Der Epheserbrief
Erleuchtete Augen des Herzens
„Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens.“ V. 18.
Wenn das Herz hingegeben ist zu verstehen, beginnen sich die Augen für die inneren Werte zu öffnen. Das Erbe, das uns erwartet, liegt da umstrahlt von Gottes Licht und Gottes Erkenntnis. Verfinsterte Augen sehen nichts hiervon und können sich daher auch nicht darin freuen.
Dem Engel der Gemeinde in Laodizea wurde geraten, seine Augen mit Augensalbe zu salben, damit er sehen möge. Offb. 3, 18.
Wenn die Augen gesalbt werden, werden sie auch erleuchtet; aber die Augen allein könnten nichts ausrichten, wenn sie nicht dem Herzen zur Verfügung stünden, daher heißt es „erleuchtete Augen des Herzens“.
Nun kann jemand fragen: Wer hat erleuchtete Augen? Was ist das Kennzeichen dafür?
Wer einen offenen und wachen Blick für die Bedürfnisse des Einzelnen wie auch der Gemeinde hat. Wer seine Zeit mit Überlegung auf die beste Weise verwendet, um soviel wie möglich aus seinem Leben herauszuholen. Wer die Widerspenstigen im Auge behält und ihnen schon auf halbem Weg entgegentritt, bevor sie sich in ihrer ganzen Bosheit entwickeln können. Wer den Armen im Geist sieht und ihm hilft, mitten unter den Reichen, die seiner Hilfe nicht bedürfen. Wer ein Auge für denjenigen hat, der arm an Gütern ist, und ihm da hilft, wo er seine Not zu verbergen sucht. Wer sich derer entledigt, die nur um des Brotes willen mitlaufen. Wer dafür sorgt, dass Bewunderer weltlicher Größe in der Gemeinde nicht auf ihre Kosten kommen, dass aber die Genügsamen und Gottesfürchtigen zu Vorbildern werden, die der Nachfolge wert sind. Wer demjenigen einen Zaum in den Mund legt, der süchtig ist zu predigen, und die Zurückhaltenden hervorholt. Wer die Eitlen entlarvt und darüber wacht, dass die Korrekten nicht mit ihrer Korrektheit prahlen. Wer sich seiner Bewunderer nach dem Fleisch entledigt und Geschenke hasst.
Wer den Habsüchtigen Freigebigkeit predigt und den Verschwenderischen Genügsamkeit. Wer für die Aufgeblasenen ein Stein des Anstoßes ist und Intrigen im Geist mit dem ausgespannten Netz der Weisheit abfängt.
Wer fleischliche Erwartungen enttäuscht. Wer Schmeicheleien mit kaltem Wasser und reiner Liebe mit Gegenliebe begegnet. Wer nicht mehr verspricht, als er hält, und genau Rechenschaft führt mit dem, der Versprechungen gegeben hat. Wenn du deine Schulden bezahlst und zusiehst, dass diejenigen, mit denen du zu tun hast, hingehen und dasselbe tun. Wenn du die Schandflecken bei den Liebesmahlen erkennst. Jud. 12. Wenn die, mit denen du zu tun hast, spüren, dass du sie im Auge behältst.
Wer dies alles tut, von dem kann gesagt werden, dass er erleuchtete Herzensaugen hat. Mit erleuchteten Herzensaugen fühlt und leidet man, denn nicht einmal die Hälfte von dem, was man sieht, kann so in Ordnung gebracht werden, dass das Herz dadurch geheilt würde. Die Gottlosen zittern unter erleuchteten Augen, und der Tor zieht es vor zu schweigen.
Kein Wunder daher, dass an dem Tag, an dem Christus geoffenbart wird, die Gottlosen die Berge und Felsen anrufen, über sie zu fallen, um sie vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes zu verbergen. Es wird sich nicht der kleinste Schlupfwinkel finden, wo seine erleuchteten Augen sie nicht finden. Sein prüfender Blick durchschaut alles und alle.
Wer gesalbte und erleuchtete Augen hat, hat ein großes Erbe von seinem himmlischen Vater bekommen.
Man hat indessen nicht allein im Dienst nach außen, in der Gemeinde, Gebrauch für erleuchtete Augen, sondern auch wenn man hineinschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit, hinein in die zukünftigen Dinge und hinein in Christi vollbrachtes Werk.
Die Hoffnung erkennen
„Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.“ V. 18.
Hoffnung zu haben ist eine Sache, die Hoffnung zu erkennen eine andere. Durch den Geist der Weisheit und der Offenbarung in Verbindung mit erleuchteten Augen des Herzens werden wir die Hoffnung erkennen. Die Hoffnung wird lebendig, denn sie beinhaltet etwas Lebendiges. Die Herrlichkeiten und Rechte werden von Gottes Licht beleuchtet, die erleuchteten Augen schauen sie und das Herz glaubt und hofft darauf.
Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Kol. 1, 27. Es gibt nicht so viele verschiedene Hoffnungen, wie es verschiedene Meinungen gibt. Nein, wir sind berufen zu einer Hoffnung unserer Berufung. Eph. 4, 4.
Jeder, dessen Augen erleuchtet sind, gelangt zu derselben Hoffnung, jeder in seiner Berufung, denn es gibt nur eine einzige Hoffnung, weil es nur einen einzigen Erlöser gibt, einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe, einen Gott und Vater aller.
Die Herrlichkeit des Erbes verstehen
„Wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist.“ V. 18.
Die Hoffnung eignet sich das Erbe an. Die erleuchteten Augen des Herzens ruhen auf ihm, wir bewundern seine Größe und im Glauben ergreifen wir es mit unserem Verstand.
Der Mensch ist das Höchste von allem, was Gott geschaffen hat. Alle Dinge sind um seinetwillen geschaffen. Die Trauer ist groß, wenn einer unserer Lieben weggenommen wird. Im ewigen Leben werden wir nicht mehr voneinander gehen, wir bekommen einander zu ewigem Erbe und Besitz.
Jesus hatte seine Lust an den Menschenkindern, und um ihretwillen verließ er seine Herrlichkeit. Seine Lust ist nun unsere Lust geworden, darum lieben wir einander, und darum suchen wir, Menschen zu gewinnen. Es ist natürlich, wenn uns Gott zu Menschenfischern macht; denn in der Bruderliebe weitet sich die Liebe aus zu allen.
Jesus freut sich nicht an Silber, Gold und kostbaren Steinen. Er freut sich an seinen neuen Kreaturen, an diesen intelligenten Wesen voll von Weisheit und Erkenntnis Gottes. Er erbt uns, wie wir ihn und alle Dinge mit ihm erben. Sich vorzustellen, dass wir miteinander bei Jesus Christus ewig zusammensein dürfen – welche Geistesgemeinschaft miteinander und mit dem Vater und dem Sohn! Die vorigen Dinge sind vergangen, der Tod ist nicht mehr, nur Fürsorge füreinander, alle suchen das Wohlergehen anderer. Sich vorzustellen, eine Vielzahl an Heerscharen zu erben, die mir alle wohlwollen, Wesen, die in den Gesetzen der Liebe leben und weben, der Liebe, die nie vergeht und nicht das Ihre sucht. Niemand behauptet, etwas zu besitzen. Alle anderen sind unser Erbe, voll von Herrlichkeit, ein Erbe, das man in alle Ewigkeit verteidigt und beschützt. Niemand wird krank oder stirbt, alle haben ein ewiges Leben. Mahnt uns nicht diese Herrlichkeit unseres Erbes, schon in diesem Leben allen Egoismus aufzugeben, so dass wir schon jetzt in den Augen unserer Brüder deren herrliches Erbe sein können?
Die Kraft Gottes verstehen, mit der er in Christus gewirkt hat, als er ihn von den Toten auferweckt hat.
„Wie überschwänglich groß seine Kraft ist an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.“ V. 19-23.
Gott will, dass wir verständig sind und offene Augen dafür haben sollen, wie überschwänglich groß seine Kraft ist an uns, die wir glauben.
Die gewaltige Kraft, die Gott an Christus erwies, als er ihn von den Toten auferweckte, kann man nur in dem Maß verstehen, wie seine Auferstehungskraft in uns selbst wirksam ist. Wir wissen, wieviel wir leiden, ertragen und wovon wir dem Fleisch nach gelöst werden müssen, um zum Auferstehungsleben vorzudringen.
Durch seine Kraft vollführte der Vater dieses gewaltige Werk mit Christus, darum hat er ihn auch als seine Ehre und seinen Stolz zu seiner Rechten gesetzt.
Durch Christi Auferstehung ist der Vater Sieger über den mächtigen Eigenwillen des Menschen geworden. In ihrem Eigenwillen erklärt eine Nation der andern den Krieg. Tausende müssen leiden und sterben für diesen Eigenwillen. Welche Kraft muss das sein, die ihn besiegt hat! Was für Schreie, Tränen und Gebete hat es doch Jesus Christus verursacht, als er kämpfte und betete: „lst’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Nun werden wir im Leib seines Fleisches durch den Untergang desselben Eigenwillens zugunsten von Gottes Willen vereint, oder wie es heißt: durch den Tod.
Weil nun alle Reiche, Gewalt, Macht und Herrschaft in dieser Welt ihre Kraft im Eigenwillen haben, ist Jesus über diese Mächte gesetzt, weil er diesen Eigenwillen verleugnete. „Da sprach ich: Siehe, ich komme – im Buch steht von mir geschrieben –, dass ich tue, Gott, deinen Willen.“ Hebr. 10, 7. „Da hebt er das erste auf, damit er das zweite einsetze.“
Es ist keine Kleinigkeit für Gott, den Eigenwillen des Menschen wegzubekommen und den Willen Gottes an dessen Stelle zu setzen. Der Unterschied in der Kraft dieser Willen ist ebenso groß, wie sich die Kraft Gottes von der des Menschen unterscheidet. Wenn nun dieser Austausch der Willen nach den Gesetzen der Freiheit geschehen soll, können wir verstehen, welche großen freiwilligen Opfer unsererseits dargebracht werden müssen und wie viele verwunderliche Umstände Gott in unseren Weg schicken und welch große Langmut er erweisen muss.
Nun hat Gott Jesus Christus nicht allein über jeden Namen gesetzt, der in dieser Welt genannt wird, sondern auch über jeden Namen in der zukünftigen Welt. Das konnte er tun, weil kein anderer Name eine so große Prüfung erduldet und eine so große Treue bewiesen hat.
Kein anderer konnte dieses Werk ausführen, denn die Menschen waren von Satan gefangen genommen und hatten keine Kräfte, sich wieder von ihm zu befreien.
Der Herr und Meister der Schöpfung musste selbst herabkommen und den Starken binden, um ihn danach mit all seinen Werkzeugen hinauszuwerfen.
Christi Auferstehung war der Schlüssel für die Auferstehung der Gemeinde, denn um ihretwillen gab er sein Leben. Doch nun ist es so, dass die Natur um des Menschen willen da ist, und wenn der Mensch an der Auferstehung Anteil hat, dann hat das gleicherweise auch die Natur.
Darum sagt der Apostel: „Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.
Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.“ Röm. 8, 19-23.
Hieraus verstehen wir, dass unser Leib, der aus Erde und irdisch ist, das Schicksal mit der übrigen Natur teilen muss. Auch wir sehnen uns nach dem Tag, da dieses Verwesliche Unverweslichkeit und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird. Wir sehnen uns nach der Kindschaft bei Gott. Jetzt sind wir Fremdlinge, fern vom Herrn, solange wir in diesem Leib sind. Doch durch die Verwandlung werden wir ihm gleich werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Wenn nun Gott durch Christi Auferstehung uns und damit der Natur Hoffnung auf Herrlichkeit gab, dann beinhaltet dies, dass die Macht, die uns und die Natur fest an die Verweslichkeit band, durch die Auferstehung des Einen besiegt und zerschlagen ist. Wenn dem nicht so wäre, wäre unsere Hoffnung vergeblich. Der Kopf der Schlange ist zertreten, die Fürstentümer und Mächte sind besiegt. Darum hat Gott Jesus Christus über jede Macht und Gewalt gesetzt – zu seiner Rechten, um damit zu zeigen, dass er bereit ist, ihn zu noch mehr als seither zu gebrauchen.
All dies hat er für uns getan. O, herrliches Los in dir, unser geliebter Herr Jesus Christus; du trägst den Namen „Meister“ mit Ehren!
