Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1942-02 - Jünger

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Jünger

„Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.“ Lk. 14, 26.

Beachte: „kann nicht mein Jünger sein.“ „Wenn jemand zu mir kommt.“ Es ist also möglich, zu ihm zu kommen, ohne sein Jünger zu werden. Es ist möglich, seine Sünden vergeben zu bekommen, ohne über die Sünde zu siegen, und das trifft auf die allermeisten Christen zu. Doch Jesus sündigte nicht. Niemand konnte ihn einer Sünde überführen. Aber religiöse Menschen kann man leicht der Sünde überführen. Viele von ihnen lügen, bezahlen ihre Schulden nicht, sind hochmütig, verleumden ihren Nächsten, sind parteiisch usw. Niemand von diesen kann wie Paulus sagen: Folge mir nach, wie ich Christus nachfolge.

Die Jünger dagegen haben sich zum Ziel gesetzt, ihrem Meister nachzufolgen. Sie haben ein aufmerksames Ohr für die Wegleitung des Geistes, und hassen alle wohlgemeinten, aber menschlichen Ratschläge von Vater, Mutter, Geschwistern, Ehefrau und Kindern. Ja, sie hassen sogar ihr eigenes Leben in dieser Welt und leben daher in einem stetigen Sich-selbst-richten. Auf diese Weise siegen sie über die Sünde und Satan. Sie haben dieses Glück, sich allezeit in der Freiheit Christi rein zu bewahren.

„Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“

Jeder Mensch hat die Neigung, lieber zu sündigen als zu leiden. Wenn man dann während seiner Wanderung im Leben etwas Verkehrtes getan hat, dann fällt es am leichtesten, seine Ehre mit einer sogenannten Notlüge zu retten. Nun ist es aber so, dass wir keine Ehre durch Notlüge zu verteidigen haben, denn denen, die glauben, gehört die Ehre. Und wir glauben in unserem Herzen, dass wir, jeder mit seinem Nächsten, die Wahrheit reden sollen. Folgen wir nun diesem Weg des Glaubensgehorsams, dann nehmen wir das Kreuz auf uns und werden Jesu Jünger. Das gilt für unser Verhältnis zu aller Sünde, und ohne diese radikale Einstellung können wir die Sünde nicht besiegen und sein Jünger sein.

„Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen, damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen über ihn zu spotten und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen?“

So geht es mit Tausenden von Christen. Sie haben im Geist angefangen und vollendeten im Fleisch. Sie fingen an, Christus zu bekennen, und freuten sich in den Erweckungsversammlungen. Aber sobald sie in den Alltag kamen, bemerkten ihre Kameraden, dass sie bei entsprechenden Gelegenheiten logen, verleumdeten, Dinge mitgehen ließen, usw. Und die Kameraden sagten zueinander: „Der will ein Christ sein“, und sie verspotteten ihn. Dieser Mann hatte die Kosten nicht überschlagen und war selbstverständlich kein Jünger Jesu Christi.

„Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen anderen König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit zwanzigtausend? Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.“

Christentum ist Kriegsdienst. Man muss sich hinsetzen und berechnen, ob man mit zehntausend Mann einen König, der einem mit zwanzigtausend Mann entgegenkommt, überwinden kann. Wenn man beim Berechnen herausfindet, dass man sich nicht in der Lage sieht zu siegen, schickt man eine Gesandtschaft und bittet um Frieden. Das wird ein unheilvoller Friede. Das war nicht der Friede, den Jesus seinen Jüngern geben wollte; denn er besiegte die Sünde, Satan und das ganze Geisterheer der Bosheit unter dem Himmel allein. Er trat die Kelter allein, und niemand war mit ihm.

Daher kann niemand sein Jünger sein, ohne dass er sich lossagt von allem, was er hat. In Hebr. 10, 34 steht geschrieben: „Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und den Raub eurer Güter mit Freude erduldet, weil ihr wisst, dass ihr eine bessere und bleibende Habe besitzt.“

Man kann zu Jesus kommen, um seine Sündenbürde loszuwerden, das ist fast angenehm; doch von den Jüngern wird einiges mehr verlangt. Sie müssen sich von allem lossagen, was sie haben. Damit ist nicht gemeint, dass man alles, was man besitzt, nach Ost und West verteilen soll; sondern dass alles, was man besitzt, den Wirkungen und der Leitung des Geistes zur Verfügung stehen soll, sodass nichts über uns kommt, wofür wir die Kosten nicht überschlagen haben. Dann können wir, wie in Hebr. 10, 34 erwähnt ist, den Raub unserer Güter mit Freude erdulden.

Wenn wir alle diese Berechnungen gemacht haben und herausgefunden haben, dass wir die Prüfung bestehen können, dann sind wir in Wahrheit ein Jünger Jesu Christi.