Das Heiligungskapitel

Röm. 7

„Denn ich rede mit denen, die das Gesetz kennen.“ Wer kennt denn das Gesetz? Natürlich niemand anderes als die, die durch den Leib Christi dem Gesetz getötet sind. Der Leib Christi macht frei vom Gesetz. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass ich mit einem Geist getauft bin, um ein Leib mit ihm zu sein. Christi Leib wurde in der Kraft eines ewigen Geistes geopfert. Wenn ich nun in diesen Leib eingepfropft bin, dann werde auch ich durch Gehorsam in der Kraft des Geistes Jesu Christi geopfert. Denn der irdische Leib Christi ist gekreuzigt.

Denn solange wir im Fleisch waren (Vergangenheit), da wirkten die sündigen Leidenschaften, sodass wir dem Tod Frucht brachten. Nun aber sind wir vom Gesetz frei geworden, sodass wir dienen im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens.

Wie kann dann jemand sagen, dass Röm. 7 nur für Gesetzesknechte sei, und wie können andere sagen, dass das Kapitel nur für Gottlose gilt?

Ich starb. „Und so fand sich’s, dass das Gebot mir den Tod brachte, das doch zum Leben gegeben war. Ist dann, was doch gut ist, mir zum Tod geworden?

Das sei ferne! Sondern die Sünde, damit sie als Sünde sichtbar werde, hat mir durch das Gute den Tod gebracht, damit die Sünde überaus sündig werde durchs Gebot.“

Wenn es heißt: „Ich starb“, dann heißt das, dass ich vom Gesetz als Gesetz starb. Was der Apostel hier schreibt, schreibt er an Menschen, die vom Gesetz frei geworden sind, an Menschen, die einmal im Fleisch waren, aber jetzt im Geist leben und im neuen Wesen des Geistes dienen.

Man braucht sich nicht darüber zu wundern, dass Leute, die im Fleisch leben, das 7. Kapitel des Römerbriefs nicht verstehen. Wenn nun jemand vor 10 bis 30 Jahren den Geist bekommen hat, aber nie etwas anderes getan hat, als im Fleisch zu wandeln, dann ist Röm. 7 eine versiegelte Quelle für ihn. Manche werden sagen, dass Dr. N. N. ein geistlicher Mann war, er predigte so, dass durch ihn Tausende errettet wurden, und er erklärt, dass Röm. 7 für Gesetzesknechte usw. sei.

Selbst wenn Dr. N. N. Millionen von Sündern für Christus gewonnen hätte, kann er dennoch völlig blind für Röm. 7 sein. Christus als Sündopfer zu verkündigen ist eine Sache, ihn aber als „den Weg“, „die Wahrheit“ und „das Leben“ zu verkündigen, ist etwas ganz anderes. Oder ist uns Christus nur zur Sündenvergebung gegeben? Wohnt nicht die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig in ihm? Und haben wir nicht Teil an dieser Fülle in ihm, der uns von Gott zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung gemacht ist?

Wenn Pastor N. N., wie man sagt, viele Seelen für Christus gewonnen hat und gleichzeitig erklärt, dass das 7. Kapitel des Römerbriefs nur für Sünder sei, dann gibt er sich als Lehrer aus und erklärt Dinge, von denen er nichts versteht. Er wird umso strenger zur Verantwortung gezogen werden. Es wird wenig nützen, wenn solche, die sich als Lehrer ausgeben, Sünder für Christus gewinnen, wenn sie gleichzeitig die Gläubigen von ihm wegführen.

Die 70, die von Jesus weggingen, weil sie seine Rede zu hart fanden, konnten auch Sündenvergebung predigen; aber wenn sie versucht hätten, über ein tieferes Leben in Christus zu belehren, wären sie Irrlehrer geworden. Nur Jesu Christi Jünger waren dazu in der Lage. Genauso ist es heute. Es ist möglich, ein großer Prediger zu sein und Sünder für Christus zu gewinnen, ohne ein Jünger Jesu Christi zu sein. Dafür haben wir genug Beispiele. Möge Gott uns gesalbte Augen geben, damit wir sehen können.

„Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.“ V. 14.

Solange „Fleisch“ in meinem Leben existiert, ist dieses unter die Sünde verkauft. Es hilft nicht, den Geist bekommen zu haben, das Fleisch ist weiterhin da. Das einzige, was taugt, ist, das Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden zu kreuzigen. Dazu bekommen wir Kraft durch den Geist. Im praktischen Leben sehen wir ja auch, dass Prediger, die die Wände rauf und runter vollschreiben über Gottes Wort, Parteiungen machen. Es ist das Fleisch, das unter die Sünde verkauft ist, das so etwas tut, und dessen Werke findet man in Gal. 5, 19. Dadurch schließt man die Jünger Jesu aus, die sich um des heiligen Gebotes willen nicht mit Feder und Tinte in deren Parteiung oder Sekte einschreiben – weder wollen noch können sie das. So entstehen Krieg und Streit unter Brüdern, die Jesus durch sein Leiden und seinen Tod eins gemacht hat. Kann man sich dann darüber wundern, dass solche Gesetzesübertreter das Heiligungskapitel Röm. 7 nicht verstehen können? „Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.“ V. 15.

Das trifft ja genau auf diejenigen zu, die in unserer Zeit weit draußen in der Finsternis Parteiungen machen: „Sie wissen nicht, was sie tun“. So war es ja auch mit den Männern, die Christus gekreuzigt und Stephanus gesteinigt haben. Sie wussten nicht, was sie taten.

Aber für Paulus selbst ging das Licht auf, was sein Fleisch betraf. Denn ich tue, was ich nicht will, sagt er. Hier sehen wir Licht in der Finsternis. Aber wenn man vollkommen blind ist, existiert kein solches Eingeständnis. „Was ich hasse, das tue ich.“ In diesem Hass liegt Selbstgericht, und wenn wir uns selbst richten, werden wir nicht zusammen mit der Welt verdammt werden.

Aber eine Vielzahl von Lehrern unserer Zeit sagt selbst, dass sie nie etwas tun, was sie hassen. Sie haben als Verkündiger des „Gottes der Liebe“ die Vollendung erreicht. Selbst wenn sie in Völlerei schwelgen und in Unkeuschheit leben, tun sie nie etwas Hassenswertes. Wir haben im Lauf der Zeit viele Widersacher gehabt, darunter auch mehrere Prediger, die in große Sünden gefallen sind. Ihr Sündenleib sei bei der Geistestaufe entfernt worden, sagten sie, und dann stürzten sie in Sünden beinahe schlimmster Art. Hieraus verstehen wir, dass ihre Irrlehre über Römer 7 und über die Theorie, dass die Sünde durch die Geistestaufe verschwunden sei, zur Verdammnis führt. Die Sünde lauert vor der Tür.

Nicht Röm. 7 ist verkehrt, sondern deren eigenes Leben im Fleisch und in den Lüsten.

Wenn Paulus sagt, dass er tut, was er nicht will, sondern was er hasst, dann sind hier nicht die Werke des Fleisches wie Hurerei, Mord, Parteimacherei usw. gemeint, denn das sind Werke des Fleisches. Sondern er meint Dinge im unbewussten Wesen, Werke des Leibes, die durch den Geist getötet werden sollen.

Was sind nun Werke des Fleisches? Und was sind Werke des Leibes? Die Erkenntnis fehlt, und so geht man in die Irre. Es werden Bibelkurse gehalten, aber sowohl Lehrer wie auch Schüler wissen meistens nichts von Gott. So herrscht überall die Unwissenheit. Es ist keine Kunst, ein Priester für die Unwissenheit zu sein; aber wo Gottes Licht klar scheint, wird es schwierig.

„Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.“ V. 16-18.

Paulus war durch den Leib Christi vom Gesetz freigemacht. Für alle offenbare Sünde (Werke des Fleisches) war er gekreuzigt. Trotzdem kamen von seinem unbewussten Wesen Dinge hervor, die er hasste. Dass er diese Dinge sehen und hassen konnte, kam daher, dass er im Licht wandelte. Eben deshalb konnte ihn Christi Blut – in diesem Licht – ständig von aller Sünde reinigen. Lies 1. Joh. 1, 7. Der Apostel wandelte in Licht und Gericht. Daher konnte er sich selbst richten und ständig in Christi Tod hingegeben werden.

Da er nun nicht vermochte, die Werke des Leibes durch das Licht und die Kraft, die er hatte, zu beherrschen, sagt er selbst: „So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“ Welch eine Liebe zur Wahrheit, die hier sogar das Verborgenste in seinem Leben hervorgräbt! Wie sollen wohl die 70 all dies verstehen?

Wenn ich aber das tue, was ich hasse, was ich nicht will, dann tue nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Dies sind die unbewussten Werke des Leibes, die getötet werden sollen. Röm. 8, 13.

„Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen.“ V. 22.

Wie will man erklären, dass ein Gottloser oder ein Gesetzesknecht einen inwendigen Menschen haben soll?

Die Sache ist, dass man sich damit abgibt, Dinge zu erklären, die einem zu tiefgehend und zu hoch sind, Dinge, von denen man nicht die geringste Ahnung hat.

„Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“ V. 23.

Der Apostel sieht ein anderes Gesetz in seinen Gliedern. Wer zeigte ihm dieses Gesetz? Natürlich der Geist der Wahrheit. Ich bin gewiss, dass derselbe Geist viele Male auch dir dasselbe Gesetz gezeigt hat, aber du bist feige und zu wenig wahrheitsliebend gewesen, um – wie Paulus – festzustellen, dass sich in deinen Gliedern dennoch ein anderes Gesetz befindet. Du hast Angst gehabt, unter Knechtschaft zu kommen, du, der du vor kurzem in der Kraft und Taufe des Geistes gejubelt hast. Und dennoch bist du untreu und feige.

Auf welche Weise und wodurch kann sich all deine Habsucht geltend machen, wenn es kein anderes Gesetz in deinen Gliedern gibt? Indem du dieses leugnest, erwählst du gleichzeitig einen Geist der Lüge, der dich für das 7. Kapitel des Römerbriefs blind macht.

Paulus wurde vom Gesetz der Sünde in seinen Gliedern gefangen genommen. Ja, das ist ja klar, er tat ja Dinge, die er hasste und richten musste. Und das musste er tun, solange er noch nicht zur Vollkommenheit gelangt war, d. h. zur Gleichgestaltung mit Christus in seinem Tod und in seinem Leben.

Aber wenn er gefangen genommen war, befreite er sich selbst wieder durch den Geist, indem er die Werke des Leibes tötete. Denn wir haben Macht bekommen, Gottes Kinder zu werden. Wir haben wie Jesus Macht bekommen, selber unser Leben zu lassen, und wir haben Macht bekommen, es wiederzunehmen – all dies in Christi Geist, der uns Zugang zum Vater gibt. Hieraus folgt, dass wir uns selbst befreien können, indem wir die Werke des Leibes töten, nachdem wir gefangen genommen wurden.

„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“ V. 24.

Solange wir hier auf der Erde sind, haben wir alle diesen Todesleib, d. h. den Leib, der sterben und wieder zu Erde werden wird.

Nun lehrt man aber mit großer Bestimmtheit und Selbstsicherheit, dass man vom Todesleib durch Jesus Christus, unseren Herrn, freigemacht wurde. Und doch laufen sie in unserer Umgebung in Fleisch und Blut herum. Ich nehme an, dass ein Wespenstich sie überzeugen könnte, dass sie nicht Geist, sondern Fleisch und Blut sind und dass sie einen Todesleib haben.

Im Hinblick auf das Gesetz der Sünde in den Gliedern dieses Todesleibes, müssen ja auch wir sagen: „Ich elender Mensch.“ Selbst Jesus starb in Schwachheit und sie sagten von ihm: „Siehe, welch ein Mensch!“ In seiner Fußspur wurde auch „der elende Mensch“ für den inneren Blick von Paulus sichtbar.

„Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! So diene ich selbst nun mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.“ V. 25.

Überlege jetzt! Überlege noch einmal! Wie kann man wohl anders? Im Fleisch wohnt nichts Gutes, und in Bereichen, wo ich noch nicht lebendig gemacht bin, bin ich ja noch im Fleisch, und das Fleisch kann Gottes Gesetz nicht untertan sein. Ich und jeder andere kann nichts anderes als mit dem unbewussten Fleisch, auf das noch kein Licht geschienen hat, dem Gesetz der Sünde zu dienen. Aber mit der Gesinnung dienen wir dem Gesetz Gottes. Das heißt, alles, worüber ich Licht habe, halte ich am Kreuz festgenagelt. Denn die Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. Meine Gesinnung dient dem Gesetz Gottes, aber nach dem Fleisch (wo ich kein Licht habe) kann ich ja auch nicht gekreuzigt sein. Hier kommen Werke des Leibes hervor, die durch den Geist getötet werden sollen.

Eben weil ich dem Gesetz Gottes mit meiner Gesinnung diene – und mehr verlangt Gott nicht von mir – gibt es keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Röm. 8, 1.

„Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“ V. 2.

Was ist nun das Gesetz der Sünde und des Todes? Das Gesetz der Sünde ist wirksam, wenn ich versucht werde und der Versuchung nachgebe. Dann empfängt die Begierde in meiner Gesinnung und gebiert die Sünde. Mit meiner Gesinnung lasse ich nun nicht zu, dass die Begierde empfängt. Dadurch wird keine Sünde geboren. Das kommt daher, dass ich mich für die Sünde und deren Begierden gestorben halte. Wird nun keine Sünde geboren, dann kann auch kein Tod geboren werden; denn erst, wenn die Sünde vollendet ist, gebiert sie den Tod. Bei Saul gebar die Sünde den Tod, weil er sich nicht selbst richtete, aber bei David konnte die Sünde nicht den Tod gebären, weil er sich selbst richtete. Ich bin also freigemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.

Wenn ein Lehrling in seinem Fach Meister werden will, dann muss er genau sein und es so machen, wie sein Meister ihn lehrt. Aber die meisten Lehrlinge sind selbstklug und meinen, es geht zu langsam. Und so ziehen sie die Siebenmeilenstiefel an und hüpfen durch die ganze Lehre. Solche Kanditaten werden früher oder später nicht darum herumkommen, umzukehren, um zu lernen, ihre Arbeit genau zu machen. Wenn nicht, will sie niemand einstellen, und sie werden sich selbst und ihre Familie nicht ernähren können.

So geht es jedem in geistlicher Hinsicht, der über die Schwierigkeiten in Gottes Wort hinweghüpft. Lass es lieber langsam gehen, lebe und denke dich nur durch die Schwierigkeiten hindurch, dann wirst du schließlich die Goldkörner im 7. Kapitel des Römerbriefs finden.

Das Heiligungskapitel, Röm. 7, wird uns die Tiefe des Falles in unserem sterblichen Fleisch zeigen. Hieraus wird Gott auch ersehen können, ob wir die Wahrheit durch und durch lieben oder nicht. Tun wir das, dann wird uns auch die Wahrheit über unsere eigene verdorbene Natur freimachen; denn die Wahrheit kann nicht anders als freimachen. Schließt man aber die Augen für die Wahrheiten in Röm. 7, die zur Heiligung führen, und nimmt Anlauf, um über das ganze Kapitel hinwegzuhüpfen, wie es nahezu das gesamte Volk Gottes lehrt, dann hüpft man hinaus in Finsternis und falsche Freiheit. Gottes Wort ist uns nicht gegeben, um darüber hinwegzuhüpfen, sondern es ist uns gegeben als unseres Fußes Leuchte und als Licht auf unserem Weg.