Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1919-05 - Der Epheserbrief

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Der Epheserbrief

Neue Haushaltung – Gott fasst alles in Christus zusammen

Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.“ V. 9 und 10.

Wenn hier geschrieben steht, dass Gott uns das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss hat wissen lassen, dann gilt das solchen Personen, die sich beeinflussen und überzeugen lassen und die Unterweisung durch den Geist nach seinem Ratschluss annehmen. Gott überzeugt den Menschen, indem er an dessen freien Willen appelliert. Im Herz des Menschen wird Rat gehalten, inwieweit man die Dinge, von denen der Geist überzeugt, annehmen soll oder nicht. Nimmt man dann nach dem freien Ratschluss seines Herzens die Geheimnisse des Willens Gottes an, dann wird man Erkenntnis über die Haushaltung bekommen, die am Ende der Zeit alles in Christus zusammenfasst.

Wenn zwei heiraten, beginnen sie eine Haushaltung. Doch Christi Braut befindet sich noch in Ausbildung. In dem Maß wie sie zum Haupt hin wächst, bekommt sie Erkenntnis über die neue Haushaltung. Sie erörtert mit ihrem Bräutigam im Geist, wie alles sein soll. Der gegenseitige freie Ratschluss macht es interessant, und der Bräutigam erzählt seiner Braut die tiefsten Geheimnisse in der Haushaltung. Das Entstehen der Braut, ihr Wachstum und ihre Erkenntnis, dies alles geht im Verborgenen vor sich. Sie entsteht nach dem freien Ratschluss des Geheimnisses seines Willens und seiner schöpferischen Macht. Sie wächst unter den Vielen auf, von ihnen geschieden im Geist. Während diese sich abmühen, um etwas zu essen und zu trinken und etwas zum Anziehen zu beschaffen, hat sie eine Speise zu essen, die andere nicht kennen. Ihre Werke sind die feine Leinwand, rein und glänzend, die ihr gegeben wird, um sich damit zu kleiden. Offb. 19, 8. Die gottlose Welt versteht nicht, was da im Verborgenen direkt vor ihren Augen in gegenseitigem Verstehen nach dem freien Ratschluss seines Willens geschaffen und gebildet wird. Wenn die Braut zu ihrer Zeit für ihren Bräutigam offenbar wird, reich geschmückt mit leiblicher Schönheit und bekleidet mit glänzender, feiner Leinwand, wird Christus sagen können: Diesmal ist es Fleisch von meinem Fleisch und Gebein von meinem Gebein. Diese zwei sind nun eins.

Doch nicht nur Braut und Bräutigam sollten zusammengefasst werden – alles soll in Christus zusammengefasst werden, was im Himmel und auf Erden ist.

So wie die Welt jetzt aussieht, ist sie weit davon entfernt, in Christus zusammengefasst zu sein. Die Menschen sind von Satan betrogen und können nicht erfassen, was göttlich ist; sie sind weit entfernt und können den freien Ratschluss seines Willens nicht verstehen. Die Verstockung des Herzens ist ein Panzer gegen das Verstehen göttlicher Dinge. Doch wenn die Menschen Gottes Pläne und die neue Haushaltung auch nicht sehen können, sind sie trotzdem Gegenstand seiner Pläne. Gott wird jedem nach seinen Werken vergelten. Ein böses Werk kann nur von einem bösen Menschen getan werden und gute Werke werden von guten Menschen getan. Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Mt. 25.

Diese Trennung gehört auch zur Haushaltung. Jeder wird an den ihm gebührenden Platz gesetzt. Die zur Linken meinten von sich selbst, viel Gutes getan zu haben, und die zur Rechten waren gewöhnt zu hören, dass sie nichts Gutes taten. Es war ihnen so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie auch jetzt nicht darin einstimmen konnten, etwas Gutes getan zu haben. Gott fasst nun die Schafe und die Böcke in Christus zusammen, indem er ihnen nach dem freien Ratschluss seines Willens ihren Platz zuweist. Die zur Linken kommen in den Feuersee, der dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist. Er ist tatsächlich bereitet; derjenige aber, der alles bereitet, ist Gott. Die zur Rechten werden das Reich erben, das für sie vor Grundlegung der Welt bereitet ist. Hieraus verstehen wir, dass Gott von Anfang an, ehe die Welt war, sich nach seinem freien Ratschluss entschieden hatte, auf welche Weise er die Bösen gesondert und die Guten gesondert in der neuen Haushaltung haben wollte. Den Unterschied, der in der Realität besteht, wird er auf diese Weise Wirklichkeit werden lassen. Gott kann nicht ruhen, ehe dies geschieht. Wenn dann alles seinen rechten Platz gefunden hat nach Gottes Licht und Wahrheit, nach Seinem gerechten Urteil, dann ist auch alles zusammengefasst in ihm, der die Wahrheit selbst ist, Jesus Christus. Der Wille Gottes ist es, der zusammenfasst. Gehorchen wir diesem, dann profitieren wir davon, gehen wir aber unsere eigenen Wege, verlieren wir. Wer sich seinem Willen widersetzt, stellt sich selbst außerhalb von ihm – in weite Ferne, und es ist gerecht von Gott, die betreffende Person an den Ort hingelangen zu lassen, an dem sie selbst gewählt hat zu sein.

Jeder wird nach seinen Werken Lohn empfangen, sei es innerhalb der Erlösung oder innerhalb des Verderbens. Man wird dahin gesetzt, wo man in Wahrheit hingehört. Das bedeutet es, in der Wahrheit, in Christus zusammengefasst zu werden. Gesegnete Haushaltung. Dann hört es auf, durch Heucheln und Schmeicheln höher hinauf zu kommen, als man es wert ist. Sein Leib, die Gemeinde, die einen gewaltigen Kampf gegen alle diese Ungerechtigkeit gehabt hat, bekommt nun auch völlige Ruhe in ihm, weil jeder dort platziert ist, wo er sein soll, und nicht, wo er selbst meint hinzugehören. Nicht einmal die Hölle kann etwas gegen diese Haushaltung einwenden. Jedes Knie wird sich beugen, jedes an seinem Ort, und bekennen, dass Christus ein Herr zur Ehre Gottes, des Vaters, ist.

Er fasst zusammen – nicht allein, was auf Erden, sondern auch was im Himmel ist. Es ist eine bekannte Sache, dass auf der Erde viel zu verbessern und zu regeln ist; es ist jedoch weniger bekannt, dass es im Himmel Dinge gibt, die zu ihrer Zeit auch zusammengefasst werden sollen.

Der Dienst der Engel für uns ist abhängig von unserem freien Ratschluss, von Gottes freiem Ratschluss sowie von Christi Blut. Es herrscht im tiefsten Verständnis kein Frieden im Himmel, solange nicht der Wille Gottes auf Erden wie im Himmel geschieht. Man kann den Heiligen Geist betrüben, indem man ihm widersteht. Ebenso herrscht Freude im Himmel über jeden Sünder, der sich bekehrt. Dies zeigt deutlich, dass der Himmel aufmerksam verfolgt, was auf der Erde vor sich geht, und an deren Leiden und Freuden teilnimmt. Der Geist ist vom Himmel. Er vereint sich mit dem Wasser und dem Blut, die der Erde angehören. Wenn das Blut alles und alle diejenigen gereinigt und versöhnt hat, die gereinigt und versöhnt werden wollen, und wenn alle diejenigen die Erlösung verworfen haben, die sie verwerfen wollen, dann hat Gott Material, um alles in Christus zusammenzufassen.

In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens.“ V. 11.

Abraham erlangte durch Glaubensgehorsam die Verheißung, dass er der Erbe der Welt sein sollte. Röm. 4, 13. Es sieht für unsere Augen so aus, als ob die Gottlosen die Welt besäßen, denn sie genießen alle ihre Herrlichkeiten und machen sie sich zunutze, als ob sie ewig hier unten leben würden. Es ist jedoch nicht diese Welt, die Abraham erbt, denn diese Welt und ihre Lust vergehen. Das wäre ein schlechtes Erbe. Nein, Gott schafft eine neue Erde, in der Gerechtigkeit wohnt. Der durch Glauben gerechte Abraham wird Erlaubnis bekommen, seine Zelte auf der neuen Erde aufzuschlagen und sein Erbteil auf der neuen Erde in Besitz zu nehmen. Und nicht allein Abraham, sondern alle diejenigen, die von ihren Sünden im Blut des Lammes gewaschen wurden.

Abraham hat irdische Verheißungen. Es wird herrlich werden auf der neuen Erde, denn dort wird Gerechtigkeit wohnen. Alles Leiden und alle Pein sind gewichen.

Gott schafft nicht nur eine neue Erde, er schafft auch einen neuen Himmel, in dem Gerechtigkeit wohnt. Das Land, das wir erben, liegt nicht unten im Palästina der Juden. Es liegt im Himmelreich, das aus Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist besteht. Unser Leib ist das Einsatzgebiet für Gottes Arbeit. Die Wirkungen des Geistes bringen Weisheit und Kraft; auf diese Weise gestaltet der Geist uns zu Gottesmenschen um, die imstande sind, die großen Reichtümer, die Gott für uns aufbewahrt hat, zu erben. Je größer und reicher das Erbe ist, desto umfangreicher muss die Ausbildung sein, die Gott uns bereits in den Tagen unseres Fleisches beibringt. Das Licht ist nicht das Erbe selbst, aber das Erbe liegt im Licht. Es ist schon jetzt hier auf der Erde beträchtliche Weisheit nötig, um in Gottes Gemeinde recht zu wandeln, wieviel dann erst, um mit unserem herrlichen Erbe richtig umzugehen.

Unser Leib und die Weisheit darin sind wohl die herrlichsten aller Gaben, aber das ist nicht das eigentliche Erbe, ebenso wenig wie man mit Erbe den eigenen Körper hier auf Erden meint, wenn man von Erbe spricht. Wenn alle Dinge uns gehören, dann ist alles außerhalb von mir selbst gemeint, denn ich selbst gehöre Christus und kann mich nicht in mir selbst freuen, denn die Liebe ist nicht von dieser Beschaffenheit. Also schließen wir daraus, dass uns alle Heiligen gehören, alle Apostel und Propheten, ja Gott selbst und unser Herr Jesus Christus gehören uns. Nur eine einzige Person besitzen wir nicht: wir besitzen nicht uns selbst, denn wir gehören nicht uns selbst, sondern Christus, gleichwie er Gott gehört.

Wenn nun die Personen so weisheitsvoll ausgebildet und so erfüllt von Herrlichkeit sind, wie muss dann nicht alles, was für diese herrlichen Wesen geschaffen wird, von Herrlichkeit erfüllt sein. Wir können unser Erbe in dem Maß wertschätzen, wie wir Verstand und Einsicht haben, dessen Wert zu beurteilen. Diese Weisheit und Einsicht ist jedoch individuell und beruht auf persönlicher Treue und Folgsamkeit in diesem Leben.

Auserwählte Diener

In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind. Während Saulus noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn schnaubte und auf dem Weg nach Damaskus war, wurde er plötzlich von einem strahlenden Licht vom Himmel umgeben. Dieses war so stark, dass er drei Tage lang blind war und weder aß noch trank. Gott führte dann durch ein Gesicht Ananias zu ihm, damit dieser ihm die Hände auflegen sollte, sodass er wieder sehend wurde. Bevor dies aber geschah, sagte Ananias: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wieviel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat; und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangenzunehmen, die deinen Namen anrufen. Der Herr aber sagte zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel. Apg. 9.

Gott kannte Saulus von Tarsus, während dieser noch gegen die Heiligen schnaubte. Er hatte ihn bereits auserwählt, er hatte ihn zu dem Werkzeug ausgebildet, das er sein sollte. Doch im Unglauben war Saulus falsche Wege gegangen. Gott wusste, dass er in Saulus einen Mann hatte, in dessen Geist kein Falsch war, dass er kein feiger und weichlicher Mann war. Es gab ja massenweise Christen zu jener Zeit, doch niemand anderes wurde zu diesem großen Werk, das Furchtlosigkeit verlangte, auserwählt als Saulus von Tarsus. Er war so wahrheitsliebend, dass er Gottes Wort auszuführen imstande war. Darum sagte der Herr, der ihn im Voraus kannte: Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen.

Gott kann nicht irgendjemanden zu großen Werken erwählen, denn sie versagen an dem Tag, an dem Gott ihnen zeigen will, wieviel sie um des Namens Jesu willen leiden müssen. Niemand hat je ohne Prüfungen und Leiden Licht und Weisheit von Gott bekommen. Es sind solche geprüften Menschen, die am Tag der Schlacht bestehen und die geeignet sind, Anführer für das Volk des Herrn zu sein.

Von Jakob und Esau heißt es: Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, da wurde, damit der Ratschluss Gottes bestehen bliebe und seine freie Wahl – nicht aus Verdienst der Werke, sondern durch die Gnade des Berufenden –, zu ihr gesagt: „Der Ältere soll dienstbar werden dem Jüngeren“, wie geschrieben steht: „Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“ Röm. 9.

Gottes Geist – der Geist der Wahrheit – ergreift den Menschen nie mit Gewalt, sondern er überführt und weist zurecht. Es ist gehörige Liebe zur Wahrheit nötig, um seine leise Rede in der Tiefe des Herzens zu hören. Gott wusste im Voraus, dass Esau eine Person war, die Gottes Geist widerstand, dass er sein Erstgeburtsrecht verachtete usw. Darum hasste Gott ihn, noch ehe er geboren war. Gott kennt und richtet die verborgenen Ratschlüsse des Menschen, ehe dieser aus dem Schoß der Mutter hervorkommt. Nach derselben Vorsehung sind wir dazu auserwählt, zum Lob seiner Herrlichkeit zu sein, daher sollen wir nun unsere Berufung und Auserwählung festmachen. Alles liegt an uns in der Gnade, in der wir stehen, und wir können weit in Gottes Reich hineindringen, wenn wir dies selbst wünschen. Hier leben wir nach dem vollkommenen Gesetz der Freiheit. Josefs Träume von der Sonne, dem Mond und den zwölf Sternen, die sich vor ihm neigten, zeigen, dass Gott ihn zur Erlösung Israels aus großer Hungersnot auserwählt hatte. Die Kämpfe mit dem Löwen und dem Bären befähigten David, den Kampf gegen Goliath aufzunehmen. Darum sagt er auch: Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von diesem Philister. Gott hatte ihn von Geburt an zu seinem Werk auserwählt, und er begann, Davids Hände schon von Kindesbeinen an für den Krieg zu lehren. Darum konnte Husai, als er Absalom einen Rat erteilte, von David in dessen alten Tagen sagen: Du weißt, dass dein Vater von Jugend an ein Kriegsmann ist, so dass er nicht bei dem Volk übernachten wird. 2. Sam. 17, 8.

Zu Jeremia sagt der Herr: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Jer. 1, 5.

Alle Ältesten Israels versammelten sich und kamen nach Rama zu Samuel und sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen. So setze nun einen König über uns, der uns richte, wie ihn alle Heiden haben. Das missfiel Samuel, dass sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte.

Der Herr aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll. 1. Sam. 8, 4-7.

Die Menschen sind sich zu allen Zeiten gleich geblieben. Sie wollten einen König über sich haben, weil alle die anderen Völker einen König hatten. Es war ein Kreuz, anders zu sein als alle die anderen. Sie bekamen einen König, aber es geschah nicht nach Gottes gutem und wohlgefälligem Willen.

Gott erwählte für sie einen Mann nach ihrer eigenen Vorstellung von Königswürde, denn Saul war ein junger und schöner Mann; es war niemand unter den Israeliten so schön wie er, eines Hauptes länger als alles Volk. 1. Sam. 9, 2.

Aber wir wissen, wie es Saul erging: er fiel, als es galt zu stehen. Israel hatte den Herrn erzürnt, indem es einen König haben wollte, und er erwählte einen Mann ihresgleichen für sie. Sie wurden auf lange Sicht mit ihm zuschanden.

So erwählt Gott einen Pharao, um an ihm seine Macht zu erweisen, einen Judas, um uns die Falschheit des Menschen zu zeigen usw. Alles geschieht, damit letztendlich Gott verherrlicht wird.

Infolge Gottes weisem Ratschluss liegt das Erbe im Licht. Es liegt im Gericht. Daher wird auch Gottes Erbe, sein auserwähltes Volk des Eigentums, im Gericht zum Werk des Dienstes ausgebildet und tüchtig gemacht.

Das Werk lobt seinen Meister

Damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben.“ V. 12.

Ein Künstler wird durch sein Werk gepriesen. Je feiner die Arbeit ausgeführt ist, desto tüchtiger ist der Künstler. Ein Sünder, der aus Gnade erlöst, mit Gottes Geist erfüllt und nach dem Bild seines Meisters geformt ist, ist ein unvergleichbares Kunstwerk. Je mehr ein Mensch sich von Gottes Natur und von Christi Tugenden aneignet, desto mehr wird Gott durch diesen Menschen geehrt. Gottes Geheimnis, Gottes verborgene Weisheit, hat Gott von Ewigkeit her zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt. 1. Kor. 2, 7. Gottes mannigfaltige Weisheit soll nun durch die Gemeinde den Mächten und Gewalten im Himmel kundwerden. Diesen ewigen Vorsatz hat Gott ausgeführt in Christus Jesus, unserm Herrn.

Wir sind das Material, er der Künstler. Unser Wille ist der Widerstand im Material. Ist der Eigenwille stärker als Gottes Wille, geht es uns wie dem Ton in der Hand des Töpfers: er bricht und muss zu einem andern Gefäß umgeformt werden. Daher – je schneller wir lernen zu sagen: Nicht wie ich will, sondern wie du willst, desto schneller werden wir nach seinem Bild geformt, zum Ruhm dessen, der uns schuf.

Gegen alle Hoffnung mit Hoffnung

Der Apostel sagt: Wir, die im Voraus auf Christus gehofft hatten. Ob wir nicht weiterhin auf ihn hoffen? Doch, wir hoffen weiterhin auf ihn. Doch während der Gleichgestaltung in sein Bild erfüllt sich die Hoffnung in dem Maß, wie Christi Tod wirksam wird und man die in der Hoffnung erstrebte Gerechtigkeit Christi erreicht. Während unserer Wanderung lässt uns die Hoffnung nicht zuschanden werden, ebensowenig wie die endgültige Erfüllung der Hoffnung uns an dem Tag zuschanden werden lässt, an dem wir ihm gleich sein werden und ihn sehen werden, wie er ist. Während der Wanderung findet die Hoffnung Erfüllung durch den Glauben. Wenn der Glaube kommt, können wir sagen, dass die Hoffnung uns nicht zuschanden werden ließ. Doch ist der Glaube, solange wir in diesem Leib sind, in sich selbst eine Hoffnung, die mit voller Gewissheit erwartet, dass die Herrlichkeit leibhaftig gemacht wird, die man bereits im Geist hat. Jetzt ist das Leben verborgen, aber es wird einmal für alle offenbar werden.

Abraham glaubte „auf Hoffnung“, „wo nichts zu hoffen war“, dass er der Vater vieler Völker würde. Röm. 4, 18. „Auf Hoffnung“ hofft man aufgrund einer Verheißung; als aber die Verheißung kam und uns durch die Errettung und Erlösung im Blut Christi gegeben wurde, da verschwand „auf Hoffnung“ und wurde ersetzt durch „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“.

Durch Christi Blut wird unsere Seele in den Tod ausgeschüttet. Dadurch wird der Menschengeist vom Fleisch befreit und vom zweiten Adam lebendig gemacht. Man erlangt dadurch völlige Ruhe im Geist und gelangt zu der Hoffnung, auf die man „mit Hoffnung“ hoffte. Denn durch den Glauben warten wir im Geist auf das, worauf uns die Gerechtigkeit Hoffnung gibt. Gal. 5, 5. Die erste Hoffnung lässt uns teilhaben an Christi Werk „für uns“, die letztere an Christi Werk „in uns“. Denn was für uns getan wurde, soll allezeit durch das Treiben des Geistes und den Gehorsam des Glaubens in uns getan werden. Ist die Gerechtigkeit aus Glauben erreicht, warten wir im Geist weiterhin auf das, wovon uns diese Gerechtigkeit Hoffnung gibt. Je mehr – durch Glauben – erreichte Gerechtigkeit, desto größere und herrlichere Hoffnung; die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.