Der große Weingärtner
„Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.“ Joh. 15, 1-2.
Eine jede Rebe an mir, an Jesus Christus, im Leib Christi, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen. Wer nimmt diese Rebe weg? Der Weingärtner, der Vater Jesu Christi. Daran sehen wir, dass der Vater über dem Leib Christi, über seinen Gliedern hier auf der Erde, wacht. Es ist also nicht genug, dass man still und ruhig lebt; man soll Frucht bringen. Wenn nicht, wird man abgehauen. Was heißt dies nun, Frucht zu bringen? Das heißt, dass man Werke haben muss, die der Geist gewirkt hat, Frucht des Geistes, welche Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit ist; gegen all dies ist das Gesetz nicht. Gal. 5, 22-23.
Auf diese Weise wird man rein und heilig innerhalb des Leibes Christi bewahrt und bringt Frucht. Doch die Rebe, die Frucht bringt, wird der Weingärtner reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Wie geht das vor sich? Dies geschieht dadurch, dass sie in allerlei Versuchungen und Bedrängnissen geprüft wird. Sieh, was der Apostel Paulus hierüber sagt:
„Denn ich denke, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen.
Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet.“ 1. Kor. 4, 9-16.
Beachte, dass es in Christus war, dass die Apostel Narren um Christi willen waren, sie waren schwach und verachtet.
Der große Weingärtner reinigte auf diese Weise seine Apostel, dass sie mehr Frucht bringen sollten. Und so handelt er in seiner Gemeinde bis auf den heutigen Tag. Alle Schmach kommt über die Reben, die Frucht bringen. Auf diese Weise wird wahr, was geschrieben steht: Über der ganzen Herrlichkeit wird eine Decke sein.
„Niemand betrüge sich selbst. Wer unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, der werde ein Narr, dass er weise werde. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott. Denn es steht geschrieben: «Die Weisen fängt er in ihrer Klugheit», und wiederum: «Der Herr kennt die Gedanken der Weisen, dass sie nichtig sind.»“ 1. Kor. 3, 18 ff.
Ob diese Gedanken theologischer Art sind, spielt keine Rolle. Sie sind und bleiben nichtig, und man trägt keine Frucht und wird nicht gereinigt.
Dann kommen wir zu den Reben, die keine Frucht bringen und im Begriff sind, weggenommen zu werden. 1. Kor. 4, 10 ff.
Diese sind klug in Christus. Beachte: in Christus. Sie wissen so viel, sie sind erleuchtet und schlagen mit Schriftstellen um sich, um ihr Gegenüber zu widerlegen und in die Enge zu treiben. Der Geistliche schweigt und sieht richtig töricht und unwissend aus.
„Ihr seid stark.“ Sie behaupten in ihrer Erkenntnis das eine nach dem anderen, ihre Stärke ist groß und sie lächeln und ergehen sich in der Befriedigung ihres Fleisches. Nicht so der Geistliche. Er ist schwach, denn er weiß, dass die scheinbare Stärke im nächsten Augenblick vor Gottes Kraft verschwindet. Denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.
Ihr seid herrlich, wir aber verachtet.
Der äußere Mensch bewundert das Äußere und verehrt die Klugen, Starken und die, die reich an Erkenntnis in Christus sind. Bei ihnen waren sie geehrt. Sie waren schlechte Richter. Sie sahen falsche Apostel höher an als die Apostel Christi. 2. Kor. 11, 13. „Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi. Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts.“ V. 14.
Unter solchen Aposteln konnten sich die Reben schnell in die Richtung entwickeln, keine Frucht zu bringen, und der große himmlische Gärtner behielt im Auge, wann sie abgeschnitten werden sollten.
Es ist gefährlich, von den Dienern wegzukommen, die Gott in der Gemeinde eingesetzt hat, damit die Heiligen vollkommen zugerüstet werden. Wenn diese Diener vom himmlischen Gärtner den Auftrag erhalten haben, eine Rebe zu reinigen, dann sollte man dies ertragen; denn es ist zum Nutzen der Rebe, dass sie mehr Frucht bringe. Lass nicht zu, dass solche Werkzeuge in deinen Augen Narren werden; dadurch würdest du selbst Verlust erleiden. Denn sie haben selbst durch die Reinigung gehen müssen, um Frucht bringen zu können.
Unter den zehntausend Lehrmeistern gibt es nur wenige Väter.
