Wo sind die treuen und klugen Diener?
„Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.“ 1. Kor. 4, 1.
Wer kann in unseren Tagen von sich sagen, dass er ein Haushalter über Christi Geheimnisse ist? Wer kann sagen: Folge mir nach, wie ich Christus nachgefolgt bin? Wenn es jemanden gibt, dann hat ein solcher Anrecht darauf, gehört zu werden, er ist geschickt als Diener in der Gemeinde des lebendigen Gottes.
„Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.“
Ich bin sicher, dass wenn in unserer Zeit etwas fehlt, so sind es Haushalter über Gottes Geheimnisse. Um Haushalter über Gottes Geheimnisse zu sein, muss man diese selbst besitzen. Gott vertraut seine Geheimnisse nicht irgendjemandem an. Selbst ein Mensch vertraut seine Geheimnisse nicht jedem an. Wenn man nun Haushalter über diese sein will, dann muss man ziemlich viel von ihnen besitzen, damit man der Person, die Bedarf dafür hat, etwas geben kann und dass man dies zu dem Zeitpunkt tun kann, zu dem es nötig ist.
Jesus spricht: „Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint. Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr über seine Leute gesetzt hat, damit er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.“ Mt. 24, 44-47.
Hier bezieht sich Jesus auf die letzten Zeiten. Man muss wohl sagen, dass wir zu den letzten Zeiten gekommen sind; aber wie steht es um die Haushaltung über Christi Geheimnisse? Die Prediger – so gut wie alle – predigen für Sünder, weil sie den Kindern Gottes nichts zu geben haben. Sie wissen nicht einmal, dass so etwas existiert, was Christi Geheimnisse heißt, es sei denn, dass sie dem Buchstaben nach etwas davon gelesen haben. Das Ganze liegt in einem traurigen Zustand darnieder. Aber in einer Schar der Toten kann man Pfarrer, Pastor, Prediger sein, oder wie man es auch nennen mag. Spr. 21, 16. Aber wenn Christus offenbart wird, hilft das, was man gewesen ist, wenig, wenn man kein treuer Haushalter über Gottes Geheimnisse gewesen ist. Wenn man errettet wird – ohne dies zu sein – bekommt man keinen Lohn für das, was man tat. Es war nur ein Broterwerb, weshalb man seinen Lohn bereits bekommen hat, ebenso wie ein Schuhmacher oder Schmied seinen Lohn für seine Arbeit bekommt.
Wir möchten niemandem vorwerfen, dass er die Geheimnisse Gottes nicht besitzt, ohne dass wir darauf hinweisen, wie man diese finden kann. Lies 1. Tim. 3, 16:
„Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, usw.“ Das Geheimnis wird das Geheimnis der Gottesfurcht genannt. Es besteht also die Möglichkeit, durch Gottesfurcht die Geheimnisse Christi anvertraut zu bekommen. Das Erste, was das Geheimnis beinhaltet, ist: Christus im Fleisch geoffenbart. Nur durch Gottesfurcht wird das Leben Christi im Fleisch geoffenbart. Wir alle haben wohl religiöse Menschen in allen Parteiungen gesehen, die durch ihren Wandel, ihre Kleidung und ihr ganzes Wesen, vielleicht mit einer Pfeife im Mund, der Welt so nahe sind, dass es weit davon entfernt ist, dass in solchen Personen Christus geoffenbart im Fleisch sichtbar wird. Doch haben wir auch einen von den Wenigen gesehen, einen aus Tausenden, in dem Christus mehr als gewöhnlich Gestalt angenommen hat. Möchte man über tiefere geistliche Dinge sprechen, dann muss man zu den Letztgenannten gehen. Hier darf man nicht irren, denn manche haben sich durch jahrelange Heuchelei eine Maske angeeignet, die leicht betrügen kann. Von einer o. g. Person wird die Erkenntnis Christi ausstrahlen. Was er hat, hat er aufgrund von Gehorsam und Treue. Es wurde für ihn eines Tages zum Trost, dass auch Jesus sich selbst verleugnen und erniedrigen musste. Er fand heraus, dass sein treuer Erlöser ihm in der Erniedrigung, im Gehorsam, in der Selbstverleugnung gleichgestellt war. Denke darüber nach, wie groß das ist! Dies ist Christus geoffenbart im Fleisch. Wo befindet sich Jesus für den großartigen Prediger? Ja, hunderte von Meilen über den Wolken. Der Gottesfürchtige und Arme hat ihn zu seiner Rechten geoffenbart im Fleisch. „Denn er steht dem Armen zur Rechten, dass er ihm helfe von denen, die ihn verurteilen.“ Ps. 109, 31.
Theologische Schulen können einer Seele also keine Erkenntnisse über die Geheimnisse Christi beibringen, auch Beredsamkeit und Kunst des Predigens können dies nicht. Das kann alleine die Gottesfurcht.
Diejenigen, die Haushalter über Gottes Geheimnisse sein wollen, müssen also gottesfürchtige Menschen sein. Übrigens ist es völlig klar, dass Gott niemand anderen dazu einsetzt, seinen Hausgenossen Speise zur rechten Zeit zu geben. Das Volk Gottes braucht Speise. Sünder brauchen Vergebung. Zahlreich sind die, die Sündern predigen, aber wie viele geben Speise??
Als es für mich Zeit war, dass ich Speise brauchte, bekam ich Schläge und Hiebe. Es fand sich kein Einziger, der mir geistliche Nahrung gab. Ich sah mich um als ein armer, ausgehungerter Jugendlicher, ob es nicht doch einen einzigen gäbe, der mich verstand, doch nein, es gab keinen. Die Prediger waren die Ärgsten darin, mich wegzujagen. Doch Gott sei gedankt, er verließ mich nicht. Er führte mich durch Feuer und Wasser, damit ich mich reinigen sollte. Danach begann Gottes Geist seine Arbeit der Erleuchtung in meinem inneren Wesen; und es dauerte nicht länger als ca. zwei Monate, bevor ich den Kindern meiner Mutter fremd geworden war. Es gab keinen Raum mehr für mich im Herzen und in der Versammlung der Prediger. Aber es ging mir wie dem Blindgeborenen: draußen auf der Straße traf er Jesus. Da außerhalb von allem Wesen von Parteiungen traf auch ich ihn täglich. Kein Wunder also, dass geschrieben steht: So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager. Es ist wahr, dass er uns nicht als Waisen zurücklässt – auch wenn wir keine Menschen im Fleisch haben, die wir als unsere geistlichen Väter ehren können.
Willst du vom Geist lernen, so schicke deine Seele zur Anfechtung, höre und gehorche. Komme zur Ruhe in deinem Geist. Lass dir Ehre und Unehre um die Ohren pfeifen, als ob es dich nichts anginge. Nimm täglich dein Kreuz auf dich, und hast du eine Wahrheit erkannt, dann verteidige sie mit dem Schwert. Siehe nicht die Person an und setze dein Vertrauen nicht auf Pfarrer und Prediger. Die meisten von ihnen lassen sich für eine Summe Geld anheuern. Die Errettung deiner Seele ist wohl mehr wert als deren Geschäfte mit den Anliegen der Seelen.
Selig ist jeder, der bei der Wiederkunft Jesu Christi darin erfunden wird, den Jüngern des Herrn zur rechten Zeit Speise zu geben. Wir brauchen Speise und keine langen Predigten. Wir brauchen Schafe, die Milch geben können; wir brauchen Prediger, die dem Volk Gottes geistliche Werte geben können. Weg mit diesen „Tag für Tag“ - Geschichten. Was geht es das Volk Gottes an, wie der Prediger „Tag für Tag“ in der Unwissenheit der Menschen schwelgt. Wären sie ein wenig von Gott erleuchtet, würden sie solche hohen Herren in die letzte Reihe setzen und sie bitten, sich von all ihrem Übermut zu bekehren. Aber es wird zur großen Verwunderung der Menschenmassen eines Tages geschehen, dass viele von den Ersten Letzte werden, und Letzte Erste sein werden.
Denn die Zeit ist da, dass das Gericht anfängt an dem Haus Gottes; denn es steht geschrieben: „Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind? Gott aber wird, die draußen sind, richten.“
Bist du von der Sünde errettet, dann bist du in der Regel der Willkür ausgeliefert, wenn du nicht selbst ein Ohr hast, um zu hören; denn der Prediger weiß selbst nichts von der Erlösung durch das Leben Christi, Röm. 5, 10, und dann wäre es ja unverschämt, von ihm zu verlangen, dass er anderen das geben können sollte, was er selbst nicht hat.
Wenn du nun umherreist und predigst und alle die neuen und prächtigen Versammlungssäle rühmst, in die du hineinkommst, und du alle, die dich empfangen, verherrlichst und du in Selbstverherrlichung schwelgst, weil sich die Menge in ihrem blinden Autoritätsglauben auf dich verlässt, dann wisse, dass der Wert der Nahrung, die du den Lämmern gibst, an jenem Tag über deine wirkliche Größe entscheiden wird. Bereits jetzt wurden vielen die Augen dafür geöffnet, was Speise ist und was Geschichten sind. Sie verstehen dich, wenn du prahlst und wenn du die Lachmuskeln der Versammlung in Bewegung setzt, um zur Befriedigung des Fleisches ihren Beifall zu genießen. Gott sei gedankt, der Zug der Erlösung rollt und die Schar derer, die sich in den letzten Zeiten selbst läutern und selbst reinigen, wird immer größer. Für diese Menschen werden die abgenutzten Späße der Prediger wie Spreu für das Feuer. Sie kennen etwas Inhaltsreicheres, etwas Besseres, etwas, das Gewicht in der Waagschale hat.
Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!
