Der Weg zum Sohn
Dass der Geist vollkommen überführt, ist vom Vater und begegnet dem Sünder auf allen seinen Wegen. Alles zeigt in Richtung des Sohnes, des Sühnopfers. Der Vater zieht nicht zu sich selbst, sondern zum Sohn; und der Sohn zieht auch nicht zu sich selbst, sondern zum Vater.
„Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, dass ihn ziehe der Vater. Wer es nun hört vom Vater und lernt es, der kommt zu mir.“ Joh. 6, 44-45.
Alle evangelisierende Verkündigung ist das Ziehen des Vaters zum Sohn. Manche meinen, ohne durch den Sohn zum Vater zu kommen; aber der Sohn bildet selbst den Weg zum Vater, und einen anderen Weg zu ihm gibt es nicht.
Der Sünder lässt sich zum Sohn ziehen und findet in ihm Sühnung für seine Sünden und Reinigung von einem bösen Gewissen. Gibt er sich nun damit zufrieden, dann bleibt er dort stehen. Er sieht auf zu Jesus, so wie das Volk Israel zur ehernen Schlange aufschaute und gerettet wurde. Ob man nun die Last und Hitze des Tages trägt oder wie der Räuber am Kreuz in der elften Stunde kommt, so ist der Lohn der gleiche; denn man hat sich nur auf den Lohn von einem Silbergroschen geeinigt, nämlich die Vergebung der Sünden. In dieser Stellung befinden sich die meisten Christen, ob sie nun mit dem Geist getauft sind oder nicht.
Der Weg zum Vater
Niemand kommt auf diesen Weg, ohne dass er zuerst durch die Tür gegangen ist. Jesus sagt: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.“ Joh. 10, 9. In der Tür empfängt man zunächst Vergebung der Sünden, danach die Geistestaufe und so ist man gerüstet, um auf dem Weg zu gehen. Aber leider sagen die allermeisten Christen, dass Jesus den Weg für uns gegangen sei und wir dies deshalb nicht zu tun brauchen. So bleiben sie in der Türöffnung stehen und hindern sogar andere, die hindurch wollen.
Das erste, was einem auf dem Weg zum Vater begegnet, ist die Forderung des Geistes nach Gehorsam. Da diese Forderung zu Leiden nach dem Fleisch führt, wendet man sich lieber ab und den Versuchungen Satans zu, der Freiheit ohne Gehorsam und Kreuz verspricht. Damit haben wir zwei Parteien. Manche gehen den Weg im Gehorsam und kommen in die Leidensgemeinschaft Christi hinein; andere hassen Leiden und Kreuz und wenden sich Satan zu, indem sie an eine Freiheit glauben, die auf Satans anstatt auf Gottes Verheißungen gegründet ist.
Dies ist die Ursache des vor sich gehenden geistlichen Kampfes in unseren Tagen.
Ein Leiter innerhalb der modernsten freien Kreise wurde von einer bekehrten, aber von Schuld beschwerten Frau gefragt, was sie mit einem Gegenstand tun sollte, den sie vor ihrer Bekehrung gestohlen hatte. „Ich muss diesen Gegenstand sicher zurückgeben“, sagte sie. Aber weißt du, was sie zur Antwort bekam?
„Du willst doch wohl nicht Gott bei der Erlösung helfen?“
Wenn solche blinden Wegleiter, die sich selbst rühmen, so rein zu sein, dass sie gerne ihr Herz im Schaufenster zeigen würden, so verfinstert reden zu einer Seele, die in Gewissensnot ist, wie sollen die Leute dann den rechten Weg finden? Im direkten Gegensatz zur Überzeugungsarbeit des Geistes predigen sie wie Satan Ungehorsam gegenüber Gott; und zwar solchen Ungehorsam, wie ihn das Herz zunächst nach seinen fleischlichen Neigungen begehrt. Wie können diese Menschen Mitarbeiter Gottes sein? Weil sie Leiden, Gehorsam und Kreuz hassen, gehen sie selbst nicht den Weg zum Vater und hindern dazu noch andere, diesen zu gehen.
Aber Gott sei gedankt, mit ihrem Erfolg wird es vorbei sein; denn Ehre sei Gott, er hat in seiner großen Gnade mit seinem wahren Licht den Weg so kräftig beleuchtet, dass ihre Torheit bloßgestellt ist – sogar als Warnung und Mahnung.
Jesus ist der Weg.
Er lässt keine feige Seele auf diesen Weg kommen. Nur diejenigen, die im Gesetz des Geistes sind, wandeln auf ihm, diejenigen, die willig sind, jeden Tag ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen; denn nur diese sind seine Jünger und bekommen seine Erkenntnis. Auch sie kommen zur Freiheit, aber nur durch Offenbarung der Wahrheit, indem die wirksame Hoffnung im Gehorsam des Glaubens alle Leiden und Trübsale im Fleisch in eine Freude verwandelt, die so viel größer ist als die Freude derer, die in fleischlicher Freiheit sind – wie die Freude der Kinder Gottes größer ist als die der Welt. Paulus sagt, indem er diese Herrlichkeit schmeckt: „Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit.“ 2. Kor. 4, 17.
Aber wie wirkt die Trübsal auf solche Menschen, die sagen, dass Gehorsam Knechtschaft und Trübsal Mangel an Vision sei? Sie kann nichts anderes als Verzweiflung bewirken. Aber so ehrlich ist man doch nicht, dass man verzweifelt, sondern man sucht lieber neuen Trost in einer neuen Lüge.
Trotz all dieser inneren und äußeren Kämpfe führt dennoch der Weg durch den Sohn zum Vater, d. h. zur Vollkommenheit.
Selig jede Seele, die den Weg findet und heimfindet.
