Der Hebräerbrief
11. Kapitel
V. 1. „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“
Gesegneter Glaube! Das ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Unglaube ist Chaos. Das Gedankenleben bewegt sich holterdiepolter und ohne Gesetz über alle Probleme dahin. Aber Glaube ordnet alle Verhältnisse. Völlige Gewissheit in der Hoffnung stellt die ganze Lebensrichtung des Menschen auf die ewig seligmachenden Werte ein, ebenso wie sich die Kompassnadel nach den magnetischen Polen ausrichtet. Es gibt nur einen Glauben und eine Hoffnung, beide in ein und demselben Geist, dem Geist der Wahrheit. Lüge gibt es nicht in diesem Glauben, in dieser Hoffnung und in diesem Geist, deren Anker sich auf sicherem Grund innerhalb des Vorhangs befindet, dort drinnen im Allerheiligsten. Dieser Anker löst sich nie, denn die Cherubim Gottes wachen über ihm Tag und Nacht. Und keine Sünde noch ein sündiger Mensch oder ein böser Geist haben Zugang zu Gottes Heiligtum. Aus diesem Grund ist Glaube volle Gewissheit dessen, was man hofft. Gesegnete Hoffnung, deren Anker in ein Reich und auf einen Grund herabgelassen ist, der unerschütterlich ist.
Unglaube ist Unrecht wie die Sünde selbst. Daher empfindet man es so schmerzhaft, mit ungläubigen Menschen zu sprechen. Torheit und Gesetzlosigkeit werden hochgehalten, d. h. man redet mit einer Überzeugung und Kraft, als ob es Realitäten wären, doch es ist nur Lüge, da der Glaube fehlt.
V. 2. „Durch diesen haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten.“
Warum bekamen die Alten ein gutes Zeugnis durch den Glauben? Eben deshalb, weil sie im Glauben wandelten, und es ging ihnen sehr gut. Durch Glauben bewegten sie sich innerhalb der Gesetze der Gerechtigkeit, innerhalb der Unsträflichkeit und innerhalb des Segens. Dies gab ihnen ein gutes Zeugnis. Sie hielten fest an dem Unsichtbaren, an ihm, den man nicht sehen kann. Und sie fanden ihn, indem sie ihn im Gesetz des guten Gewissens suchten.
V. 3. „Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.“
Durch den Glauben erkennen wir!!! Aber durch Unglauben erkennen wir nichts. Der Glaube setzt sich in Verbindung mit Gott. Der Glaube nimmt den ganzen Menschen in seinen Dienst; denn mit dem Herzen glaubt man und vom Herzen geht das Leben aus. Mit erleuchteten Augen des Herzens kann man erkennen, was man nicht sieht, und ein geöffnetes Ohr kann hören, was das natürliche Ohr nicht hören kann. Daher ist das hörende Ohr des Herzens der rechte Richterstuhl. Jesus richtete nicht nach dem, was seine Augen sahen oder seine Ohren hörten; sondern er richtete gerecht. Er richtete nach dem Unsichtbaren, und das wird auch Gott an jenem Tag tun; er wird nach dem Verborgenen in den Menschen richten, nach den Motiven für ihre Handlungen. Durch Glauben verstehen wir dies alles.
Dass die Welt durch Gottes Wort geworden ist, verstehen wir durch Glauben. Wie das? Wir verstehen es auf die Weise, dass all das Sichtbare aus dem Unsichtbaren entstanden ist. Alles auf der Erde, was sichtbar ist, hat seine Wurzeln im Unsichtbaren; denn alle Dinge sind durch Christus und zu ihm geschaffen. Daher redete Jesus in Gleichnissen (in äußerlichen Bildern) zum Volk, um ihre Gedanken wenn möglich zu den unsichtbaren Kräften hinzuleiten, die zugrunde lagen. Dies tat er, um Glauben in ihnen zu wecken. Doch die meisten verstanden ja nicht einmal die natürlichen Dinge, wie sollten sie dann die geistlichen verstehen? Obwohl die Menschen die Voraussetzungen in sich haben, Götter zu werden, werden viele von ihnen wie Teufel, indem sie sich von bösen Geistern und ihren eigenen sündigen Lüsten leiten lassen.
Es gibt einen Vorhang zwischen Glaube und Unglaube. Dieser muss von obenan nach untenaus zerrissen werden, dann wird man erstaunliche Dinge in Gottes Gesetz und Wesen zu sehen bekommen. Die Natur kann die Natur nur so weit erklären, wie sie imstande dazu ist. Dies ist Wissenschaft. Doch Christus ist Gottes Weisheit, wodurch alle Dinge geworden sind. Daher kann ein Wissenschaftler mit seiner Naturwissenschaft, die er sich durch Studien und Experimente angeeignet hat, nicht Gott in seiner Weisheit begreifen – den Unsichtbaren, von dem alles Natürliche notwendigerweise herkommen muss. Hier ist der Vorhang, den alle Wissenschaftler der Welt nicht geschafft haben zu sprengen. Deswegen sagt Brorson:
Wenn Könige auch träten an
Mit ihrer Macht und Stärke,
Doch nie ein Pflänzchen wachsen kann
Durch ihrer Hände Werke.
Die schöpferische Macht und das Wachstum hat Gott sich selbst vorbehalten, es wurde keinem Menschen überlassen. Und warum? Ja, das verstehen wir durch Glauben!!!
