Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1931-11 - Die Freiheit Christi und kirchliche Sündenknechtschaft

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Die Freiheit Christi und kirchliche Sündenknechtschaft

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Gal. 5, 1. Es ist gut und gesegnet, frei zu sein. Christus macht frei, die Sünde dagegen bindet. Der Geist Jesu Christi führt uns zu den Fesseln, die uns binden, und wenn wir dann unsere Sünde bekennen und erkennen, dann werden wir wirklich frei. Geistlich gesinnt sein ist immer Leben und Friede, immer Befreiung, immer Sieg, Trost und Freude. So steht nun fest in dieser Freiheit und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen, weder von der Sünde noch von Menschen, die von der Sünde beherrscht werden. Wir haben einen einzigen Herrn und Herrscher, das ist unser Herr Jesus Christus. Aller apostolische Dienst, aller Lehr- und Hirtendienst, alle prophetische Rede gehen, wenn sie göttlich sind, in Richtung Freimachung von der Sünde. Sie werden den Menschen in die Gemeinschaft der Heiligen führen. Hieran kann man auch die Geister prüfen. Doch wer ist wohl fähig, die Geister zu prüfen, wenn er selbst nicht frei ist? Nur wenn ich von der Sünde freigemacht bin, kann ich meine Situation beurteilen. Wenn die Sünde Macht über uns hat, dann brauchen wir Hilfe, um aus ihr herauszukommen. Aber wer sind hier in Wahrheit die rechten Helfer? Wir wissen, dass das Opfer Jesu uns das eine Mal von der Sünde befreit. Doch wo gibt es Mitarbeiter Christi, die wie einer aus Tausend den Menschen auf den rechten Weg zu führen vermögen, sodass man nicht immer wieder von der Sünde und von Menschen gebunden wird, die alle das Ihre suchen. Hi. 33, 23. Wir haben viele Schafe, die Nahrung suchen, aber wo sind die Hirten? Wo sind die Weiden?

„Dies ist das Wort, das vom Herrn geschah zu Jeremia, nachdem der König Zedekia einen Bund geschlossen hatte mit dem ganzen Volk zu Jerusalem, eine Freilassung auszurufen, dass ein jeder seinen Sklaven und ein jeder seine Sklavin, die Hebräer und Hebräerinnen waren, freilassen sollte, so dass kein Judäer den andern als Sklaven hielte. Da hatten alle Oberen und alles Volk gehorcht, die diesen Bund eingegangen waren, dass ein jeder seinen Sklaven und seine Sklavin freilassen und sie nicht mehr als Sklaven halten sollte, und hatten sie losgegeben. Aber danach hatten sie die Sklaven und Sklavinnen wieder zurückgefordert, die sie freigegeben hatten, und sie gezwungen, dass sie wieder Sklaven und Sklavinnen sein mussten.“ Jer. 34.

Ja, genau das sieht dem Menschen gleich. Solange Erweckung ist, solange der Herr kräftig durch seine Gnade wirkt, ist man willig, lässt man frei, bringt man Opfer, ruft man Halleluja, redet man in Zungen und prophezeit. Wenn aber die Prüfungszeiten kommen, holt jedermann seinen früheren Sklaven und seine frühere Sklavin wieder zurück. Man sieht sich nach seinen alten Sünden und seinen alten Gewohnheiten um, und es ist Schluss damit, frei zu sein und freizulassen. Man ist wieder der alte verbissene Sünder mit einem Anstrich von Religiosität, der alte Geizhals, der ständig sagt: „Gib her, gib her!“ und der Gnade braucht über all diese Gottlosigkeit. Darum ertragen sie auch nicht, eine einzige Wahrheit zu hören, sie wollen nur Gnade haben. Und als ihre geistlichen Tröster haben wir heute wie in alten Tagen eine riesige Anzahl von Predigern. „Darum spricht der Herr: Ihr habt mir nicht gehorcht, dass ihr eine Freilassung ausgerufen hättet, jeder für seinen Bruder und für seinen Nächsten. Siehe, nun rufe ich für euch eine Freilassung aus, spricht der Herr, für das Schwert, für die Pest und für die Hungersnot; und ich mache euch zum Entsetzen für alle Königreiche der Erde!“ V. 17.

So tut der Herr, wenn man ihm nicht gehorcht. Dies sind Gesetze des Geistes, denn der Herr ist der Geist. Das tut er nicht nur in Jerusalem und im Land der Juden; nein, er tut das bei jedem Volk unter dem Himmel.

In „Für Arm und Reich“ vom 20. 9. dieses Jahres erzählt Pastor Fredrik Wisløff einiges von den Verhältnissen in Amerika, wie der Abfall in den Kirchen blüht. „Vor einer Episkopalkirche in Brooklyn sind kurz vor Weihnachten zwei Plakate angebracht worden. Das eine lädt zum Abendmahl und das andere zum Tanz. Durch eine Tür geht es in die Kirche, durch eine andere in den Tanzsaal. W. ging hinein, um die Sache näher zu untersuchen. „Der Tanz war in vollem Gang! Der ganze Tanzboden war voll von jungen Paaren. Damen in Ballkleidern! In der neuesten Mode. Das Orchester war eines von Brooklyns „besten“ mit der schrillsten und aufreizendsten Jazzmusik: Trommeln, Saxophon, Klarinette u.a. Ab und zu stimmte man ein in die Musik. Das Ganze wurde im Rundfunk übertragen.

Der Leiter pfiff, damit es still wurde, sagte den nächsten Tanz an, und weiter ging’s. Es waren fast nur Jugendliche. Ein älterer Mann nahm die Eintrittskarten entgegen. Ein paar ältere Damen waren in der Küche mit Würstchenbraten beschäftigt. Sonst nur Jugendliche. Auf einem Plakat stand: „Hot Dogs – 10 c“. Hot Dogs ist in der Umgangssprache das Wort für heiße Würstchen.

Dann gab es eine kleine Pause. Man holte die Zigaretten raus. Doch nur für einen Augenblick Ruhe. Dann ging es wieder los.

Der Leiter kommt mit dem Vorschlag, dass die Lichter ausgemacht werden. Beifall. Dann werden die farbigen Lichter an der Decke ausgeschaltet. Stattdessen wird ein Licht an der Tür eingeschaltet. Das wechselt ständig die Farben Rot, Grün, Violett usw. Es soll wirkungsvolle Lichteffekte an den Kostümen der Damen hervorbringen, während sie im Tanz die Mitte des Tanzbodens passieren. Ansonsten Dämmerlicht.

Uns gegenüber sitzt ein junges Paar. Sie setzt sich auf seinen Schoß. In den Ecken ist es dunkel. Wir stehen auf. Nehmen unsere Mäntel und gehen. Wir haben genug! Wir fühlen uns leer, verletzt und zornig.“ Pastor Fr. W. schreibt weiter: „An diesem Abend kniete ich an meinem Bett und betete ein inniges Gebet für die „christliche Kirche“. Mir kommt das Wort vom Gräuel der Verwüstung auf heiligem Grund in den Sinn. Ich erinnere mich an das schreckliche Bild der „großen Hure“, das unsere Bibel zeichnet. Jetzt hatte ich sie krasser als je zuvor gesehen.“

Wenn nun die Priester diesen Tanz- und Grillabenden zustimmen, die einen Überschuss für die Kasse „Gottes Sache“ abwerfen, dann kann man sich denken, wie verfinstert das Ganze ist. Das Geschäft läuft und man sieht tatenlos zu.

Doch ist es nicht schon immer so gewesen? Hesekiel sagt im 22. Kapitel: „Seine Priester tun meinem Gesetz Gewalt an und entweihen meine Heiligtümer; sie machen keinen Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen und lehren nicht, zu unterscheiden zwischen dem Unreinen und dem Reinen. Sie verbergen ihre Augen vor meinen Sabbaten, und ich werde entheiligt in ihrer Mitte.

Und seine Propheten streichen ihnen mit Tünche darüber: sie schauen Trug und wahrsagen ihnen Lügen und sagen: „So spricht Gott, der Herr!“, während doch der Herr gar nicht geredet hat.

Das Volk des Landes ist gewalttätig und begeht Raub; es unterdrückt die Armen und Bedürftigen […].

Und ich suchte unter ihnen einen Mann, der die Mauer zumauern und vor mir in den Riss treten könnte für das Land, damit es nicht zugrunde gehe; aber ich fand keinen.“

Ja, Gottes Heiligtümer sind in unseren Tagen in Wahrheit zertreten. Wir brauchen nicht nach Amerika zu reisen, um das zu sehen. Wo kann man Priester finden, die die Menschen lehren, zwischen Heiligem und Unheiligem zu unterscheiden, zwischen Unreinem und Reinem, die vor dem Angesicht Gottes in den Riss treten? Aber dann geht es wie in den Tagen Jeremias: „Da schüttete ich meinen Zorn über sie aus, rieb sie auf im Feuer meines Grimmes und brachte ihren Wandel auf ihren Kopf, spricht Gott, der Herr.“ V. 31.

Es ist gut, sich an das Wort des Herrn zu halten und nicht davon zu weichen, weder zur Rechten noch zur Linken.

Das Volk wird in unseren Tagen gelehrt, dass es richtig ist, den Willen Gottes zu tun. Wenn dann jemand den Willen Gottes tut und durch diesen umgekrempelt wird, dann sagt man gleich: Der Mann ist verrückt. Darin sind sich Priester und Prophet einig. Das Wort Gottes und der Wille Gottes verwandeln den Menschen, sodass alles neu wird. Das Alte ist vergangen. Aber nun meint sowohl der Priester als auch der Prophet, dass das Alte sehr gut ist und dass das Neue komplett verkehrt ist. Ist das nicht ein kräftiger Beweis dafür, dass der Weg Gottes ganz und gar verborgen ist? Die Gage und die Kollekten sind einem soviel mehr wert als der Weg, der neu und lebendig ist, und der durch den Vorhang, sein Fleisch, geht. Der natürliche Mensch kann nicht durch ein Studium zum Priester werden. Das wird man in der Wiedergeburt, wie Petrus sagt:

„Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“

Priester, die nicht von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht gekommen sind, können nicht die Tugenden Christi verkünden. Und infolgedessen sind sie auch keine Priester Gottes, selbst wenn sie vom Volk angestellt sind. Ein Priester muss etwas zu opfern haben. Die Opfer, die wir in unseren Tagen bringen sollen, liegen im Leib und wie kann man etwas im Leib opfern, wenn man sich nicht von der Sünde befreien kann, die außerhalb des Leibes ist? 1. Kor. 6, 18.

Unsere „heilige Kirche“, wie man sagt, kann niemandem helfen, sie kann sich nicht einmal selber aus dem Sumpf retten. Persönliche Initiativen helfen hier weit mehr als Priester oder Kircheninstitutionen. Denn jeder Einzelne muss zusehen, dass er das Himmelreich mit Gewalt an sich reißt. Irgendeine Hilfe dazu von Priestern und Kirchen kann man nicht erwarten.