Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1912-08 - Das Kreuz

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Das Kreuz

Nichts in dieser Welt ist mehr zu Ärgernis und Segen gewesen als das Kreuz. Christus trug geduldig sein Kreuz und das hat ihn zum Sieger über Mächte und Gewalten gemacht und ihm selbst eine fürstliche Ausbildung gegeben.

Lange Zeit hatte seitens der Juden ein großer Hass auf die Heiden geherrscht; aber durch das Kreuz – in seinem Fleisch – hat Christus die Feindschaft aufgehoben und in sich selbst aus den zweien einen neuen Menschen geschaffen und Frieden gemacht. Er hat die beiden mit Gott versöhnt in einem Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst. Eph. 2, 15.

Wenn nun zwei so starke Gegensätze wie Juden und Heiden in diesem einen Leib eins gemacht werden, wieviel mehr müssen dann nicht zwei Heiden zu einer Einheit zusammenschmelzen können in demselben Leib, der die Gemeinde ist. Aber das geht nur durch das Kreuz und durch nichts anderes.

Gott liebt das Kreuz, deshalb ließ er es seinen eingeborenen Sohn sein Leben lang tragen. Das Kreuz ist ein besserer Erzieher als die besten Hochschulen; denn diese erziehen nur für dieses Leben, doch das Kreuz lehrt uns sowohl für dieses Leben als auch für das zukünftige. Der Teufel kann sich mit allem versöhnen außer mit dem Kreuz und das ist auch das Schlimmste, was man den Kindern des Teufels anbieten kann, die gerne Gutes tun wollen, wenn sie nur dem Kreuz entgehen können. Wenn daher die verschiedenen Vereine und Gesellschaften Geld für den einen oder anderen Zweck einsammeln wollen, dann veranstalten sie Tanzbälle, Feste, Verlosungen, Basare mit Aufführungen und vieles mehr, damit das Fleisch für das ausgegebene Geld eine volle Gegenleistung bekommt. Das einzige Scherflein der Witwe war mit dem Kreuz verbunden, darum gab sie mehr als alle, die von ihrem Überfluss gaben.

Der Geist Gottes zieht zum Kreuz hin. Zuerst wurde Christus dorthin gezogen und in der Folge werden wir in dieselbe Richtung gezogen. Christus hat sich selbst als Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist dargebracht und wir können allezeit in der Kraft des Geistes Christi in den Tod hingegeben werden. Auf diese Weise werden wir ausgebildet, mit Christus in seinem Tod gleichgestaltet zu werden.

Paulus predigte den Galatern das Evangelium beim ersten Mal in der Schwachheit des Fleisches und sie nahmen ihn auf wie einen Engel Gottes und hätten gerne ihre Augen ausgerissen und ihm gegeben. Gal. 4, 13. Als aber das Kreuz seine Wirkung beim Apostel getan hatte und er zu den Galatern zurück kam, redete er so, dass sie ihn nicht mehr ertragen konnten, weshalb er auch genötigt war, zu ihnen zu sagen: Bin ich denn damit euer Feind geworden, dass ich euch die Wahrheit sage?

Die gleiche Lektion gehört auch zu unserem Pensum. Wenn wir neubekehrt sind, bekommen wir überall Freunde; aber wenn wir das Kreuz aufnehmen, das Gott für unseren Weg vorgesehen hat, dann werden die Freunde unsere Feinde.

Wenn man das Kreuz aus dem Christentum wegnimmt, dann kann selbst die Welt es zu geselliger religiöser Abendunterhaltung benützen, zum Vorteil und Wohlbefinden des Fleisches auf alle mögliche Weise.

Paulus bekam dagegen etwas anderes zu spüren. Das Kreuz trieb ihn dahin, dass er sich als der Allergeringste und wie ein zum Tode Verurteilter hingestellt fühlte; denn er war der Welt, den Engeln und den Menschen ein Schauspiel geworden. 1. Kor. 4. Er war ein Narr um Christi willen, doch die Korinther waren sehr klug – was ihre Nachkommen auch heute noch sind. Niemand weiß mehr als der Narr, er weiß über alles Bescheid und ist auch sehr schnell dabei, seinem Herzen Luft zu machen. Deshalb ist er auch überall dort zur Stelle, wo sich ihm eine Gelegenheit bietet, seine Torheit an den Mann zu bringen, die er selbst natürlich für Weisheit hält. Sie glauben von sich selbst, dass sie sehr klug in Christus seien, weshalb sie sich auch stark und mächtig fühlen. Paulus dagegen war schwach. Das Kreuz hatte ihm gezeigt, dass all sein Wissen – selbst das, das er zu den Füßen Gamaliels bekam – nichts als verwerflicher Kot war gegenüber der Erkenntnis Gottes, die er später im und durch den Heiligen Geist empfing. Die Korinther waren geehrt, der Apostel jedoch ehrlos. Das Kreuz macht uns ehrlos. Wenn jemand die Kosten noch nicht überschlagen hat, dann überschlage er sie jetzt. Bist du willig, durch das Kreuz ehrlos zu werden? Bist du willig, mit deinem Herrn und Meister in der Schmach vereint zu werden?

Wenn du willig bist, die alten Lehrsätze und alles, was alter Sauerteig heißt, hinauszureinigen, dann wird dich Gott zu einem neuen Teig machen.

Sieh das Christentum an, das das Kreuz verachtet, und du wirst erkennen, dass es nicht lebensfähig ist. Was nützen Zungenreden, prophetische Reden und Auslegungen der Zungenreden oder welche Gnadengaben es sonst noch sein mögen, wenn das Kreuz fehlt? Sieh dir die freien Gemeinschaften überall in unserem Land an und du wirst erkennen, dass sie dabei sind auszusterben, weil ihre Leiter nicht das Kreuz gepredigt haben. Man flüstert heimlich von Ausschweifungen aller Art, und warum? Ja, man hasst das Kreuz und die Ausschweifungen kommen. Es ist an der Zeit, richtig aufzuwachen und sich gründlich zusammenzunehmen; denn die Zeit ist da, dass das Gericht anfängt an dem Hause Gottes – an uns. 1. Petr. 4, 17. Es wird vom Heiligtum aus anfangen; und wenn jemand von sich sagt, dass er „drinnen“ ist, dann möge er sich damit abfinden, dass er als ein solcher, der „drinnen“ ist, gerichtet wird. 1. Kor. 5, 12. Der Herr tut ein Werk in unseren Tagen; aber er fängt von innenher an und geht dann schrittweise nach außen weiter, damit dieses Werk von ihm selbst sei und nicht von Menschen. Gott hat lange genug das hohle Christentum ohne Kreuz ertragen. Er lässt nun das Evangelium vom Kreuz – das gute alte – wieder zu seinem Recht kommen, damit diese „losgelassenen Freiheitsprediger“ es sehen sollen, sich grämen und beschämt werden, wenn sich das Bahn bricht, was sie nicht gepredigt haben, und das Werk zunichtemacht, das ohne Kreuz aus Holz, Heu und Stroh zusammengesetzt ist. Lange genug ist „Freiheit, Freiheit“ gepredigt worden. Die Versammlungen haben sich über all diese Freiheit sehr gefreut und die Massen haben diese Freiheit auch gründlich benutzt, nämlich für das Fleisch. Deshalb dürfte es jetzt höchste Zeit sein, dass man anfängt, „Kreuz“, „Kreuz“ zu predigen; denn es ist an der Zeit und Gott arbeitet auch in diese Richtung, dass das Kreuz mehr an Einfluss gewinnt.