Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1912-09 - Die andern lasst darüber urteilen

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Die andern lasst darüber urteilen

1. Kor. 14, 29

Der Weg zum Vater (zur Vollkommenheit) durch Christus (den Weg) ist sehr einfach, aber die Menschen suchen viele Künste. Gottes Geist gibt uns Kraft und Unterweisung auf dem Weg; denn er redet nicht aus sich selbst, sondern das, was er hört. Seine Stimme kann man bei Tag und Nacht hören, mal züchtigend, mal wegleitend und ermahnend. Meistens ist es aber so, dass man glaubt, man sei dadurch, dass man den Heiligen Geist empfangen hat, ganz vollendet. Anstatt dann auf das zu hören, was der Geist redet, jubelt man darüber, dass man den Geist bekommen hat – ein großer Irrtum. Deshalb sind nun auch eine ganze Reihe Menschen, die vor ein paar Jahren Gottes Geist empfangen haben, im Begriff, aus Mangel an Nahrung zu sterben. Die geistliche Speise, die durch den Geist dargereicht wird, bekommt man nicht, weil man immer nur darüber jubelt, dass man den Geist bekommen hat, und das nicht annimmt, was der Geist gibt.

Das hat zur Folge, dass man schließlich sehr trocken wird, und dass man die Gabe der Zungenrede und die der Auslegung, die eigentlich zur Erbauung dienen sollten, als Waffe gebraucht, um sich gegenseitig zu besiegen.

Die Geistestaufe hat im Lauf der Zeit unterschiedliche Namen getragen. Vor dieser letzten „Bewegung“ bezeichnete man die Geistestaufe als „Freimachung“. Zahlreiche Menschen wurden freigemacht und jubelten darüber, vom Gesetz freigemacht zu sein. Aber die meisten von ihnen gerieten in ihrer Freiheit in die Irre und rutschten, ohne es zu merken, in eine „falsche Freiheit“ hinein, weil sie das Kreuz hassten. Sie liebten gute Gefühle und teilten gerne alles Gute mit Christus, hassten aber seine Leiden und die Gemeinschaft mit ihm darin.

Christus hat auch heute noch seine Worfschaufel in der Hand und fegt seine Tenne. Jede Erweckung hat ihre Prüfungszeit. Und nun ist die Zeit, dass die letzte „Bewegung“ geprüft wird; und wir können sicher sein, dass sehr viele abfallen werden. An vielen Orten tobt man bereits gegen das Wort vom Kreuz, indem man in Zungen redet, auslegt und weissagt gegen die Personen, die es wagen, das Kreuz über deren süße Gefühle und deren Wohlleben zu verkündigen. Aber wie Christus am Kreuz alle Mächte und Gewalten besiegt und einen Triumph aus ihnen gemacht hat, so werden auch wir durch das gleiche Kreuz über alle Feinde des Kreuzes siegen und mit ihnen fertig werden, wenn sie auch alle ihre Gnadengaben benützen, um gegen die ewigen Worte vom Kreuz zu kämpfen.

Ganz von Anfang an hat es in dieser Bewegung an Leitern gefehlt, die sich in der Liebe Christi der Schafe annehmen konnten. Die Leiter sind von einer Konferenz zur anderen umhergereist; und dann haben sie über das, was sie in diesen Versammlungen gesehen und gehört haben, geschrieben und geredet. Besonders hat man große Persönlichkeiten in der Welt bewundert, die die Konferenz mit ihrer Anwesenheit beehrt haben. Man hat sich darüber unterhalten und beraten, was man tun sollte, um die Welt zum Glauben daran zu bringen, dass die Zungenrede von Gott sei usw. Und während die Leiter auf Konferenzen waren, hat der Wolf in der Schafherde gewütet. Die Fürsorge dafür, was die Welt sagt, war groß, aber das Anleiten innerhalb hat vollständig gefehlt.

Die Folgen sind auch nicht ausgeblieben. Fleischliche Elemente in Stadt und Land haben ihre Gnadengaben bestmöglich zur Selbsterhöhung und als Gewerbe ausgenutzt. Es sind allerhand Hirten aufgetaucht, die alle das Schermesser zum eigenen Vorteil gebrauchen konnten und das ist wohl auch der Grund dafür, dass die Schafe an wirklich geistlichem Verständnis und Beurteilungsvermögen so kahlgeschoren wurden.

Aber Gott sei gedankt, dass alles Verkehrte ein Ende nehmen wird, so auch dieses. Und so bleiben einem die gewonnenen Erfahrungen. Das Kreuz wird – wie in den alten Tagen – noch einmal das Edle vom Unedlen scheiden. Aber es wird nicht gut gehen mit denen, die ihr Leben in ihren Gnadengaben haben.

Gott hat uns nicht Gnadengaben gegeben, damit wir unsere Mitmenschen bearbeiten und auf sie einhämmern und uns dadurch Respekt verschaffen und herrschen können. Wir haben sie bekommen, um einander damit zur Erbauung zu dienen. Und tut man dies, dann werden die Gaben zum Segen werden und zu ihrem Recht kommen.

Die Welt darf glauben, was sie glauben will. Es ist reine Torheit, Zeit und Kräfte zu opfern, um sie zum Glauben daran zu bringen, dass die Zungenrede von Gott sei. Man offenbart dadurch nur, wie unwissend man ist in dem, was das Zeugnis Gottes über die Zungenrede ist. In 1. Kor. 14, 2 heißt es, dass wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen.

Wenn nun die Zungenrede nicht für Menschen, sondern für Gott ist – wie eitel ist es dann doch, sich alle Mühe zu machen, um die Welt zum Glauben an eine Rede bringen zu wollen, die nur für Gott ist und nicht einmal Menschen gilt! Dazu sind es Geheimnisse im Geist. Was hat die Welt mit Geheimnissen im Geist zu tun? Menschen, die kaum Dinge verstehen, die man mit den Händen greifen kann? Nein, Schluss mit dieser Art von Bemühungen, sie dienen nur zur Befriedigung des Fleisches, aber wir sind nicht Schuldner dem Fleisch. Unsere Zeit ist viel zu kostbar dafür. Niemand versteht das und so soll es bleiben. Die Zungenrede kann nur im Glauben durch den Geist ausgelegt werden, damit die Gläubigen erbaut werden.

Es war zu allen Zeiten so, dass die Leiter (die Hirten) die Verantwortung für die Verirrung der Schafe tragen mussten. Wenn aber diese Hirten sich selbst geweidet und die Schafe nur um der Wolle willen gehalten haben, dann haben ihre Tage als Hirte ein plötzliches Ende genommen.

Was jetzt zuallererst nötig ist, ist das Wort vom Kreuz – Gottes Kraft. Es hat sich gezeigt und zeigt sich immer wieder, dass nichts so kräftig zusammenbindet wie die Nägel des Kreuzes. Satan flieht vor dem Kreuz, die Feindschaft verschwindet am Kreuz und Gottes Kräfte werden durch das Kreuz offenbart. Gott hat das Wort vom Kreuz gesegnet, und viele haben in der letzten Zeit geöffnete Augen dafür bekommen, dass nichts anderes taugt. Man hat es gelernt, die Leere zu sehen in all dieser Freiheit, die verkündigt wird – ohne Kreuz. Es wird Freiheit verheißen von solchen, die selbst Knechte der Vergänglichkeit sind. Aber das Kreuz schlägt solche Freiheitsprediger in die Flucht und dadurch werden sie offenbar, wie auch alles andere vom Fürsten der Finsternis.

Durch das Kreuz gedeiht die Bruderliebe, indem man an ebendenselben Leiden Anteil bekommt – den Leiden Christi. Und durch denselben Geist ist man eins, soweit man gekommen ist. Was man durch äußere Bande zusammenzuleimen versucht, ist auf Golgatha durch das Kreuz eins gemacht worden. Herrliches Kreuz! An diesem werden alle Kränkungen und alles, was Trennung machen will, zunichte gemacht. Vor diesem fliehen die Feiglinge, die Totschläger und alle, die die Lüge lieben und tun. Vor dem Kreuz fliehen die Personen, die verführerischen Geistern und falschen Lehren anhangen, samt denen, die nur darauf aus sind, sich selbst und ihre Gefühle zufriedenzustellen, aber Leiden jeglicher Art scheuen.

Das Gesetz ist unser Zuchtmeister zu Christus hin; aber wenn wir zu ihm gekommen sind, werden wir vom Kreuz ergriffen, das in seiner Art das Gesetz ablöst und das vollbringt, was das Gesetz nicht vermochte, damit wir der Sünde nicht mehr dienen. Solange man sich im Leib befindet, kann man vom Gesetz freigemacht werden, aber niemals vom Kreuz. Dies sollten diejenigen bedenken, die über die Freimachung vom Gesetz jubeln. Wir sind vor Gott nicht ohne das Gesetz, davon zeugt das Kreuz; sondern wir befinden uns durch eben dieses Kreuz im Gesetz Christi.

So glaubt der eitle Mensch, der das Kreuz Christi hasst, dass er mehr Kraft habe als der, der geduldig das Kreuz trägt. Dies sind lauter falsche Einbildungen und nur Früchte blinder Unwissenheit; denn die Kraft besteht nicht darin, dass man in Zungen redet, wie man glaubt, sondern darin, dass man durch das Kreuz Christi sich selbst und die Sünde besiegt. Aus falschem Respekt vor den Gaben lässt man fleischliche Menschen großen Schaden anrichten und die Versammlungen stören. Mit Zungenreden und gefühlsmäßigen Worten fällt man Leuten ins Wort, die beten oder reden und ergreift dann selbst das Wort. Es ist höchste Zeit, dass man anfängt, diese Leute eingehend zu prüfen und nichts kann sie besser prüfen als das Kreuz. Denn alles, was nicht von Gott ist, flieht vor dem Kreuz; und alle, die nicht von Gott sind und deshalb nicht die Wahrheit lieben, fliehen.

Es rollt eine neue Zeit auf uns zu – eine Zeit, in der man Kraft braucht, um dem antichristlichen Geist zu widerstehen und ihn zu besiegen, der uns täglich näher auf den Leib rückt und alle mit sich zu reißen versucht. Wir wissen, dass der Gottlose vor diesem Geist nicht bestehen kann; aber durch das Kreuz werden wir in der Kraft Gottes das Feld behalten, nachdem wir alles überwunden haben. Mögen wir es deshalb lernen, zu wachen und zu beten und gesund im Glauben und in der Unterweisung Christi zu werden, sodass wir mit Freuden die Offenbarung unseres Herrn Jesu Christi erwarten.