Der Hebräerbrief
10. Kapitel
Der Apostel ermahnt hier alle diejenigen, die auf dem neuen und lebendigen Weg wandeln, unerschütterlich festzuhalten am Bekenntnis der Hoffnung, die hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang. Denn es gibt nur eine Hoffnung. Und er ist treu, der die Verheißung gab.
Während wir jetzt gemeinsam auf dem Weg sind, so lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Das ist das Gegenteil davon, auf dem Weg miteinander zu zanken.
Und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen.
Welche Versammlung ist hier gemeint? Natürlich die Versammlung, zu der er die ganze Zeit redet, nämlich die Versammlung, die auf dem neuen und lebendigen Weg wandelt. Wo sollen wir diese finden? Das wird wohl genauso schwierig, wie auf das Reich Gottes zu zeigen, auf das man nicht zeigen kann. Wenn du glaubst, diese Versammlung gefunden zu haben, dann irrst du dich, denn diese besteht nur aus den einzelnen Personen hier und dort, die im Licht wandeln und sich selbst richten. Verlasse diese Versammlung nicht, diese Gemeinschaft im Heiligen Geist mit dem Vater, dem Sohn und all den Heiligen.
Die Apostel hatten viele Gemeinden, aber nur die Einzelnen wandelten gerecht und lebten ein Überwinderleben. Verlasse nicht die Versammlung, in der die Verkündigung zum Ziel führt. Das ist deine Versammlung. Tue dies, denn der Tag naht.
V. 26-27. „Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt hinfort kein Opfer mehr für die Sünden, sondern ein schreckliches Warten auf das Gericht und ein wütendes Feuer, das die Widersacher verzehren wird.“
Der Wille Gottes ist unsere Heiligung. Durch diesen Willen können wir auf dem neuen und lebendigen Weg vorangehen und an Gottes Reich mit all seinen Herrlichkeiten Anteil bekommen. Dieses Reich besteht nicht nur in Worten, sondern in Kraft, in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Gott ist unendlich gnädig und barmherzig, der uns für ein solches Reich erwählt hat, das hoch über allen Weltreichen hier auf der Erde ist.
Hat jemand dann die Wahrheit kennengelernt, dieses herrliche Reich kennengelernt und wendet sich dann ab von dem, der vom Himmel redet, und sündigt vorsätzlich, dann wird man einem grauenvollen Urteil und einem wütenden Feuer begegnen, das den Widerspenstigen verzehren wird. Dann wird man aus dem Reich hinausgeworfen, das keine Sünde erträgt. Denn wenn wir nach dem Fleisch leben, werden wir sterben. Doch die Worte, die zu Gottes Reich gehören, sind Geist und Leben.
V. 28-29. „Wenn jemand das Gesetz des Mose missachtet, muss er sterben ohne Erbarmen auf zwei oder drei Zeugen hin. Eine wie viel härtere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Bundes für unrein hält, durch das er doch geheiligt wurde, und den Geist der Gnade schmäht?“
V. 31. „Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“
V. 32-39. „Gedenkt aber der früheren Tage, an denen ihr, die ihr erleuchtet wurdet, erduldet habt einen großen Kampf des Leidens.“
Wenn das Licht zu uns kommt, dann entsteht ein großer Kampf des Leidens. Direkt gegen das Fleisch mit all seinen Lüsten anzugehen, ist keine Kleinigkeit. Die Hebräer hatten um ihres Glaubens willen Spott und Trübsal erlitten und nun ermahnt der Apostel sie, daran zurückzudenken und nicht müde zu werden.
Werft eure Freimütigkeit nicht weg, die eine große Belohnung hat. Die Freimütigkeit nutzt die Gelegenheit, die sonst so leicht an uns vorbei geht, wodurch auch die Belohnung ausbleiben würde. Hier muss man wachen, sodass man am richtigen Ort und zur richtigen Zeit tätig werden kann.
„Denn standhaftes Ausharren tut euch Not, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung erlangt.“
Beachte: Nachdem ihr den Willen Gottes getan habt. Dieser soll also getan werden. Und wenn wir diesen getan haben, dann sollen wir geduldig auf das warten, was uns verheißen ist. „Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.“ Lk. 8, 15.
Die Geduld führt zu vollkommenem Werk. Jesus ist geduldig mit uns, und diese Geduld sollen wir für unsere Rettung erachten, sagt Petrus. Und er lobt Paulus, der hiervon mit Weisheit in seinen Briefen geschrieben hat. 2. Petr. 3, 15-16.
Das Wort der Geduld bewahrt uns vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen. Offb. 3, 10. Geduldig zu sein ist dasselbe wie eine bestandene Prüfung.
V. 38. „Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm.“
Hier ist der ständige Wandel im Gehorsam gegenüber dem Glauben gemeint – vorwärts auf dem Weg des Lichts. Wenn sich jemand diesem Wandel entzieht, hat Gott kein Gefallen an ihm. Dies ist „der Weg Gottes“, dem überall widersprochen wird. Und doch gibt es keinen anderen Weg. Selig ist jeder, der Gottes ziehende Stimme hört und auf diesem Weg wandelt.
„Wir aber sind nicht solche, die zurückweichen und verdammt werden, sondern solche, die glauben und die Seele erretten.“
