Denke selbst
„Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde?“
Ja, hier geht man leider meistens bedauerlich in die Irre. Ein Sünder, der dem Geiz verfallen war und durch die Gnade Gottes errettet wurde, soll er nun weiterhin geizig sein? Ein anderer war der Eitelkeit verfallen, soll er nun weiterhin eitel sein? Diejenigen, die allen möglichen Lüsten des Fleisches verfallen waren, sollen sie damit weitermachen? „Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind? Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.“
Diejenigen, die auf Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft, das heißt: der Sünde gestorben. Und was ist Sünde? Sünde ist Unrecht. Der Apostel spricht hier zu erwachsenen, bewussten Wesen, die Unrecht tun können. Er redet nicht zu Säuglingen, die nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden können. Sie haben ja kein altes Leben hinter sich, und es ist ihnen auch nicht bewusst, dass sie in einem neuen Leben wandeln sollen. Sie können ja auch nicht den Bund eines guten Gewissens mit Gott eingehen; denn weder Gott noch Menschen gehen einen Bund mit unbewussten Wesen ein. Sie können auch nicht in der Sünde beharren, und es ist ganz und gar überflüssig, sie zu ermahnen, nicht darin zu beharren. Zu solchen Säuglingen von Sünde und Gnade zu reden, muss ja der reine Wahnsinn sein.
„Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.“
Es ist eine Glaubenssache, Christus in seinem Tod gleichzuwerden. Dieser Glaube ist das entscheidende Fundament für ein siegreiches Leben. Wir sind also mit Christus auferstanden, und auf dem Grund der Auferstehung wandeln wir in einem neuen Leben, indem das Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden durch Glauben mit Ihm am Fluchholz gekreuzigt ist. Hier wird diese ständige Rede von Sünde und Gnade ausgeschlossen, die nichts anderes bedeutet, als auf Gnade zu sündigen. Wir haben Erfahrung darin: Wenn Menschen zum Glauben daran gekommen sind, dass es möglich ist, ein nach dem Fleisch gekreuzigtes Leben zu leben, dann sind sie sehr glücklich geworden und freuen sich in einem neuen Leben auf dem Grund der Auferstehung. Diese verhexte Lehre über Sünde und Gnade hüllt Menschen in Unglauben ein, und man kommt nie aus dem Netz Satans und aus der Finsternis heraus. Was der Apostel schreibt, führt zu etwas anderem: „«Das ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen», spricht er: «Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn will ich es schreiben, und ihrer Sünden und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken.» Wo aber Vergebung der Sünden ist, da geschieht kein Opfer mehr für die Sünde.“ Hebr. 10, 16-18.
Es ist ja selbstverständlich so, dass man am Tag siebzigmal siebenmal sündigen und dennoch Vergebung bekommen kann. Doch jeder, der so lebt, liebt seine Lüste mehr als Gott und kommt nie zu einem Überwinderleben. Im Übrigen glaube ich nicht, dass jemand siebzigmal siebenmal am Tag sündigt und ebenso viele Male um Vergebung bittet. Er würde dessen bald müde werden und sich nach einer besseren Lebensweise umsehen.
Diese Lehre auf Säuglinge anzuwenden, ist ganz verrückt. Was ist also zu tun? Sollen wir andere für uns denken lassen und uns das völlig Unmögliche einreden lassen? Sollen wir Leute anstellen, damit sie uns jahrein, jahraus von Sünde und Gnade predigen, und sie dafür gut bezahlen, oder wagen wir die Dreistigkeit, selbst zu glauben und zu denken? Die Hirten müssen allezeit die Verantwortung dafür übernehmen, was sie den Menschen predigen, und diese sollten um ihrer selbst willen und um der Menschen willen zusehen, dass sie in die Freiheit Christi hinein und zu Sieg über die Sünde kommen, sodass sie tüchtig werden, andere zu lehren.
Die Schriftgelehrten kreuzigten Jesus Christus aus Neid. Dasselbe wiederholt sich zu allen Zeiten. Aber bei Gott ist kein Ansehen der Person. Er nimmt sich eines jeden an, der die Wahrheit liebt und von Herzen aufrichtig ist. Daher wollen wir sagen:
„Basans Ochse, wirf nun von dir Nebeldunst und Lasten schwer! Deine Hirten, jag sie von dir, irr mit ihnen nicht umher! Sie nicht außerhalb der Schranken wagen Worte noch Gedanken, Bitt’res Wasser gießen aus, doch Labsal gibt nur Gottes Haus.“ Wege des Herrn Nr. 309, 4. Strophe. Suche die Gnade, durch die du rechtzeitig Hilfe bekommst, dann brauchst du nicht auf Gnade zu sündigen. Hebr. 4, 16.
