Wie man in der Gemeinde wandeln soll
Nun, da die Gemeinde wächst, zeigt es sich, wie schwierig es ist, im Haus Gottes zu wandeln, das die Gemeinde des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit. 1. Tim. 3, 15.
Besonders an die Diener in der Gemeinde werden hohe Anforderungen gestellt. Sie sollen ehrbar sein, nicht doppelzüngig, nicht vielem Weingenuss ergeben, nicht nach schändlichem Gewinn strebend.
Denk nur daran, dass sie „ehrbar“ sein sollen. Wie viel liegt doch in diesem kleinen Wort. Sie sollen nicht doppelzüngig sein. Das bedeutet: Man soll sich auf das, was sie sagen, verlassen können. Es gehört übrigens zur Ehrbarkeit, nicht doppelzüngig zu sein. In den südlichen Ländern, wo zum Essen Wein getrunken wird, könnte es passieren, dass jemand eine Neigung dazu bekommt, viel Wein zu trinken. Das passt nicht zu einem ehrbaren Diener in der Gemeinde, der seine Neigungen, in welche Richtungen diese auch gehen mögen, steuern können sollte.
Er soll nicht nach schändlichem Gewinn streben. Wie viele zerstören doch sich selbst durch dieses Laster, das in der Welt nicht als Laster, sondern eher als Ehre angesehen wird. Die Lust nach schändlichem Gewinn nimmt alle Zeit in Anspruch, sodass man kaum Gelegenheit dazu findet, über Gottes Gesetz nachzusinnen. Sirach sagt, dass man Weisheit in gelegener Freizeit erlangt. Wie kann jemand weise werden, der Tag und Nacht mit seiner irdischen Arbeit beschäftigt ist? Nach ihm wird man weder im Tor noch im Rat der Weisen fragen.
Sie sollen das Geheimnis des Glaubens in einem reinen Gewissen bewahren. Das bedeutet nicht weniger, als dass sie in all ihrem Tun und Lassen eine innere Überzeugung haben müssen, dass das, was sie tun, vor Gottes Angesicht recht ist. Es liegt viel verborgen in diesem kurzen Vers. Wenn man im Dienst ein reines Gewissen bewahren will, muss man sich darauf einstellen, Böses ertragen zu können. Man muss sich daran gewöhnen, Christi Schmach als Ehre und Ansehen zu betrachten. Das Böse kann nicht mit Bösem überwunden werden, aber es kann mit Gutem überwunden werden. Es kann nicht ein Teufel einen anderen Teufel austreiben.
Für einen Diener in der Gemeinde ist es nicht genug, dass die Gestalt der Lehre richtig ist. Von den Pharisäern konnte Jesus auch sagen, dass man tun sollte, was sie sagten, aber nach ihren Werken sollte man nicht handeln. Paulus rühmt Timotheus, weil er ihm in der Lehre gefolgt war, d. h. er hatte die Lehre befolgt und war in ihr gewandelt. Auf diese Weise lernte er die Lehre kennen, die von Gott war. 2. Tim. 3, 10. Darum fügt er hinzu: „in meiner Lebensführung“. Folgen wir der Lehre, dann entsteht ein apostolischer Wandel in der Gemeinde. „Du bist mir gefolgt im Streben.“ Welch edle Motive Paulus doch hatte; diesen war Timotheus nachgefolgt. Hieraus können wir verstehen, wie genau der Apostel in allem mitfolgte.
„Du bist mir nachgefolgt im Glauben.“ Wie unerschütterlich bis zum Tod war doch der Glaube des Apostels und wie fest und gestählt wurden alle seine Werke in diesem Glauben! Welch eine Festigkeit kam da in seinem Wandel in Gottes Gemeinde hervor! Wie groß doch Gottes Wohlgefallen über dem Ganzen war!
„Du bist mir gefolgt in der Langmut, in der Liebe, in der Geduld.“
Wer kann von sich sagen, hierin rein zu sein? Wer kann sagen: Ich bin dem Apostel nachgefolgt in der Langmut, in der Liebe und in der Geduld? Von einem Diener des Herrn wird in seinem Wandel in der Gemeinde des lebendigen Gottes viel verlangt. Die Liebe ist langmütig, sie duldet alles. Lieben wir Gottes Gemeinde, dann dulden wir alles für ihr Wohlergehen. Die Liebe hofft alles. Man hofft, dass aus dem Widerwilligsten und Kümmerlichsten etwas wird. Aus diesem Grund kann man Geduld und Langmut erweisen. Begegnet man Härte mit Härte und fordert man Gehorsam, weil man ein Diener ist, dann wird man geradezu ein Herr und Herrscher. Auf diese Weise soll man nicht in Gottes Haus wandeln, sondern so, dass man ein Vorbild der Herde wird. 1. Petr. 5, 3.
Du aber bist mir nachgefolgt in den Verfolgungen, in den Leiden. Was für ein göttliches Leben dieser Wandel doch mit sich bringt. Wie würden die Gemeinden blühen und gedeihen, wenn diese göttliche Gesinnung herrschen dürfte! Wenn die Diener in der Gemeinde nach dieser Richtschnur vorgehen, dann werden sie auf ganz natürliche Weise innerhalb der Gemeinde geachtet und geehrt werden. Das gute Verhältnis muss zuerst von Seiten der Diener in der Gemeinde erwiesen werden, so werden sie Vorbilder und die ganze Gemeinde wird auf ganz natürliche und einfache Weise nachfolgen. Wir sehen aus der Geschichte Israels: Waren die Könige gottlos, zogen sie das Volk mit sich. Waren sie jedoch gottesfürchtig, zogen sie das ganze Volk in Richtung Gottesfurcht.
Die Diener in der Gemeinde soll man zuvor prüfen, ob sie treu sind, und wenn sie untadelig sind, sollen sie den Dienst in der Gemeinde versehen. Man kann einen jüngeren Bruder nicht, weil er eine Redegabe hat und Schriftstellen verwenden kann, als Diener in der Gemeinde in biblischem Sinn betrachten. Er soll zuerst geprüft werden und soll seine Prüfung in Treue bestanden haben. Es ist ein Fehler, wenn sich die älteren Geschwister – ohne zu prüfen – gleich auf Anordnungen oder Ratschläge verlassen, die von einem jüngeren, ungeprüften Diener des Herrn kommen. Jeder muss nachdenken und prüfen, was gesagt wird. Wenn dann jeder den Frieden und die Liebe Christi regieren lässt, dann wird es gut gehen, sei es in der Stellung als Gottes Mitarbeiter – oder als Gottes Ackerfeld.
