Doppelte Erlösung
Vergebung der Sünden ist nicht die ganze Erlösung. Es ist groß für einen Sünder, wenn er im Namen Jesu von sich sagen kann, dass er von der Verdammnis der Sünde frei ist; aber nach dieser Erlösung gibt es eine Erlösung tieferer Art, eine Erlösung, die bewusste Opfer fordert, eine Erlösung durch das Hingeben des Egoismus in den Tod.
Das Vollkommene ist, dass man immer etwas hat, das man mit anderen teilen kann. Gott lässt es regnen über Böse und Gute und lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte. Jesus war arm, aber er war allezeit derjenige, der aus einer Fülle geben konnte. Das weltliche Vermögen geht zur Neige, wenn man viel davon austeilt, aber Gottes Reichtümer gehen nie zur Neige. Je mehr man davon austeilt, desto mehr schenkt Gott ein. Um nun allezeit gebende Wesen zu werden, muss Gott uns von mehr erlösen als von unseren getanen Sünden. Er muss uns von unserem sündigen „Ich“ erlösen, von dem, was das Eigene sucht. Um diesem zu Leibe zu rücken, muss Gott in das Zentrale im Leben eines Menschen hinein. Das, woran sich die Seele klammert, muss ihr genommen werden.
Vergebung der Sünden ist die äußerliche Reinigung des Gefäßes, die Befreiung vom Urteil des Gesetzes und vom Zorn Gottes. Aber damit ist das Gefäß noch nicht brauchbar und zu allem guten Werk bereitet. Es muss eine innere Reinigung erfolgen, bevor man sagen kann, dass alles rein ist. Diese Reinigung kann man als die zweite Erlösung bezeichnen. Vergebung der Sünden sucht man um der Sündenlast willen. Man wünscht Befreiung vom Gericht und vom Zorn Gottes. Die innere Reinigung sucht man, weil man gelernt hat, Gott zu lieben und weil man seiner Natur teilhaftig werden möchte.
Vergebung der Sünden gibt einem nicht die Kraft, ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen.
Wenn man den Willen Gottes im täglichen Leben durch die Kraft Gottes praktiziert und durchführt, führt das zu innerer Reinigung und Heiligung.
Ein seelischer Gottesdienst führt nicht ans Ziel; aber Gott in unserem Geist zu dienen, wird dorthin führen. Denn die Seele steht in Verbindung mit der Sünde im Leib und kann so niemals Gott wohlgefällig dienen. Deshalb hat Jesus seine Seele in den Tod ausgeschüttet. Der erste Adam wurde zu einer lebendigen Seele. Christus hat diese lebendige Seele des ersten Adams auf Golgatha geopfert und ist selbst als der zweite Adam zu einem lebendigmachenden Geist geworden.
Christus, unser Leben, heißt es. Der Heilige Geist schenkt uns die Kraft der Auferstehung, und in dieser Kraft befindet sich alles, was zu Leib, Seele und Geist im Auferstehungsleben gehört.
Dieser innere Sterbensprozess, die zweite Erlösung, hebt vollständig den zweiten Tod auf, und man stirbt den Tod im Leib Christi. Das Feuer verzehrt innere sündige Neigungen und reinigt uns von diesen, und die göttliche Natur bricht aus den Ruinen hervor. Durch die Erkenntnis Gottes über den Leib konnte Petrus schreiben, dass die erste Welt durch die Sintflut verderbt wurde; während die Erde, die jetzt ist, durch dasselbe Wort für das Feuer aufgespart wird. Wenn wir am Leib mit reinem Wasser (Vergebung der Sünden) gereinigt sind, dann werden wir danach für das Feuer aufgespart. Es kommt aber einer, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse, der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Das Feuer offenbart sich nicht als ein süßes Gefühl, sondern als eine reinigende und verzehrende Kraft, indem es arbeitet und sein Werk mit der Seele in der Leidensgemeinschaft Christi tut.
Die Gemeinschaft mit Christus in seinen Leiden vertieft die Gemeinschaft und die gegenseitige Liebe der Glieder untereinander; hierbei kann man in Vertrautheit Gottes Erkenntnis und Weisheit, die Gott durch seine unendliche Güte in den Leib hineingelegt hat, gemeinsam genießen. Und hierzu hat niemand Zugang, der nicht selbst dem Fleisch nach so entzweit wird, dass der Vorhang zum Allerheiligsten für die neue Kreatur Gottes weichen kann, die das Recht dazu hat – aus dem Alten heraus – in das Neue, das Allerheiligste, hineinzugehen.
Dem sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Er offenbart sich seinem Volk durch Vergebung der Sünden, aber seiner Gemeinde (seinem Leib) hat er eine weitere Erlösung bereitgelegt, nämlich die Erlösung durch sein Leben – die Erlösung durch das Feuer. Wollen wir einen reichen Eingang in das Reich Gottes haben, dann lasst uns das annehmen, was wir von Gott bekommen können. Nichts ist zu gut dafür, verworfen zu werden, damit man diese Erlösung behalten kann. Gott wird uns Kraft geben als Lohn für ausgehaltene Strapazen und uns Leben im Tausch für Tod geben. Verkaufe den Tod für das Leben, die Ohnmacht für Kraft und Unwissenheit für die Erkenntnis Gottes. Ziehe das Alte aus und ziehe das Neue an; denn dies ziemt sich für die Braut Christi.
