Der Leib des Todes
„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?“ Röm. 7, 24.
Der Leib des Todes ist zuallererst der Leib, der eines natürlichen Todes sterben wird, wenn Jesus nicht vorher kommt und unseren sterblichen Leib verwandelt.
Wenn Paulus ein anderes Gesetz in seinen Gliedern sieht, das gegen das Gesetz seiner Gesinnung streitet und ihn gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in seinen Gliedern ist, dann liegt dieses Gesetz der Sünde in seinem Leib des Todes. V. 23.
Ich werde gefangen genommen. Gefangen genommen wird man nur von seinen Feinden. Der Geist streitet wider das Fleisch, und das Fleisch streitet wider den Geist. In diesem Kampf, in dem ich ja immer auf der Seite des Geistes stehen sollte, kommt es vor, dass ich vom Gesetz der Sünde in meinen Gliedern gefangen genommen werde. Obwohl ich mit meiner Gesinnung dem Gesetz Gottes diene, reißt mich das andere Gesetz in meinen Gliedern mit sich und ich tue Dinge, die ich überhaupt nicht tun wollte, ich tue das, was ich hasse. V. 18.
Wenn ich nun offenkundig vom Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist, gefangen genommen bin, wie kann ich dann wieder frei werden? Es war ja nicht ich mit meiner besseren Gesinnung, der die Dinge tat, die ich nicht tun wollte, sondern es war die Sünde in mir, die mir zu stark wurde und mich gefangennahm. Diese Gefangennahme und die daraus folgenden Werke werden „Werke des Leibes“ genannt, Röm. 8, 13. Sie sollen durch den Geist getötet werden, und so werden wir leben. Aber wenn wir nach dem Fleisch leben, d. h. wenn wir mit unserer Gesinnung nach dem Fleisch leben, dann werden wir sterben. Darum sind wir nicht Schuldner des Fleisches.
Paulus fragt: „Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?“ Es gibt wohl keinen anderen als Gott, der uns davon befreit, entweder durch die Verwandlung in der Wiederkunft Christi oder auch, wenn wir in Christus entschlafen.
Manche wagen zu sagen: Ich diene nicht dem Gesetz der Sünde mit meinem Fleisch! Hierzu will ich nur antworten: Du bist in höchstem Maß unwissend in diesem Punkt, dazu befasst du dich mit Dingen, die du nicht gesehen hast. Niemand kann dem Gesetz Gottes mit seinem Fleisch dienen und dort, wo ich noch kein Leben und Licht habe, muss ich notwendigerweise mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde dienen. Du willst es nicht tun, aber dein Fleisch, in dem nichts Gutes wohnt, zwingt dich dazu, Dinge zu tun, die du nicht tun wolltest, und das, obwohl du mit deiner Gesinnung dem Gesetz Gottes dienst.
Hier kann dir die Achtsamkeit im Geist zur Hilfe kommen, sodass du deine „Werke des Leibes“ finden und richten kannst. Dadurch wirst du stetig durch die Erneuerung deines Sinnes verwandelt werden, sodass du prüfen kannst, was der Wille Gottes ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Röm. 12, 2. Oder wie es in Eph. 4, 23-26 steht: „Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit […]. Zürnt ihr, so sündigt nicht.“ Hier haben wir Beispiele von Werken des Leibes, die durch den Geist getötet werden sollen. „Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, […]. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Munde gehen, […]. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.“
Du wirst sagen: Können solche Dinge bei einem Kind Gottes vorkommen? Ja, es kommt täglich vor, aber man schläft und ist blind, sodass man es selbst nicht sieht. Andere dagegen sehen es deutlich und reden meistens hintenherum darüber. Dadurch trifft es auch sie als Verleumder. Die Epheser waren mit dem Heiligen Geist versiegelt, s. Eph. 4, 30, und doch herrschten solche Dinge in der Gemeinde, wenn auch nicht bei allen in größerem Ausmaß, so doch bei den meisten. Davon können wir auch in den Gemeinden unserer Tage genügend Beispiele sehen.
Und was ist die Ursache? Eben diese: die Sünde in den Gliedern nimmt den Menschen mehr oder weniger gefangen. Sogar Paulus wurde gefangen genommen, sodass er ausrufen muss: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?“
Da es nun so war und nicht anders sein konnte, sagt er: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! So diene ich selbst nun mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.“ Dies kann auch niemand besser machen. Das Fleisch kann dem Gesetz Gottes nicht untertan sein. Dienen wir daher dem Gesetz Gottes mit der Gesinnung, dann verlangt Gott nicht mehr von uns. Wenn wir dann noch – auch mit unserer Gesinnung – durch den Geist die Werke des Leibes töten, dann werden wir freigemacht von dem, was uns gefangen hielt. Auf diese Weise bekommen wir eine gründliche Erkenntnis von gut und böse, recht und unrecht.
Eben deswegen gibt es keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat mich (das heißt meine Gesinnung) frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Röm. 8, 1-2.
Ich diene dem Gesetz der Sünde nicht mit meiner Gesinnung. Und wenn die Sünde bei mir nicht vollendet werden darf, dann kann sie auch nicht den Tod gebären. Von diesen zwei Gesetzen hat mich das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, frei gemacht. Doch bin ich nicht frei gemacht von dem anderen Gesetz in meinen Gliedern, das mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Von diesem Gesetz werde ich erst nach und nach freigemacht, indem ich im Licht wandle, wie er im Licht ist. Dann wird uns das Blut Christi von aller Sünde reinigen. Im Licht zu wandeln, heißt, im Gericht zu wandeln. Dann werden wir die Werke des Leibes durch den Geist töten. 1. Joh. 1, 7-8. Denn wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Manche mögen sagen: Das ist aber eine komplizierte Lehre! Nein, sie ist ganz einfach für den, der Tag und Nacht über das Gesetz des Herrn nachsinnt. Ist aber der Sinn mit Einnahme und Ausgabe beschäftigt, dann ist diese Lehre neu, schwierig und fremd. Doch für den, der dem Gesetz Gottes mit seiner Gesinnung dient, ist es einfach und klar. Zu diesem Dienst hat uns Gott in den Tagen unserer Fremdlingschaft berufen, in denen wir diesen „Leib des Todes“ haben.
