Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1918-07 - Jesus allein oder ich allein

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Jesus allein oder ich allein

„Wenn du einen siehst, der sich weise dünkt, da ist für einen Toren mehr Hoffnung als für ihn.“ Spr. 26, 12.

Es liegt im Menschen sich einzubilden, dass er etwas mehr sei, als er wirklich ist. Und wo er ist, ist er in der Regel nicht; sondern er befindet sich in seiner Phantasie an einem ganz anderen herrlichen Ort. Deshalb wird es ihm so lästig, da zu sein, wo er ist.

Dies gilt nicht nur für die Gottlosen; in der Regel sind christliche Menschen von demselben betrogen. Es erscheint einem allzu gering, mit einem einzelnen Menschen über Gott zu sprechen. Man braucht einen großen Saal und eine große Menschenmenge; denn in seiner Phantasie träumt man von großen Erweckungen, und kommt sich dabei wie ein Billy Sunday vor, der vor Tausenden von Menschen spricht. Solche Träumer werden nie ein Werkzeug für Gott. Wenn dir die Männer, die der Herr auf Erden gebraucht hat, von ihren Lebensumständen erzählen würden, dann würdest du sehen, dass sie ziemlich chemisch rein von Träumereien waren. Die geistlich Ärmsten sind es, die Gott gebrauchen kann, solche, die sind, wo sie sind, und die sich kaum für tauglich halten, die geringsten Dienste auszuführen. Solltest du daran zweifeln, dann lies von Mose und Jeremia. Judas schreibt von Träumern, die ihr Fleisch beflecken, jede Herrschaft verachten und die himmlischen Mächte lästern. Jud. 8.

In ihren Träumen schweben sie so hoch oben, dass sie sogar jede Herrschaft und die himmlischen Mächte so gering sehen, dass sie diese lästern.

Wir haben jede Menge Prediger, die in ihrer Phantasie sehr hoch oben schweben. Sie verstehen sich auf alles zwischen Himmel und Erde. Deshalb umgeben sie – wenn nicht direkt, so doch indirekt – ihre eigene Person mit einer Glorie, sodass man nach der Predigt den Prediger vor seine Augen gemalt sieht. Christus kann man kaum erkennen. Zwar ruft man „Jesus allein“; aber wenn man sich umsieht, findet man meist niemand anderes als den Prediger allein.

Religiöse Zeitschriften gleiten ab in dieselbe Spur. Ich war der Meinung, dass eine christliche Zeitschrift die Aufgabe hätte, aufzubauen, niederzubrechen und Gottes Werk und Willen auszuführen. Nun ist man aber so beschäftigt mit „sich selbst allein“ anstatt, wie sie mit dem Mund sagen, mit „Jesus allein“, dass Tausende von Menschen von ihren vielen Reisen hierhin und dorthin lesen sollen! Kürzlich schrieb der Redakteur einer Zeitschrift davon, dass sein Großvater einer der Männer war, die 1814 in Eidsvold [an der Landesverfassung] mitwirkten. Ich hatte geglaubt, dass Leute, die von sich sagen, dass sie mit „Jesus allein“ zu tun haben, soweit erlöst seien, dass sie nicht Geschlechtsregistern nachhingen wie die jüdischen Fabelerzähler. Wieviel Erlösung und Erbauung liegt darin, vom Wirken unserer Großeltern zu hören? Wäre dieser Großvater ein gewöhnlicher Arbeiter gewesen, dann hätte man ihn, selbst wenn er gottesfürchtig und viele Worte wert gewesen wäre, kaum mit einem Wort erwähnt.

Die Prediger in unserem Land haben Augensalbe nötig, damit sie sehen können. Die Torheit geht mit ihnen durch. Weltlicher Glanz ist begehrenswert, und der Glanz des Großvaters soll über die Enkel strahlen. Weltlichen Glanz muss man haben, selbst wenn man im Geschlechtsregister weit zurückgehen muss. Ist dies Freiheit? Ob dies nicht erneut die alte jüdische Knechtschaft ist?