Ein apostolischer Kampf
Die Kolosser hatten viel von Gott bekommen. Sie waren gelehrt von Epaphras, dem treuen Diener Christi. Kol. 1, 7 und 4, 12-13. Trotzdem sagt Paulus: „Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben.“ Kol. 2, 1. Wenn die Kolosser nun heilige und gläubige Brüder waren, die Liebe zu allen Heiligen hatten, wie konnte der Apostel dann Kampf um sie haben? Die Gestalt der Lehre war ihnen überliefert, aber dennoch fehlte etwas. Und das geht aus seinem Gebet für sie hervor, Kap. 1, 9: „Dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, damit ihr des Herrn würdig wandelt und ihm in allem wohlgefällig seid: in jedem guten Werk fruchtbar und in der Erkenntnis Gottes wachsend.“
So ist es auch in der Gemeinde in unseren Tagen. Die Gestalt der Lehre kann richtig sein, ohne dass man ihr gehorsam ist, und so kommt man nie zu allem Reichtum an Gewissheit und Verständnis.
Wenn der Modellbauer die Form mit all ihren vorgesehenen Ventilen, Bögen und Verbindungen gemacht hat, wird sie in die Gießerei geschickt, um gefüllt zu werden. Das Roheisen wird geschmolzen und die glühende Masse in die Form gegossen. Alle Ecken und Winkel müssen gefüllt werden. Danach folgt das Abdrehen und Putzen.
So geht es auch mit uns, wenn wir neue Geschöpfe in Jesus Christus werden sollen. Die Form soll mit guten Werken gefüllt werden, das Unreine soll hinausgetrieben werden. Das ist für Fleisch und Blut wie eine glühende Masse. Das ist das Feuer, das Jesus auf Erden anzünden wollte. Wenn die Geldliebe aus der Form hinausgetrieben werden soll und Freigiebigkeit sie füllen soll, dann bekommen wir Teil an den Leiden Christi; ebenso, wenn Zorn, Aufbrausen, Stolz usw. hinausgetrieben und durch Sanftmut, Geduld und Demut ersetzt werden sollen.
Dafür führte Paulus einen großen Kampf. Wenn das geschieht, dann werden wir zusammengefügt in der Liebe und gelangen zu allem Reichtum an Gewissheit und Verständnis, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist.
Ungehorsam gegenüber der Gestalt der Lehre bringt Stillstand und einen schlechten Wandel in Gottes Gemeinde. Wir sollen nach dem Bild Christi ausgebildet werden und gestärkt werden mit aller Kraft durch seine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut.
Wenn der Modellbauer einen noch so kleinen Fehler an der Form gemacht hat, indem er z. B. ein Ventil auf die rechte Seite gesetzt hat, die nach der Zeichnung links hätte sein sollen, dann ist der ganze Guss unbrauchbar. Der Modellbauer muss die Schuld tragen und alles noch einmal machen. Der Lohn vieler Tage und viel Arbeit sind der Werkstatt verlorengegangen.
Die Verkündiger des Wortes haben eine große Verantwortung, wenn sie sich als Lehrer betätigen. Machen sie den kleinsten Fehler in der Form, wird alles unbrauchbar. Nichts darf hinzugefügt werden, und nichts darf weggelassen werden – vollkommene Treue und Genauigkeit in allen Stücken.
Lies Eph. 1, und du wirst sehen, dass es bei den Ephesern genauso war. Ihnen fehlte der Geist der Weisheit und der Offenbarung. Sie hatten keine erleuchteten Augen des Herzens, obwohl sie Glauben an den Herrn Jesus und Liebe zu allen Heiligen hatten.
Hieraus wird deutlich, dass es noch weit ist, bis wir zu Christus als Haupt über alle Mächte und Gewalten gelangen, zu ihm, in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt. Kol. 2, 9.
Mögen wir daher als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld anziehen! Kol. 3, 12.
Damit soll die Form der Lehre gefüllt werden, und das Gegenteil soll hinausgetrieben werden. Dafür hatte der Apostel einen großen Kampf. Und das ist leicht zu verstehen. Eine Predigt zu halten ist verglichen mit diesem Kampf für nichts zu achten. Er kann als apostolischer Kampf bezeichnet werden, und wer ist tüchtig zu diesem uneigennützigen Kampf? Ich will euch von diesem Kampf wissen lassen, sagt Paulus. Und es wäre gesegnet, wenn auch Gottes Gemeinden in unseren Tagen diesen großen Kampf verstehen würden.
