Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Skjulte Skatter 1932-06 - Gefangen genommen werden

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Gefangen genommen werden

„Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“ Röm. 7, 23.

Denke, unter das Gesetz der Sünde in den Gliedern gefangen genommen zu werden! Das muss ja schlimm sein, nachdem man vom Gesetz frei geworden und dem abgestorben ist, das uns gefangenhielt. Röm. 7, 6.

Wenn wir vom Gesetz der Sünde in unseren Gliedern gefangen genommen werden, das zu tun, was wir hassen, dann tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Es ist im Unbewussten, dass ich gefangen genommen werde, da wo ich noch fleischlich bin; weil das Fleisch dem Gesetz Gottes ja nicht untertan sein kann. Wenn dann Gottes Licht auf den Punkt scheint, an dem ich gefangen genommen wurde, werde ich gerichtet. Um nun wieder befreit zu werden, muss ich dem Gericht Recht geben und dieses Werk des Leibes durch den Geist töten, so werde ich leben. Röm. 8, 13.

Nun heißt es in Röm. 8, 2, dass das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, mich freigemacht hat von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Wie kann ich freigemacht sein und doch gefangen genommen werden? Ich bin zwar vom Gesetz der Sünde und des Todes befreit, jedoch nicht vom Gesetz der Sünde in meinen Gliedern. Es gibt keine Verdammnis dafür, Sünde zu haben, sondern dafür, Sünde zu tun. Das Gesetz der Sünde und des Todes wird in dem Menschen wirksam, der versucht wird und der Versuchung nachgibt, sodass Sünde geboren wird, und der sich trotzdem nicht selbst richtet, sondern die Sünde vollendet werden lässt, sodass sie den Tod gebiert. Es ist ja klar, dass wir von diesem Gesetz befreit sind, weil wir ja das Fleisch mit den Lüsten und Begierden gekreuzigt haben. Anders ist es mit dem Gesetz der Sünde in den Gliedern. Das nimmt uns gefangen, ob wir wollen oder nicht, da wir uns noch in diesem Leib des Todes befinden und notwendigerweise mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde dienen müssen – obwohl wir mit dem Sinn dem Gesetz Gottes dienen. Eben deshalb gibt es keine Verdammnis. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, auch wenn es das Fleisch eines Jüngers Jesu Christi ist. In der Praxis sehen wir ja auch, wenn wir ehrlich sind, dass wir oft Dinge tun, die wir nicht tun wollten, Dinge, die wir von Herzen hassen. Das kommt daher, dass wir vom Gesetz der Sünde in unseren Gliedern gefangen genommen werden. Anders sieht es mit einer Seele aus, die versucht wird und in der Versuchung fällt. Sie tut nicht das, was sie hasst, sondern was sie liebt. Sie wird auch nicht gefangen genommen, sondern gibt freiwillig der Versuchung nach.

Um wirklich frei zu sein und durch den Glauben seine Freiheit zu verstehen, ist es notwendig, Klarheit über die Wirkungen dieser verschiedenen Gesetze in seinem Leben zu haben, damit man nicht glaubt, dass man gesündigt hat, wenn man ein Werk des Leibes getan hat, das man in Geist und Wahrheit hasst und verurteilt.