Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1917-03 - Zweierlei Gesinnungen

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Zweierlei Gesinnungen

„Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.“

Diese beiden Mächte sind gegeneinander. Das Fleisch macht sein Recht geltend und will seinen Willen durchgeführt haben. Der Geist vertritt uns nach dem Willen Gottes mit unaussprechlichem Seufzen.

Wir sollen jetzt wie unser Herr und Meister getötet werden nach dem Fleisch und lebendig gemacht werden nach dem Geist. Während dieses Prozesses kommt der Mensch nach dem Fleisch auf die unvorstellbarsten Ausflüchte.

Anstatt die Magd und ihren Sohn hinauszutreiben, fängt man erneut an, ein Knecht unter dem Gesetz zu sein. Es schmeckt dem Fleisch besser, als Knecht zu leben, anstatt als etwas Verfluchtes am Kreuz zu sterben. Deshalb richtet man sich in selbstgemachten Gemeinden nach einem Ideal, von dem man nach fleischlichem Denken glaubt, dass es die dem Geist entsprechende Form von Gottesfurcht sei. Doch man trifft nur deren Schein, aber nicht die Gottesfurcht selbst. Der Geist schafft eine Form. Aber wenn ein Mensch im Fleisch diese Form ohne Geist schaffen will, dann ist die Form nichts, weil ihr Inhalt nur Tod ist. Gott hat Lust an Geist und Wahrheit und nicht an toten Formen.

Warum will man denn lieber Knecht unter dem toten Buchstaben sein, als den Weg zu gehen, der gebahnt und bereitet ist? Eben deshalb, weil man ein Feind des Kreuzes Christi ist, des Kreuzes, das den Tod über das Fleisch bringt. Das Wort vom Kreuz ist den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit, aber denen, die glauben, ist es eine Gotteskraft.

Der Geist streitet gegen das Fleisch und will es an seinem rechten Ort festgemacht haben: am Kreuz. Erst dann bekommt man Leben und Frieden. Aber dann hört auch die Knechtschaft auf. An die Stelle der Knechtschaft treten dann Leiden nach dem Fleisch. Die Galater hatten auf diesem gesetzlichen Weg angefangen; und zu allen Zeiten liegt es den Menschen nahe, dasselbe zu tun.

Das Fleisch hat noch einen anderen Ausweg, um sein Leben behalten zu können: Man geht mit einer über alle Grenzen gehenden Freiheit drauflos und verspricht anderen Freiheit mitten in seiner Knechtschaft des Verderbens. Man schlägt den „Gesetzesknecht“ und zeigt mit Fingern auf alle, die sich nicht erdreisten wollen, in dieselbe scheinbar begehrenswerte Freiheit hinauszugehen. Aber das Ende davon ist der Tod, weil dies nur die Gesinnung des Fleisches ist. Erneut ist die Feindschaft wider das Kreuz am Werk.

Diese beiden Richtungen machen sich in der heutigen Zeit stark geltend. Manche erwählen „Knecht“ zu sein, andere wiederum eine „gesetzlose Freiheit“. Beide weichen dem Kreuz aus.

Aber Gott hat uns einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, durch sein Fleisch, gebahnt. Auf diesem Weg muss man den Tod nach dem Fleisch erleiden; aber dafür wird man lebendig gemacht nach dem Geist. Aber leider sind es nur wenige, die diesen schmalen Weg zum Leben finden.

Das wichtigste Zeichen dafür, dass man im Besitz der Gnade ist, ist, dass man nicht den Wunsch hat, auf der Erde etwas zu sein. Und es gibt nichts, wovor die Natur sich so sehr fürchtet, wie das, nichts zu sein. Halt inne und frag dich selbst, was in dir am meisten Raum einnimmt – die Natur oder die Gnade?