Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1929-05 - Die erste Liebe – der Rat Gottes in der Tiefe des Herzens

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Die erste Liebe – der Rat Gottes in der Tiefe des Herzens

„Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt.“ Offb. 2, 4.

Was ist die erste Liebe? Ob sie nicht das ist, dass man gerne die Stimme seines Geliebten hört, gerne nach dem Willen des Geliebten tut und mit Freude in dem heimlichen Rat des Geliebten steht? Was sollte sonst die erste Liebe sein?

Der Engel der Gemeinde in Ephesus hatte die erste Liebe verlassen. Er stand nicht mehr im Rat des Höchsten und freute sich nicht wie früher daran, die Stimme seines Bräutigams zu hören. Als Folge davon waren auch seine letzten Werke nicht wie die ersten. Wenn er auf diese Weise weiter machte und nicht Buße tat, dann würde Gott seinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte. Jesus befand sich mitten unter den sieben goldenen Leuchtern. Offb. 1, 13. Das heißt, dass der Leuchter, die Gemeinde, an ihrem Platz vor dem Angesicht Christi stand. Wenn der Engel der Gemeinde nicht Buße tun und die ersten Werke tun würde, dann würde Gott dessen Leuchter von seinem Angesicht wegstoßen, damit ein anderer Engel und eine andere Gemeinde, die besser waren, zusammen mit den sechs anderen Leuchtern den Platz einnehmen konnten.

Ob es nicht auch heute Gemeinden und Gemeindeengel gibt, die einmal vor dem Angesicht Christi standen, denen aber nun der Leuchter weggestoßen wurde, weil sie nicht die Stimme des Geistes in der Tiefe des Herzens hörten? Andere Gemeindeengel und andere Gemeinden sind auf ihren Platz nachgerückt und dann bleiben einem nur noch ein paar dürre Erinnerungen an die Herrlichkeit und das Licht, das man einmal hatte; dabei führt man Krieg und ist voller Hass und Neid auf die Gemeinde, die ihren Platz eingenommen hat. Der Hass Sauls auf David wiederholt sich, denn es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Der Engel der Gemeinde in Ephesus hatte viele gute Seiten, doch mit der Zeit war er mehr in der Gemeinde aufgegangen als in Jesus Christus selbst. Dies liegt zum Straucheln nahe, da die Gemeinde nicht immer so geistlich ist, wie sie sein sollte. Aus demselben Grund hat auch Jesus Petrus gefragt, bevor er ihm das Amt als Hirte in der Gemeinde gab: „Liebst du mich mehr als diese?“ Jeder Diener in der Gemeinde sollte in seinem Herzen antworten können: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich mehr liebe als diese. Wenn nicht, kann das Ohr für die Stimme Jesu Christi schwerhörig werden und offen für die Forderungen der Gemeinde. Die Folge wird, dass Jesus außerhalb der Gemeinde steht, wie er vor der Tür der Gemeinde in Laodizea stand und anklopfte. Offb. 3, 20.

Wenn der Engel der Gemeinde (Verteidiger, Fürsprecher, Vorsteher) die erste Liebe verlässt, dann wird er von etwas anderem als der Liebe zu Christus ergriffen. Das religiöse Geschäft steigt ihm in den Kopf und damit folgen Ansehen der Person, hoffärtiges Leben usw. Die Zahlungskräftigkeit tritt in den Vordergrund. Das Ansehen der Person endet oft in dem Betrüblichen, dass mitten in der Gemeinde ein Armenviertel und ein Viertel für die Oberschicht entstehen. Man bekommt ein Ost-London und ein West-End. Ein solcher Leuchter (eine solche Gemeinde) ist weggestoßen und das Verderben folgt auf dem Fuß in Form von Missgunst, Neid, Zank usw. Man hat den Verderber in die Gemeinde hineingelassen. Manasse frisst den Ephraim, Ephraim den Manasse, und sie beide miteinander sind gegen Juda. Sie verschlingen zur Rechten und leiden Hunger; sie fressen zur Linken und werden doch nicht satt. Jes. 9, 19-20. Die Verbindung durch den Heiligen Geist ist abgerissen. Es gibt keine Weissagung (göttliche Offenbarung) und das Volk wird zügellos. Spr. 29, 18. „Ein Knecht lässt sich mit Worten nicht in Zucht halten.“ V. 19. Das Ganze ist in einer babylonischen Verwirrung und Babel kann nicht geheilt werden. Man hat die erste Liebe verlassen und hat nur noch die Gnadengaben, während die Offenbarungen des Geistes und die göttliche Schau längst verschwunden sind.

Darum bekehre dich und tue die ersten Werke, bevor der Leuchter weggestoßen wird. Denn dann gibt es keine Hoffnung, dass eine solche Gemeinde jemals ganz zum Licht gelangt. Der Einzelne kann gerettet werden, indem er diese Gemeinde, deren Leuchter weggestoßen wurde, verlässt und sich stattdessen der Gemeinde anschließt, die in der ersten Liebe ist.

Wir müssen ganz bis zum einfachen Anfang zurückgehen, wenn wir uns zu der ersten Liebe bekehren wollen. Und unsere erste Liebe beweisen wir dadurch, dass wir seine Gebote halten. Um aber seine Gebote zu halten, müssen wir seine Stimme hören. Der Glaube kommt ja durch das Hören. Wir müssen daher zurück zur Liebe zur Stimme des Bräutigams – zum Wort Gottes – im Rat des Herzens. Denn das Wort Gottes ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Hebr. 4, 12. Hier haben wir Gelegenheit dazu, unsere Gedanken und Sinne in ihren geringen Anfängen zu richten, sodass die Gedanken Gottes und sein Sinn Eingang in unser Herz finden können. Treue gegenüber der Stimme Gottes im Innersten des Herzens ist die göttliche Lebensader, die Gottes Gemeinde Kraft und Licht zuführt. Bricht dies ab, bedeutet das Tod und Untergang. Hier ist der Altar und hier sind der Richter und das Gericht. Von diesem Altar fließt der Strom des Segens hinaus zum Volk und bringt Leben und geistliche Erquickung. Die Früchte der ersten Liebe breiten sich in der ganzen Gemeinde aus. Darum ist es lebensnotwendig für die Gemeinde, offene Ohren für das zu haben, was der Geist der Gemeinde sagt.

In Hiob heißt es: „Hast du im heimlichen Rat Gottes zugehört und die Weisheit an dich gerissen?“ Hi. 15, 8. Wenn einer Gemeinde Repräsentanten in diesem allerhöchsten Rat fehlen, dann ist sie zum Tode verurteilt, wie großartig sie finanziell auch blühen mag und wie groß ihre Mitgliederzahl auch sein mag.

David lobt den Herrn, der ihn beraten hat. Ps. 16, 7. Der Ratschluss des Herrn bleibt ewiglich. Ps. 33, 11. Es ist zwecklos, gegen den Ratschluss des Herrn zu kämpfen. Auch wird man niemals die Oberhand über die Zeugen des Herrn gewinnen, die ihre Befehle von seinem gesegneten Rat erhalten.

Ein Leben, das in den Ratschlüssen Gottes gelebt wird, ist ein Leben, das in der ersten Liebe gelebt wird. „Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.“ Ps. 73, 24. Hieraus verstehen wir, dass die Menschen, die sich vom Rat Gottes leiten lassen, in die Herrlichkeit aufgenommen werden. „Gott ist gefürchtet in der Versammlung der Heiligen, groß und furchtbar über alle, die um ihn sind.“ Ps. 89, 8.

Wenn man daher allen Rat Gottes fahren lässt und seine Zurechtweisung nicht will, dann wird auch der Herr lachen bei ihrem Unglück und ihrer spotten, wenn da kommt, was sie fürchten. Spr. 1, 24 ff.

„In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn.“ Spr. 19, 21.

Aus all diesem verstehen wir: fällt man vom Rat des Herrn ab, dann fällt man von der ersten Liebe ab. Daran kommt niemand vorbei, auch keine Gemeinde. Die Gesetze des Geistes stehen ewig fest und zu ihrer Kenntnis gelangt man durch Aufmerken und Gehorsam des Glaubens. Sich auf eine Erweckung zu verlassen, die vor vielen Jahren über Stadt und Land ging und darauf, dass man damals gesegnet war, ist Betrug, wenn man nicht genau jetzt und heute die Stimme Gottes hört und in seinem geheimen Rat steht. Denn Christus lebt, um jederzeit für uns einzutreten, um jederzeit zu uns zu reden und um uns jederzeit in alle Wahrheit zu leiten.

Der Apostel Paulus hat nichts verschwiegen, sondern hat der Gemeinde in Ephesus den ganzen Ratschluss Gottes verkündigt. Apg. 20, 27.

An dieser Skala sollte sich jeder Diener Gottes messen, ob er in dem Zustand ist, dass er die Prüfung besteht. Ist er das, dann wird er auch in der Lage sein zu sagen: „Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi!“ (LUT 1912)

Gottes Gemeinden sehnen sich nach solchen Dienern.