. „Daher musste der Sohn in allem seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes.“

Hier auf der Erde in Fleisch und Blut bekam Jesus seine hohepriesterliche Ausbildung. Hier hatte er einen Eigenwillen zu besiegen. Joh. 6, 38. Hier auf der Erde litt er den Tod nach dem Fleisch, er litt, als er versucht wurde. Das tat er, um uns zu Hilfe zu kommen, wenn wir versucht werden. Denn er ist selbst durch das Fleisch vorausgegangen und kann daher Gnade geben zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

V. 18. „Denn da er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.“

Ist das schwierig zu verstehen? Nein, es ist ganz einfach. Aber man muss es durch Glauben verstehen, denn der Unglaube versteht sich auf nichts.

Er hat selbst gelitten und ist versucht worden wie wir, daher ist er ein treuer Hohepriester und kann mitleiden mit uns. Ein Mann, der nie selbst in etwas geprüft wurde, kann nicht jemandem in Prüfungen helfen. Wenn Jesus wie Adam vor dem Fall gewesen wäre, wäre er nicht versucht worden wie wir. Adam vor dem Fall kannte nicht den Unterschied zwischen Gut und Böse. Doch die Schrift sagt dies nicht. Sie sagt: „Daher musste er in allem seinen Brüdern gleich werden.“ Wir haben uns nach Gottes Wort zu richten und nicht nach menschlichen Fabeln. Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man nicht sieht, und durch Glauben verstehen wir.

Unglaube hat jedoch auch sein Verständnis: Zu Jesu Zeit wurden die Pharisäer und die Schriftgelehrten rasend, wenn Jesus von sich selbst sagte, dass er „Gottes Sohn“ war. Genauso wird man heute rasend, wenn wir sagen, dass er „Menschensohn“ war. Aber der Glaube weiß sowohl früher als auch heute den Weg. Und gegen diesen Glauben ruft die Menge immer: „Kreuzige, kreuzige!“ Genau dies ist die Trennung zwischen Unglaube und Glaube. Und von wem wurde die Menge gegen Christus aufgestachelt, als er lebte? Waren es nicht die Schriftgelehrten und die Pharisäer? Es gibt nichts Neues unter der Sonne, dasselbe geschieht heute. Die Sünden des Volks sind der Lebensunterhalt der Priester. Doch in 1. Joh. 3, 8 heißt es: „Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ Und die Werke des Teufels werden zerstört, wenn wir tun, wie Gottes Wort sagt: Täglich das Kreuz aufnehmen.