Gottes Gemeinde und Menschengemeinde
Gottes Wort beschreibt die Gemeinde nicht als eine Ansammlung von Menschen, die sich hier und da als Zuhörer um die eine oder andere Person versammeln. Die Gemeinde ist aus Individuen zusammengesetzt, die alle Glieder am Leib Christi sind. Alle bedürfen einander, wie Augen, Ohren, Arme und Beine einander am Leib benötigen. Und dem geringsten und unansehnlichsten Glied wird die größte Ehre erwiesen. Das Leben der Glieder wird sichtbar, wo die Liebe und die Geistesgemeinschaft herrschen dürfen und wo die Glieder lebendig sind. Die Gemeinde ist Fleisch von seinem Fleisch und Gebein von seinem Gebein: Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, das ist die Gemeinde. Diese ist gekreuzigt nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. Sie ist im Himmel angeschrieben, aber tut ihr Werk auf Erden. Die Glieder dienen als Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Auf diese Weise entsteht Leben in der Gemeinde durch die gegenseitige Hilfe und die Wirksamkeit, die jedem einzelnen Glied zugemessen ist. Es entstehen Gleichgewicht und Einheit in der Gemeinde, sie wächst heran als ein lebendiger Organismus, wo das Wort Gottes mit Geist und Leben gepredigt und wo Kreuz und Tod über alles Fleisch und alle Fleischlichkeit verkündigt wird.
Im Hinblick auf das oben Erwähnte wird man verstehen, wie verkehrt es ist, wenn ein einzelner Mann die Aufgabe übernehmen soll, eine Gemeinde voranzubringen – ohne die gegenseitige Hilfe. Das wäre so, wie wenn der Kapitän eines großen Schiffes an Bord seines Schiffes geht und selbst der Steuermann, Maschinist, Matrose, Heizer und Koch sein will. Es ist ja die gegenseitige Hilfe, die ihn zum Kapitän an Bord macht. Wird diese beiseite geschoben, dann kommt er nicht vom Fleck. So ist auch eine Gemeinde als eine Versammlung von Toten anzusehen, wenn nicht Apostel, Propheten, Hirten, Evangelisten und Lehrer wirksam werden dürfen. Über eine solche Versammlung Protokoll zu führen, macht sie nicht besser, sondern eher eingebildeter. Es ist das Leben in der Versammlung, das sie wertvoll macht. Nimmt man dieses weg, hilft es nicht, dass man dort eingetragen oder nicht eingetragen ist. Biblisches Organisieren einer toten Versammlung ist dasselbe, wie einem toten Mann neue Kleider überzuziehen.
In der Gemeinde soll jedes einzelne Glied seinen Leib als ein lebendiges und Gott wohlgefälliges Opfer hingeben, das ist dessen geistlicher Gottesdienst. Wenn man nun seinen Leib schmückt, um den Menschen zu gefallen, dann ist das schlechtes Material, um daraus eine Gemeinde zu bauen. Die Gemeinde ist der Leib Christi und der soll heilig und untadelig dargestellt werden.
Wenn die Leiter der Gemeinden aufhören würden zu streiten, inwieweit man die Gemeinden registrieren soll oder nicht, sondern lieber dafür sorgen würden, dass das Schwert des Geistes nicht davon abgehalten wird, Blut zu vergießen, dann glaube ich, dass diejenigen, die wirklich der Gemeinde angehören, die im Himmel angeschrieben ist, von selbst sichtbar werden würden, und die Feinde des Kreuzes würden sich nach und nach unauffällig davonmachen.
Aber dies wäre vielleicht eine zu harte Behandlung?
