Die Gesetze des Geistes und der Hurengeist
Der Alte Bund war auf Steintafeln geschrieben und wurde auf dem Berg Sinai gegeben. Jesus kam nicht, um das Gesetz und die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen. Es sollte nicht der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz vergehen, bis es alles geschah. Mt. 5, 17-18. Gott nahm von der Forderung des Gesetzes nichts weg, das Gebot sollte erfüllt werden. Und es wurde auch in Jesus Christus erfüllt; er holte das Sinaigesetz in sein Fleisch. Darum ist nun auch das Gesetz im Neuen Bund auf die fleischernen Tafeln des Herzens geschrieben. Denn es heißt: „Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben.“ Hebr. 8, 10.
Jesus nahm das Gesetz in sein Fleisch und in seinen Geist auf, aber er musste erst weggehen, um den Geist schicken zu können. Denn während er im Fleisch war, war er begrenzt. Er musste aus dem Fleisch heraus, um den Geist über alles Fleisch senden zu können. Als Jesus in der Welt war, hielt er das Gebot nicht als Gebot; das war unmöglich, sondern er opferte sich selbst in der Kraft eines ewigen Geistes. Er lebte nach dem Geist im Gebot, und das war größer, als nach dem Gebot als Gebot zu leben. Auf diese Weise nahm er das Gebot in seinen Geist auf. Daher ist der Geist nicht ohne Gebote, sondern voller Gebote, und eben diesen Geist hat er in die Welt gesandt.
Im Alten Bund erreichte man nie das Endziel des Gesetzes. Man kam zu kurz. Aus demselben Grund konnte man auch nicht zu der Menschenwürde gelangen, die Gott dem Menschen zugedacht hatte. Aus demselben Grund konnte Gott auch keinen Menschen von den Toten herausführen. Es musste ein vollkommener Sieg über das Fleisch vorliegen, bevor Fleisch auferweckt werden konnte. Als daher Henoch und Elia aus dem Tod geführt wurden, bekamen sie Gnade auf Vorschuss auf diese Auferstehung; denn Jesus ist die Auferstehung und das Leben. Wäre Jesus nicht auferweckt worden, wären Henoch und Elia auch nicht auferweckt worden. Als Jesus von den Toten auferstand, nahm er viele mit, denn viele von den entschlafenen Heiligen wurden gesehen und erkannt. Als Henoch vor dem ersten Bund und Elia während des ersten Bundes vom Tod entrückt wurden, da geschah dies, um die Heiligen Gottes im Glauben an Jesu Leben, Tod und Auferstehung zu stärken. Denn sie warteten ja auf ihn. Ihre Auferstehung wies hin auf die Auferstehung am jüngsten Tag, und es war das mächtige Werk Gottes mit ihnen im Vertrauen auf die Treue Jesu Christi, die Gott von Ewigkeit her kannte.
Als Jesus Lazarus vom Tod auferweckte, da erweckte er ihn zu einem irdischen Leben auf, wie er es zuvor lebte. Jesus konnte ihn noch nicht zur endgültigen Auferstehung auferwecken, so wie Henoch und Elia. Und das konnte er nicht, weil er selbst noch nicht auferstanden war. Gott hätte das mit Lazarus machen können, aber nicht Jesus, weil er selbst noch nicht auferstanden war. Doch nach seiner eigenen Auferstehung konnte er andere vom Tod hin zur Auferstehung der Herrlichkeit führen. Nun ist es auch nicht so zu verstehen, dass Jesus Lazarus nicht hin zur Auferstehung der Herrlichkeit hätte führen können, während er hier in den Tagen seines Fleisches war, doch dann hätte er den Vater darum bitten müssen. Das tat er aber nicht, denn das Zeichen, das er tat, war für den Augenblick das Größte, das er für ungläubige Menschen tun konnte, die nur das Sichtbare vor Augen haben. Sie sahen Lazarus tot daliegen, und sie merkten, dass er stank. Gleich darauf sahen sie, wie er unter ihnen wandelte, und sie konnten mit ihm sprechen. Das war ein Zeichen, das Eindruck machte. Ein besseres Zeichen hätten sie nie bekommen können.
Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann ist unser Glaube vergeblich. Doch nun ist er auferstanden und von den Heiligen gesehen worden. Seine Auferstehungskraft ist auch in uns wirksam durch den Geist, den er in die Welt gesandt hat, diesen Geist, den wir empfangen haben und der durch Glauben in unseren Herzen wohnt. Dieser Geist wird uns in alle Wahrheit leiten. Doch kein Mensch vermag, die ganze Wahrheit auf einmal anzunehmen. Der Geist führt die Wahrheit in Form von Geboten zu uns. Darum sagt Jesus: „Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.“ Mt. 5, 19. Dann müssen wir fragen: Welchen Platz im Himmelreich bekommt dann diese große Menge von Pfarrern und Predigern, die ein Evangelium ohne Gebote, einen Geist ohne Gebote und einen Christus ohne Gebote verkündigen? Solche, die Erlösung außerhalb des Gebots und nicht im Gebot verkündigen? Ich werde es dir sagen, wenn du es nicht weißt: Sie bekommen keinen Platz im Himmelreich. Das ist die Hure unserer Zeit, die das Evangelium ohne Gebote verkündigt: Du bist frei, frei, frei davon, das Gebot zu halten, das hat Jesus für dich getan. Es wäre Knechtschaft, Knechtschaft, wenn du das versuchen wolltest. Es ist diese Art gesetzloser Prediger, die den Weg für Gesetzlosigkeit und „den Gesetzlosen“ bereiten. Ob sie es nun in guter Absicht tun oder in böser Absicht, wobei ich Letzteres kaum glauben kann – sie stehen auf jeden Fall im Dienst Satans in der Gestalt eines Engels des Lichts.
Jesus Christus ist voll heiliger Gebote, und auch nicht das kleinste von ihnen darf gebrochen werden. „Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.“ Joh. 15, 10-11. Diese Freude will Satan den Heiligen Gottes rauben, deshalb lässt er seine Prediger einen „Christus ohne Gebote“ verkündigen. Man sagt: Gott ist gut, Gott ist gut, halleluja. Ja, es ist klar, dass Gott gut ist, aber hat das Gebot im Geist dich gut machen können? Das ist die große Frage. Das Sinaigesetz ist in das Gesetz des Geistes aufgenommen. Das wissen alle gottesfürchtigen Menschen, die zu einer inwendigen Reife gelangt sind. Aber gesetzlose Leute, die ein „billiges Evangelium“ haben wollen, finden es ja ausgezeichnet, aus dem Evangelium ein „Evangelium ohne Gebote“ zu machen.
Der ehemalige schwedische Staatskirchenpfarrer N. P. Wetterlund hatte genau dieselbe Erfahrung gemacht. Er schreibt auf S. 312 in „Åndens Lag“ (Gesetz des Geistes): „Eine Person kam an einen Ort, wo man für richtig evangelisch gehalten werden wollte. Auf dem Tisch stand ein Korb mit „Bibelkarten“. Er nahm eine. Und auf dieser standen die Worte: „Ihr seid meine Freunde.“
Doch das Bibelwort als Ganzes lautet: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.“ Joh. 15, 14.
Man hatte also nur die erste Hälfte genommen, weil das „Evangelium“ war. Der letzte Teil war weggelassen, denn er war „Gesetz“. Und das, obwohl der Herr gesagt hat: „Meine Worte sind Geist und Leben.“ Damit hat er auch gesagt, dass der zweite Teil, der weggelassen war, auch „Geist und Leben“, d. h. Evangelium, ist.
Er nahm noch eine Karte, und auf der stand: „Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen.“
Aber so lautet das Siegel nicht, sondern: „Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt.“ 2. Tim. 2, 19. Auch diesen Vers hatte man zerteilt und den Teil weggeworfen, den man für „Gesetz“ hielt.
Und die übrigen Karten waren genauso.
Alle bestanden aus einer angenehmen Auswahl und auseinandergerissenen Auszügen aus dem Alten und dem Neuen Testament. So hatte man einen Korb voll vom „reinen Evangelium“ bekommen, ganz und gar rein von Gottes Geboten. Und von diesem „lebte“ man. Man war daher so mächtig „evangelisch“ – mit dem Mund, sodass er weit geöffnet war wie ein Stiefelschaft.
Hier haben wir die „evangelische“ Verfälschung vom „Gesetz des Geistes“. Man pickt sich die „herrlichen Gnadenzusagen“ aus der ganzen Bibel heraus. Und diese nennt man Evangelium. Gottes Gebote dagegen im Alten und im Neuen Testament, also auch Jesu Gebote, nennt man „Gesetz“.
Derselbe Pfarrer sagt auf S. 320: „Und Hurenevangelisten fahren noch überall umher und jagen das Gesetz aus dem Land, als wäre es ein wildes Tier und als ob der Böse selbst in Gottes Geboten säße.“
Ja, so ist es in Schweden. Aber wie ist es in Norwegen? Sind bei uns alle Hurenevangelisten ausgestorben? Wenn wir sie nur los wären! Nein, vielmehr sind sie es, die fast alle religiöse Arbeit in unserem Land organisieren. Denn sie können mit fleischlicher Autorität und fleischlichem Zorn nachlegen, wenn es eng wird. Und dann müssen sich die Gottesfürchtigen ja um des Gebotes willen zurückziehen. Die Gesetzlosen sitzen also an der Macht und sie haben ihresgleichen auf der anderen Seite des „Kjølen“ [Grenzgebirge zwischen Norwegen und Schweden]. Dieser Hurengeist war es, der den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt und Stephanus und viele andere Heilige getötet hat. Doch jetzt sagen sie alle: Hätten wir zur Zeit unserer Väter gelebt, hätten wir das nicht getan. Wir haben jedoch einen Hans Nielsen Hauge in allernächster Nähe. Was machte die Hure mit ihm?
Pfarrer und Obrigkeit in trauter Einigkeit verfolgten ihn und sperrten ihn ins Gefängnis, sodass der Mann litt und krank wurde. Doch jetzt baut man Denkmäler, in gleicher Weise wie die jüdische Hure ihren Propheten, die sie gesteinigt hatten, Grabmäler baute. Das ist die Hure, die in allen Jahren die Heiligen Gottes verfolgt hat. Doch ebenso wie die jüdische Hure Christus nicht selbst kreuzigte, sondern die weltliche Macht dazu überredete, so war es zu allen Zeiten – und sie alle haben natürlich gesagt: Hätten wir zur Zeit unserer Väter gelebt, hätten wir so etwas nie getan. Doch jetzt hat die Hure mit Kräften aus dem Osten zu tun bekommen, die sie an die Zügel nehmen, sodass die Macht, die Heiligen zu verfolgen, reduziert worden ist. Bald wird sie selbst vom Rücken des Tieres abgeworfen werden, auf dem sie wie eine Königin sitzt. Die Ehe mit dem Geist der Welt wird bald zu Ende gehen, zur großen Freude für alle Himmel. Denn es sind Kräfte im Anmarsch, die die Hure verwüsten und entblößen werden. Sie werden ihr Fleisch verzehren, und sie selbst werden sie mit Feuer verbrennen. Offb. 17, 16. Das wird etwas anderes als wie eine Königin in Purpur und Scharlach gekleidet und mit Gold und Edelsteinen und Perlen übergoldet zu sein, und einen goldenen Becher voll von Gräuel und Unreinheiten ihrer Hurerei in der Hand zu haben. Offb. 17, 4. Doch die Hure selbst kann selbstverständlich nicht erkennen oder verstehen, wer die Hure ist. Denn sie ist ja reich und mächtig wie die Gemeinde in Laodizea. Offb. 3, 14. Aber die Heiligen Gottes wissen, wer die Hure ist, denn jeder Einzelne von ihnen ist mit ihr in Berührung gekommen. Sie ist es, die mit dem Geist der Welt eng befreundet ist, und sie ist es, die die Macht der Heiligen zunichtemacht, indem sie selbst immer als Königin dasitzt. Sie bildet sich ein, alles zwischen Himmel und Erde zu wissen, und doch weiß sie selbst nicht, wie nahe sie ihrem Ende ist.
„Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel, die sprach: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!“ Offb. 18, 4.
Wo kann man nun die Hure finden, dass man von ihr ausgehen kann? Ja, sie ist in allen religiösen Lagern zu finden und ist mit aller Deutlichkeit in der römisch-katholischen Kirche und ebenso in der lutherischen Staatskirche zu finden, wo gottlose Menschen in allen Bereichen der Verantwortung innerhalb der Kirche ihre Finger im Spiel haben. Sie ist überall, wo man Christus, den alleinigen Herrscher und Herrn, in den Allergeringsten seiner Geringsten beiseiteschiebt. Jud. 4. Darum geht hinaus von ihr, denn sie wird deine Heiligung lähmen, und hemmend auf die Freiheit einwirken, die Christus dir schenkt. Auf diese Weise wirkt die Hure verdummend – etwas, was sich die antichristliche Geistesrichtung als Waffe zunutze macht. Lasst uns aus ihr hinausgehen, da sie Tag für Tag reifer wird für ihr endgültiges Gericht. Die Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und seinen Heiligen möge uns mehr als genug sein. Es muss notwendigerweise ein Sammeln aller Aufrichtigen aus allen Kirchengemeinschaften stattfinden, wenn die Zeit des Gerichts für die Hure da ist. Wenn man nicht vorher geöffnete Augen bekommen hat, so bekommt man sie dann. Das Feuer des Gerichts wird die Auserwählten Gottes hinaustreiben. Es ist aber eine geringe Ehre, in Sodom zu bleiben, bis es Feuer vom Himmel regnet. Das beweist, dass man dort viele Schätze zu verlassen hat, die einem lieb sind. Und das beweist, dass man kein prima Christ ist.
Es würde uns freuen, wenn die lutherische Kirche wie Luther wäre. Er war zu seiner Zeit ein Werkzeug Gottes gegen die gesamte katholische Hurenwelt. Doch nun braucht diese Kirche, die seinen Namen trägt, einen neuen Luther, der imstande ist, die Aufrichtigen in der Kirche zu retten. Dies gilt nicht nur für die lutherische Kirche, sondern auch für kleinere Kirchen und Gemeinschaften. Der Anfang war bei fast allen gut, doch sobald man anfing, aus dem Reich Gottes und dessen Gnade und Gaben ein Gewerbe zu machen, kam der Abfall. Das Himmelreich fordert Opfer, und wo diese aufhören, kommt die Hure und fordert Bezahlung für ihre Mühe. Wo es ein einträgliches Amt gibt, wird eine Ausbildung verlangt. Da aber die geistliche Ausbildung verborgen ist, wie auch das Leben in Christus verborgen ist, greift man zu menschlicher Ausbildung. Aber eine solche Ausbildung ist unzureichend, da es in der Regel der alte Adam ist, der ausgebildet wird. Die Ausbildung des Geistes geschieht durch Opfer, und die Opfer müssen von Gott selbst ausersehen werden. Bei dieser Ausbildung wird der alte Adam mit all seinen Theorien sein Leben verlieren. Aber in der Regel will er das nicht, und so wird er ein Hurenpriester anstatt ein Priester für Gott. Ein Priester muss Opfer darbringen können, aber alle Opfer liegen nun im Leib, und wo man am liebsten sein Leben behalten will, macht das Probleme. Aus demselben Grund ist auch niemand ein Priester, außer dem, der seine Opfer bringt. Auf diese Weise wird die Mehrheit unserer sogenannten Priester im Vergleich zu den von Gott ausgebildeten Priestern zu Laien. Die Priesterschulen Gottes finden wir in den Geschäften des alltäglichen Lebens. Treue hier macht uns zu Priestern in Ewigkeit. Hier gibt es keine Altersgrenze. Wir wollen hoffen, dass es auch innerhalb des Pfarrerstandes den einen oder anderen solchen Priester gibt. Dann sind sie aber nicht Priester aufgrund ihres Studiums, sondern weil sie geistliche Opfer darbringen.
