Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 5.11.1917

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917
„Viking“, Vardø, 5. 11. 1917
Lieber Bruder Aksel,
Friede von Gott.

Deinen lieben Brief habe ich dankend erhalten. Es war für uns hier eine besondere Freude, euren Eifer und eure Arbeit im Dienst des Herrn zu sehen. Helga und Frau Kjærnet haben nun sicher alle Hände voll zu tun. Man wird von einem Interesse ergriffen, das unvergleichlich ist. Es sieht so aus, dass aus einem kleinen verachteten Senfkorn ein großer Baum wird. Es ist ausgezeichnet, dass ihr auf der anderen Seite des Fjords Verbindung bekommt; das gleicht der Fähigkeit des Sauerteiges, alles zusammen zu durchsäuern.

Nun ist der Divisionsoffizier der Heilsarmee hier, Brigadier Meg-Andersen. Er hat Lt. Bekkevold Urlaub angeboten, sofern er in der Heilsarmee bleiben würde; doch Bekkevold antwortete, er bräuchte keinen Urlaub, er sei mit dem Ganzen fertig. Er hält fest an seinem Abschiedstelegramm an den Vorstand in Kristiania. Gestern waren wir bei einem Soldatenfest der Heilsarmee, wo das Wort frei war für Zeugnisse; auch Br. Ellefsen und ich sprachen. Die Soldaten der Heilsarmee riefen laut Halleluja, ja sogar die Offiziere auf dem Podium wurden mitgerissen, als wir vom Sieg in Christus sprachen. Meg-Andersen blieb jedoch ernst; er wirkte so, als ob er die Folgen fürchten würde; doch konnte er nichts einwenden. Adjutant Lindvik ist bei all diesem beinahe verwirrt; er sitzt auf dem Podium in der Nähe seines Vorgesetzten und fordert uns zum Reden auf. Dann wieder weist er den Leutnant zurecht, weil dieser in der Gegenwart der Soldaten fragt, wie dieses und jenes zu verstehen sei. Manchmal sind wir nach den Zeugnisversammlungen in der Heilsarmee schrecklich erschöpft gewesen. Uns schien, unsere Worte seien vergeblich gewesen; aber Gott sei gedankt, jetzt sehen wir die Resultate.

Br. Ole Strømme ist als Zollaufsicht auf einem Frachtdampfer nach Bergen angestellt worden. In Aalesund ging er leider 1 ½ Tage vergeblich durch die Straßen, ohne jemanden zu finden, weil er unverzüglich, ohne Adressen mitzunehmen, abreisen musste. Auf der Rückfahrt in die Finnmark kam auf dem Schiff ein Mann auf ihn zu und fragte, ob er nicht Strømme aus Vardø sei. Es war ein jüngerer Mann aus Berlevaag, wo es viele Christen gibt. Er fragte nach der Lehre, die Ellefsen verkündigt hatte. Br. Strømme erklärte ihm alles von Anfang bis Ende und der Mann fing an zu jubeln und sagte, dass er es noch nie so gesehen hätte, aber es sei ja so klar. Sie kamen nach Mehavn, wo sie Br. Ditlefsen und seine Frau sowie Schw. Lillevik aus Kirkenes trafen. Strømme berichtete, dass auf dem Kai Jubel aufkam, als diese alle aus den unterschiedlichen Ecken der Finnmark einander trafen und hierin vereint waren: Christus geoffenbart im Fleisch. Br. Hammerstad aus Berlevaag zog froh seines Weges und sagte: Jetzt werde ich den Geschwistern in Berlevaag etwas Brandneues verkündigen.

Br. Strømme ist überall unterwegs, bald hier, bald dort. Frau Lillevik sagte, dass sie und Frau Olsen in Kirkenes an dem festhielten, was sie gehört hatten. Soweit wir verstanden, waren es diese beiden Frauen, die dort in der Inneren Mission maßgeblich Verantwortung trugen. Heute Abend wollte Leutnant Bekkevold zu Strømme kommen.

Ich kann nur stillstehen und mit Verwunderung zusehen, welch rasante Fahrt all dies annimmt. Die Geschwister hier sind den ganzen Tag über wie in einem Siegesrausch.

In den Versammlungen hier murmeln sie untereinander, dass das, was wir verkündigen, Wahrheit ist und dass niemand etwas dagegen auszurichten vermag. Adjutant Lindviks Situation ist, wie wenn jemand auf einem leeren Fass balancieren muss – das von einer ganzen Gruppe kleiner Jungs vorwärtsgerollt wird. Ja, so geht es, wenn man nicht als ein weiser Baumeister den Grund legt. Br. Strømme ist die Verantwortung für die Versammlung hier in Vardø aufgetragen und seine Frau wurde ersucht, ihm in dieser Aufgabe zur Seite zu stehen. Nun werden wir noch ca. einen Monat hier im Norden sein, doch es liegen hier bereits Briefe vor, dass sie uns im Süden erwarten. Br. Ellefsen war vor einigen Jahren den Tränen nahe, weil wir nichts hatten, mit dem wir arbeiten konnten – wie andere Gläubige. Jetzt kann er, wenn er will, Tag und Nacht arbeiten. Br. Ditlefsen in Mehavn ist Kaufmann; er will baldmöglichst in den Süden, er hat bestimmt von Br. Ellefsen einige Adressen erhalten. Leutnant Bekkevold wird sich bald in Richtung Süden aufmachen; er weiß aber noch nicht, wohin. Er ist Bäcker, möchte aber am liebsten etwas anderes machen. Ich habe daran gedacht, ihn zu Br. Lohne zu senden, der in der Region Hardangerfjord mit Gottes Wort arbeitet. Er könnte ihm vielleicht in Haugesund eine Arbeit besorgen. Ich freue mich darüber, dass die Geschwister in der Finnmark sich untereinander kennenlernen.

Wenn während der Arbeit ein Bereich beleuchtet wird, muss man innerhalb dieses beleuchteten Bereichs niederreißen. Wenn das nicht getan wird, hat man erneut mit derselben Verkehrtheit zu kämpfen. Überzeuge (beleuchte), strafe (reiß nieder) und ermahne (verstocke dich nicht) – wiederholt sich überall. Gottes Wort soll nicht erzählt werden – wie eine Geschichte. Es soll geredet werden als Gottes Wort, lebendig und scharf.

In diesen Dingen haben sich viele versündigt und daher nicht die Früchte aus ihrer Arbeit erhalten, die sie hätten bekommen können. In Moldøen geht es den Geschwistern gut. Von Aalesund habe ich seit langem nichts mehr gehört. Br. Johan Lohne schreibt immer wieder.

Grüße die großen und die kleinen Geschwister.

Liebe Grüße, dein Bruder

Johan