Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Brief an Elias Aslaksen, 1920-03-16

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

(Maschinengeschrieben, original fehlt)

„Norge“, Kristiansand, den 16. März 1920
Lieber Bruder Elias Aslaksen,
Friede.

Wir kamen in der Nacht zum Sonntag hier an. Am Sonntag waren Br. Birkeland und ich an Land. Tønnes Andersen erzählte, dass ein Prediger Herman Olsen, ca. 55 bis 60 Jahre alt, am Sonntagvormittag bei Wintersborg, der den Saal des Blauen Kreuzes gemietet hat, in der Versammlung war. Dieser Prediger erzählte über uns, dass wir in der Versammlung in Haugesund „verbrannt“ wurden. Wintersborg hat danach in der Versammlung folgende Frage aufgeworfen: Was sollen wir mit diesen Menschen tun, falls sie in diesen Saal kommen? Sie sofort ausweisen oder was? Die Meinungen gingen auseinander, sodass sie zu keinem Ergebnis kamen.

Es glaubte wohl kaum jemand von ihnen, dass wir am selben Nachmittag in ihrer Versammlung sein würden. Wintersborg selbst war nicht zugegen, aber seine Frau erkannte uns und winkte uns zu, dass es weiter vorne noch Platz habe, denn der Saal war voll und wir standen an der Tür. Wir gingen dann weiter nach vorne. Derselbe H. Olsen, der in Haugesund gewesen war, sprach und flocht in seine Rede die Verherrlichung eines jungen Mannes ein, der den Militärdienst verweigert hatte. Wir waren in Uniform, daher schauten alle auf uns.

Danach war Freiheit für Zeugnisse. Ich hatte nichts, was ich hätte sagen können und fand auch nichts in der Bibel. Doch all das, was dieser Prediger gegen uns getan hatte, stand lebendig vor mir. Für denselben Mann wurde Kollekte aufgenommen.

Am Ende der Versammlung spürte ich, dass Gottes Geist mich dazu trieb, aufzustehen und ein Zeugnis zu geben. Ein bärenstarker Schuhmacher, ein ehemaliger Raufbold hielt meine Mütze. Ich sprach zu ihnen darüber, dass ich in voller Uniform an Bord von Kriegsschiffen der Marine sowohl errettet wurde als auch den Heiligen Geist empfing, dass wir in Haugesund verbrannt worden sein sollen, aber dass kein einziger Faden an uns versengt worden ist, dass die Prediger das Geld, das wir ihnen gaben, mit Begehrlichkeit verschlangen – obwohl dieses auf Kriegsschiffen von Kriegsleuten verdient wurde usw.

Nun war es bestimmt mehr als genug für Herman Olsen, er schrie laut: Predige Christus! Ein Däne schrie ebenfalls, um meine Rede zu stören. In einem Nu war der ganze Saal in Aufruhr. Manche Gesichter waren wie Gesichter von Teufeln, andere schrien laut: Lasst den Mann reden! Durch Gottes Gnade fuhr ich fort und erzählte ihnen, dass ich mich darüber freue, dass ich viele Freunde in dieser Versammlung habe und dass man nicht vermögen würde, mir mehr anzutun als man damals Jesus antat, als man ihn an den Rand eines Bergs trieb, um ihn hinabzustürzen; denn seine Stunde war noch nicht gekommen. So ist auch meine Stunde noch nicht gekommen.

Nun kamen Geschrei und Lärm auf. Ich nahm meine Mütze und ging hinaus. Etwa ein Drittel der Leute ging mit. Eine Frau rannte hinterher, fasste mich an der Hand und dankte dafür, dass im Durcheinander aufgeräumt wurde. Eine andere Frau drückte ihren Zorn auf mich mit Grimassen und Gefuchtel aus. Ein Mann, ca. Mitte dreißig, der links von mir saß, fing an, all die hinauszutreiben, die zu uns hielten. In seinem Eifer kam er bis hinaus vor den Saal und schimpfte. Dort traf er auf den bärenstarken Schuhmacher, der meine Mütze gehalten hatte und der mich in der Versammlung öffentlich verteidigt hatte. Dieser Schuhmacher war schon einige Jahre bekehrt, aber dies wurde zu viel für ihn. Er schlug den Mann, der unsere Freunde hinaustreiben wollte, sodass dieser ein geschwollenes Auge bekam. Es wird erzählt, dass der Mann, der den Schlag bekam, danach im Saal ohnmächtig wurde. Es zeigte sich, dass die meisten auf unserer Seite waren, als es zur Auseinandersetzung kam. Der bärenstarke Schuhmacher kam danach, um sich mit uns zu treffen. Er erzählte, dass, nachdem der alte Smith gestorben war, es nichts anderes mehr gegeben hatte als Parteiungen und Streitigkeiten. Der Mann, den er geschlagen hatte, hatte ihn lange mit seinem Geschwätz gereizt. Er hatte geglaubt, dass er, nachdem er errettet worden war, davon frei wäre, Leute zu schlagen, aber dieses ging für ihn über alle Grenzen, sodass es dazu kam, dass er ihm „eine knallte“, sagte er. – Wir legten ihm dann dort auf der Straße den Weg Gottes genauer aus und er sah sehr dankbar und bewegt aus. Unsere Widersacher erlitten in den Augen der ganzen Versammlung eine fürchterliche Niederlage. Der Prediger bekam mehr zu hören von Joakim Vold, der aufstand und Weiteres hinzufügte, nachdem wir hinausgegangen waren. Später trafen wir uns zur Versammlung bei Julian Pedersen, wo wir es gesegnet hatten. Ich verstehe in Wahrheit, dass Gott mit uns ist. Es geht jetzt wie früher, sie schreien laut. Danach freuten sich die Geschwister mit einer großen Freude. Sie verstanden, dass diese Kalktüncher weder Waffen noch Kraft haben – und auch die Schrift nicht verstehen, obwohl die Verheißungen von ihren Lippen strömen wie Erbsen aus einem Sack.

Sie sind Feinde des Kreuzes Christi und es fehlt ihnen die Kraft des Kreuzes. Diese ganze Versammlung konnte nun durch Krieg eingenommen werden. Niemand von ihnen vermochte es aufzuhalten, denn ebenso viele, ja mehr, riefen, dass wir Freiheit zum Reden haben sollten. Ich wollte gerne, dass du dies erfährst, damit du mit uns gemeinsam streiten und dich mit uns gemeinsam freuen kannst.

Liebe Grüße, dein Bruder und Mitarbeiter

J. O. Smith